Spekulationen über Gaddafis Beisetzung

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Laut einem Arzt starb der ehemalige libysche Machthaber an "Schüssen aus nächster Nähe in Kopf und Bauch". Sein Sohn Saif al-Islam wurde angeblich gefangen genommen.

Nach dem Tod des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi am Donnerstag gab es widersprüchliche Meldungen darüber, was mit Gaddafis Leichnam passieren soll. Die Leiche ist am Freitag in den Kühlraum eines Einkaufszentrums in der Nähe von Misrata gebracht worden. Sie wurde auf eine Matratze gelegt, während sich vor dem Raum zahlreiche Schaulustige einfanden, um einen Blick darauf zu werfen. Nach Angaben eines Sprechers des Militärrats in Misrata sollen noch DNA-Tests vorgenommen werden, bevor Gaddafi beigesetzt wird. Die Tests könnten zwei Tage in Anspruch nehmen.

Der Informationsminister der neuen libyschen Führung, Mahmoud Schamam, hatte zuvor erklärt, es sei unklar, wann und wo die Leiche des langjährigen libyschen Machthabers beigesetzt werden soll. Noch sei keine Entscheidung über die Bestattung getroffen worden. Am Donnerstagabend hatte der Nationale Übergangsrat wiederum erklärt, die Leiche solle nach einer Autopsie an einem unbekannten Ort beerdigt werden. Die neue Führung will vermeiden, dass Gaddafis Grab zur Pilgerstätte für letzte Anhänger wird.

Wie starb Gaddafi?

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Über den Tod von Muammar al-Gaddafi wird indes weiter gerätselt: Vieles deutet daraufhin, dass der ehemalige Despot hingerichtet wurde. Ein Mediziner im Krankenhaus von Misrata, der Gaddafis Leiche untersucht hat, gab an, der 69-Jährige sei durch "Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch" getötet worden. Das berichtet der arabische Nachrichtensender Al-Arabiya. Der US-Fernsehsender NBC berichtet, dass Rebellen Gaddafi nach seiner Gefangennahme hingerichtet haben.

Anders als sein Vater dürfte Saif al-Islam noch am Leben sein. Rebellen berichteten dem Fernsehsender al-Arabiya, dass sie den Sohn des Diktators gefangen genommen haben. Ein Foto von ihm werde veröffentlicht, sobald seine Wunden versorgt seien, so ein Sprecher der Rebellen von Zltian.

Abwasserrohr

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Ein Kämpfer der Nationalrats-Milizen, der nach eigenen Angaben am Donnerstag bei Gaddafis Festnahme in Sirte dabei war, stellte die Situation am Freitag in einem Gespräch mit dem Nachrichtensender Al Jazeera anders dar. Nach einem heftigen Feuergefecht mit seinen Leibwächtern am Zugang zu dem Abwasserrohr, in dem er sich versteckt hielt, habe sich Gaddafi ohne weitere Schwierigkeiten festnehmen lassen, sagte der Milizionär Osama al-Tajib.

"Wiederbelebungsversuche"

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"Wir übergaben ihn dem Sicherheitskomitee", führte er weiter aus. "Doch dann brach ein Gefecht zwischen den Gaddafi-Loyalisten und den Revolutionären aus." Gaddafi sei dabei durch Schüsse an Kopf und Brust getroffen worden. "Wir legten ihn in einen Ambulanzwagen, ein Arzt machte Wiederbelebungsversuche, aber er starb." Der Chef des Übergangsrats hatte zuvor gesagt, Gaddafi sei "bis zum Schluss am Leben" gewesen, "bis er im Spital in Misrata ankam."

Vor der Gefangennahme hatte Gaddafi offenbar versucht, in einem Autokonvoi aus seiner eingenommenen Geburtsstadt Sirte zu entkommen. Die NATO meldete, zwei französische Kampfjets hätten am Donnerstag um 8.30 Uhr Ortszeit mehrere Militärfahrzeuge von Gaddafi-Anhängern angegriffen. In einem könnte sich Gaddafi befunden haben, der sich - so nehmen viele Medien an - daraufhin in einem Betonrohr unter der Straße versteckt habe. Der 20-Jährige Freiheitskämpfer Mohammed El-Bibi gab gegenüber der britischen BBC an, ihn in dem Abflussrohr gefunden und gefangengenommen zu haben.

Mutassim getötet

Auch Gaddafis Sohn Mutassim ist getötet worden. Am Donnerstagabend führten Kämpfer Journalisten in ein Haus am Rande Misratas, in dem eine Leiche auf einer Decke am Boden lag - offenbar handelt es sich dabei um den Gaddafi-Sohn. Der Leichnam weist eine große Schusswunde am Hals auf.

Hillary Clinton: "Wow"

Ungewöhnlich reagierte US-Außenministerin Hillary Clinton auf die Nachricht von Gaddafis Gefangennahme. Nachdem ihr ein Mitarbeiter einen Blackberry mit der Information reichte, entkam Clinton ein lautes "Wow", das von einem CNN-Team mitgefilmt wurde.

Für ihren Vorgesetzten, US-Präsident Obama, ist der Tod des Ex-Diktators das "Ende eines langen und schmerzhaften Kapitels". Das libysche Volk habe nun die Chance, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, so Obama am Donnerstag.

"Kompletter Neuanfang"

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Der Chef der Übergangsregierung Mahmoud Jibril verkündete indes, die neuen Machthaber wollten an diesem Samstag offiziell den Beginn der Übergangsphase auf dem Weg zu einem demokratischen Staat verkünden. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil, wolle dies in Sirte, der Heimatstadt von Ex-Diktator Gaddafi tun. Dann werde binnen 30 Tagen eine neue Übergangsregierung gebildet. Acht Monate später solle dann ein Nationalkongress einberufen werden, um die Weichen für einen kompletten Neuanfang zu stellen.

Der NATO-Rat will auf einer Sondersitzung den Militäreinsatz in Libyen für beendet erklären. Frankreichs Außenminister Alain Juppé erklärte vorher bereits, der NATO-Einsatz könne als beendet betrachtet werden.

(APA, DPA, KURIER.at / lef, stb, mn) Erstellt am

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