Die Ballroben der US-First Ladys

Die Präsidenten-Gattinnen wählen ihre Kleider für die Amtseinführung ihrer Männer ganz bewusst aus.

First Lady in Red: Am 21. Jänner 2013 wurde Michelle Obama von ihrem Gatten, dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten, in einer roten Robe auf's Pakett geführt. Es ist die zweite Amtsperiode für Barack Obama, zu deren Anlass trug seine First Lady eine schulterfreie Chiffon-Kreation mit Samtdetails von Jason Wu - den Michelle schon vor vier Jahren gewählt hatte. In das Kleid wurde ein handgefertigter Diamantring von Kimberly McDonald eingearbeitet. Ihre Schuhe waren von Jimmy Choo. "Ich bin noch immer von den Socken", sagte der taiwanesisch-kanadische Modeschöpfer Wu während der Übertragung. "Es ist eine große Überraschung. Das Weiße Haus gab mir erst fünf Minuten vor dem Auftritt Bescheid, dass sie mein Kleid tragen wird." Dass das Kleid in Rubinrot war, verwirrte erst. Viele hatten erwartet, dass die 49-Jährige eine  Robe in Blau - die Farbe der Demokraten - tragen würde. Rot ist die Farbe der Republikaner und somit jene der Gegenpartei. "Als Designer müssen Sie zu erst an den Kunden denken", so Jason Wu. "Und ich bin der Meinung, Rot ist die perfekte Farbe für sie. Es ist so eine selbstbewusste Farbe für sie und es war einfach mein erster Instinkt." Am 20. Jänner 2009 war Michelle Obama im mädchenhaft wirkenden weißen Chiffonkleid neben ihrem Barack aufs Parkett getreten. Sie strahlte voller Stolz und Freude nach der ersten Amtseinführung ihres Mannes als US-Präsident. Die Swarovski-Kristalle auf ihrem Kleid funkelten, die Menschen um sie herum überschütteten sie mit Beifall. Mit Spannung wurde damals erwartet, welches Outfit die so modebewusste wie athletische erste schwarze First Lady der USA wohl tragen würde. Denn was die First Ladys der USA für den Abend der Abende wählten, ist wohl überlegt. Das Kleid im Detail: Weiße Chiffonseide fließt von der Taille auf den Boden herab. Übersät mit Organza-Blumen, die einen Swarovski-Kristall als Zentrum haben, wirkt das Kleid mädchenhaft und leicht. Wie es heißt, entschied sie sich damals erst nach langen Überlegungen für die Kreation des Modedesigners Jason Wu - eine große Ehre für den damals erst 26-Jährigen, der in Taiwan geboren wurde und heute in New York lebt. Designerin Loree Rodkin entwarf den passenden Schmuck dazu: lange, fast bis zu den Schultern hängende Ohrringe und einen Diamantring sowie Armreifen aus Weißgold. Schlichte Jimmy Choo-Schuhe machten das Ensemble komplett. Weiße Chiffonseide trug auch Jacqueline Kennedy (im Bild mit  dem 35. US-Präsidenten John F. Kennedy) im Jahr 1961. Im Vergleich zu Obamas Kleid wirkt es eher mondän und damenhaft. Gerade geschnitten, ohne Ausschnitt und ärmellos ist es. Erst beim zweiten Hinsehen entdeckt man, dass sich unter dem Seidentop ein mit Brillanten übersätes und mit Silberfäden besticktes Mieder verbirgt. Jackie Kennedy entwarf das Kleid selbst, das dann vom New Yorker Luxusmodehaus Bergdorf Goodman hergestellt wurde. Und noch ein weiteres Mal strahlte eine frischgebackene First Lady in reinem Weiß: Nancy Reagan (im Bild mit dem 40. US-Präsident Ronald Reagan) trug 1981 ein ... ... mit Perlen besticktes, weißes Futteralkleid von James Galanos. Bereits im November 1980 schrieb die New York Times über sie: "Sie hat Flair und Stil, und sie wird anders sein als jegliche First Lady bisher." Kritiker meinten, sie kümmere sich zu viel um ihr Aussehen. Zu dem Kleid hatte sie - wie viele andere US-First-Ladys auch - eine Tasche der ungarischen Designerin Judith Leiber gewählt. Doch nicht nur zwischen Michelle Obama, Jacky Kennedy und Nancy Reagan in Weiß können Parallelen gezogen werden. Auch die Ballroben von Hillary Clinton (im Bild mit dem 42. US-Präsident Bill Clinton) und ... ... Laura Bush ähneln sich stark. Beide sind bodenlang, aus aufwendiger Spitze hergestellt und langärmlig. Auf den ersten Blick ist nur die Farbe verscheiden: Hillary trug 1993 Blau - die Farbe der Demokraten, entworfen von Sarah Phillips, ... ... Laura 2001 Rot - die Farbe der Republikaner, designt von der Texanerin Michael Faircloth. Dazu trug Laura eine Tasche von Judith Leiber. Im Vergleich zu den verhüllenden Schnitten bei Laura Bush und Hillary Clinton wagte Mamie Eisenhower (im Bild mit dem 34. US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower) im Jahr 1953 weitaus mehr.  Sie zeigte in ihrem Kleid von Nettie Rosenstein mit Abstand am meisten Ausschnitt und außerdem ihre Oberarme, lange bevor das bei Michelle Obama im Jahr 2009 fast zum Politikum wurde.
(KURIER) Erstellt am
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