Das Ende des Stromkabels
Drahtloser Strom: Noch heuer kommen die ersten Hightech-Geräte auf den Markt, die kabellos mit Energie versorgt werden
Kein Kabelsalat im Flugzeug: Der Laptop wird drahtlos mit Strom versorgt
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Wir loggen uns dank WLAN und mobilem Breitband drahtlos ins Internet ein. Wir verschicken drahtlos eMails und diverse andere Dateien; nicht nur via Web, sondern auch via Bluetooth und künftig Wireless USB. Und das "Wireless Homecinema" lässt aus den Boxen, die drahtlos mit Anlage und Flat-TV verbunden sind, Musik und Kinosound erklingen.
Allerdings: Jedes unserer Geräte muss an die Steckdose - manche ständig, wie die Boxen des drahtlosen Heimkinos, manche regelmäßig, wie Handys oder Notebooks - weil drahtloser Strom (noch) nicht marktreif ist. Das wird sich aber heuer ändern. Das US-Unternehmen Fulton Innovation hat die Technologie eCoupled entwickelt, mit der Energie drahtlos über sehr kurze Distanzen bis zu 2,5 Zentimeter übertragen werden kann.
Entwicklung
Werkzeuge drahtlos ladenBereits vor drei Jahren hat Fulton die ersten Prototypen seiner eCoupled-Technologie gezeigt, die auf Induktion basiert, wie man sie auch von Zahnbürsten oder Herden her kennt. Drei Jahre später ist eCoupled marktreif: In den USA sind bereits erste Geräte erhältlich, die drahtlos geladen werden: Dell hat in sein Notebook "Latitude Z" ein eCoupled-Modul integriert, der Batterien-Hersteller Energizer hat eine LED-Taschenlampe und Bosch Akkubohrer entwickelt, die drahtlos geladen werden. Dem KURIER erlaubte Fulton einen Einblick in das Testlabor: Im Wohnzimmersessel mit Aufklapptisch ist ein Lademodul integriert. Sobald das Notebook daraufgestellt wird und einrastet, beginnt der Ladevorgang. Ähnlich funktioniert auch das Ladepad für Handys (derzeit Motorola) und Digicams (Olympus). Mobiltelefon als auch Kamera haben ein eCoupled-Modul integriert. Geladen werden sie kabellos, allerdings hängt das Ladepad an der Steckdose. Tische mit integriertem Lademodul wird es nicht nur daheim geben, sondern auch in Flugzeugen. Für Autos wiederum sind in die Konsole eingebaute Lademulden angedacht. "Wir unterscheiden zwischen Lösungen für niedere, mittlere und starke Spannung", erklärt Fulton-Manager Josh Schwannecke. Eine niedere Spannung brauchen Handys, eine hohe diverse Küchengeräte.
Steckdose ade
Ladestation im SofaSpannend ist auch der Stromauslass an der Wand, an dem ein digitaler Bilderrahmen oder eine Lampe montiert werden kann. Sobald man ein Gerät an die Wand hängt, kommt aus dieser ein kleiner Knopf, der Haken und Stromlieferant zugleich ist. Bemerkenswert ist die eCoupled-Entwicklung in der (Schau)Küche, da in der Arbeitsplatte ein überdimensionales Modul integriert ist. Dieses liefert nicht nur dem Mixer Strom, sobald man diesen an einer bestimmten Stelle positioniert, auch Toaster, Kochtopf oder Bratpfanne werden mit Induktion versorgt - wie bei Herden wird das Wasser rasch heiß, die Arbeitsplatte selbst bleibt lauwarm.
Zukunft
Drahtlos im Auto Handys mit Energie versorgen"Wir werden in den kommenden Jahren einige Geräte sehen, die unsere Technologie an Bord haben", sagt Schwannecke. Damit die Entwicklung rascher vonstatten geht, hat sich 2009 das "Wireless Power Consortium" gebildet, der führende Hightech-Unternehmen angehören; Samsung und Philips sind genauso dabei wie Nokia, RIM, Duracell, LG oder Olympus. Jede dieser Firmen forscht, "gemeinsam wurde der drahtlose Ladestandard Qi erarbeitet", sagt Schwannecke. Zudem hat Texas Instruments ein "Developers Kit" entwickelt, mit dem interessierte Firmen experimentieren und Produkte entwickeln können. Und in den Laboren von Fulton werden schon erste Prototypen getestet, die Strom drahtlos über mehr als einen Meter übertragen.
eCoupled: Drahtlose Energie
Derzeit können 1400 Watt (Energie, die ein Heizlüfter braucht) drahtlos übertragen werden, punkto Eingangsspannung sind bis zu 340 Volt möglich. Die maximale Distanz liegt derzeit bei etwa 2,5 Zentimeter. Theoretisch könnte Energie auch über Distanzen von bis zu zwei Metern übertragen werden, allerdings würde es einerseits zu Interferenzen kommen, deren gesundheitlichen Folgen sich nicht abschätzen ließen (Herzschrittmacher). Andererseits würde diese Lösung teuer sein, da große Magnetspulen in den Geräten notwendig wären.





