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KURIER
Eine Afghanerin demonstriert in Kabul gegen Gewalt gegen Frauen. - Foto: EPA

Letztes Update am 08.07.2012, 15:47

Menschenmenge bejubelt Hinrichtung einer Frau . In Afghanistan ist eine Frau von einem Mann auf offener Straße und unter den Augen hunderter jubelnder Männer erschossen worden.

Afghanistan hat am Sonntag von der internationalen Gemeinschaft zivile Hilfe in Milliardenhöhe zugesprochen bekommen. Im Gegenzug sagte das Land erneut einen verstärkten Kampf gegen Korruption und Drogen, bessere Regierungsführung, freie Wahlen in den Jahren 2014 und 2015 sowie Finanzreformen zu (mehr dazu hier).

Die Situation für Frauen im Land ist aber weiterhin schlecht: Ein Mann hat eine mutmaßliche Ehebrecherin vor den Augen jubelnder Zuschauer auf offener Straße erschossen.

Die Tat habe sich vor etwa einer Woche im Dorf Kimchok in der Nähe der Hauptstadt Kabul ereignet, sagte Gouverneur Basir Salangi. Er bezeichnete den Täter als einen Taliban. Der Nachrichtenagentur Reuters lag ein dreiminütiges Video vor, welches das Verbrechen zeigt. "Als ich das Video sah, musste ich meine Augen schließen... Die Frau war nicht schuldig; die Taliban sind schuldig", sagte Salangi.

Die Aufzeichnung zeigt einen mit einem Turban gekleideten Mann, der unter den Augen von etwa 150 jubelnden Männern fünfmal mit einer Automatikwaffe auf eine am Boden kniende Frau schießt. Ein Beobachter sagt: "Es ist Allahs Befehl, dass sie hingerichtet wird." Angeblich habe die 22-Jährige ein Verhältnis zu einem Kommandeur der Taliban unterhalten. "Seine Kameraden töteten sie, um das Ansehen des Kommandeurs zu wahren", sagte der Gouverneur. Vertreter der Taliban dementierten, in die Tat verwickelt zu sein.

Die afghanische Abgeordnete Fawsia Koofi bezeichnete den Vorfall als riesigen Schritt rückwärts. Zugleich fragte sie, wie es in dieser Menschenmenge so weit kommen konnte. Menschenrechtsexperten beobachten seit einiger Zeit die wachsende Gewalt gegen Frauen am Hindukusch. Als die Taliban von 1996 bis 2001 an der Macht waren, wurden Ehebrecher stets öffentlich hingerichtet.

Frauen war unter der Taliban-Herrschaft fast jede Art der Berufstätigkeit untersagt, das Studium verboten und ihre Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt.

UNO-Konferenz in Tokio verspricht Afghanistan 16 Milliarden Dollar

Über das Ende des NATO-Kampfeinsatzes Ende 2014 erhält Afghanistan zivile Hilfe von der internationalen Gemeinschaft. In der Abschlusserklärung der Konferenz in Tokio hieß es am Sonntag, die Gebernationen wollten Afghanistan bis einschließlich 2015 mit mehr als 16 Milliarden Dollar (12,93 Mrd. Euro) unterstützen. Bis inklusive 2017 solle die Hilfe etwa auf dem Niveau des vergangenen Jahrzehnts bleiben.

Seit der US-geführten Militärintervention zum Sturz der radikalislamischen Taliban Ende 2001 sind unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 47 und 60 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern nach Afghanistan geflossen. Das nach mehr als 30 Jahren Krieg zerstörte Land ist ohne Hilfe von außen nicht überlebensfähig. Nach Angaben der Weltbank macht die internationale Hilfe mehr als 95 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die USA hatten Afghanistan am Samstag offiziell den Status eines "wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten" zugebilligt. Damit bekommt Kabul leichteren Zugang zu US-Rüstungsprodukten. Rund 15 Staaten haben diesen Status, darunter Israel, Ägypten, Pakistan, Japan und Jordanien.

(APA, Reuters/la) Erstellt am 08.07.2012, 15:29

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