Ein Muttersöhnchen mischt die Modewelt auf

Sogar seine Mom nennt ihn Boss. Joseph Altuzarra ist der größte Star unter New Yorks aufstrebenden, jungen Designern, die eines gemeinsam haben: Sie alle haben Wurzeln in Asien.

Er ist jung, gutaussehend und unglaublich erfolgreich. Seine soeben auf der New Yorker Modewoche präsentierte Frühjahrskollektion 2013 gehörte wieder zu den besten. Riesenapplaus, als sich Joseph Altuzarra am Ende seiner Show verbeugt. Backstage umarmt er eine zierliche Frau, seine Mutter.  Karen Altuzarra ist aber nicht nur gekommen, um ihren Sohn zu bewundern. Sie arbeitet bei ihm, ist seine „chief executive“ wie er sagt, seine Geschäftsführerin. Hat also auch einen großen Anteil am Erfolg des Unternehmens. Vor fünf Jahren gründete Joseph Altuzarra sein Label, da ...
Im Bild: Aus der "Sommer 2013"-Kollektion. ... arbeitete die Mutter noch in leitender Position in einem der größten Finanzunternehmen weltweit, der JPMorgan Bank in Paris.
Im Bild: Aus der "Winter 2012"-Kollektion. "Ich brauchte jemanden, der meinen Businessplan überprüft, der Geld für mich auftreibt", sagt er rückblickend. Der damals 25-Jährige musste nicht lange nach jemand Passendem suchen. "Meine Mutter kennt sich nicht nur bei finanziellen Dingen aus. Wenn sie sagt, dass etwas erledigt wird, dann wird es das auch." In den kreativen Prozess mischt Karen Altuzarra sich nicht ein. Außer beim "Stoff-Kampf", wie Joseph es lächelnd nennt.
Im Bild: Aus der "Winter 2012"-Kollektion.  Den gibt es dafür jede Saison. "Ich möchte einen besonderen Stoff verwenden, der sehr teuer ist. Da sagt meine Mutter o.k., kauf ihn, aber damit ist dein Budget dann ziemlich ausgeschöpft und es liegt dann an mir, mich zu entscheiden." Bezeichnend, dass er "Mom" zu ihr sagt, sie nennt ihn "Boss". Gibt es Dinge, die er entwirft, die seine Mutter nicht leiden kann? "Aber ja, immer wieder", grinst Joseph. "Meine Mutter hasst Overalls, aber ich habe sie fast in jeder Kollektion. Manchmal kommt es auch vor, dass ihr Entwürfe nicht gefallen. Wenn sie dann aber ausgearbeitet an den Models vor ihr stehen, dann mag sie sie doch." Wie wichtig gute Geschäftspartner in einer Firma sind, hat er schon während seiner Lehrjahre bei Marc Jacobs und Givenchy erkannt. "Design ist ja nur ein kleiner Teil des Business, wenn du ein eigenes Unternehmen hast. Die kreative Arbeit macht gerade einmal 15 Prozent aus. Die übrige Zeit musst du Leute managen und Produzenten anleiten und überzeugen. Man kann den schönsten Entwurf, das genialste Design haben, aber wenn man die gewünschte Umsetzung nicht kommunizieren kann, wenn die Zusammenarbeit nicht klappt und die Modelle nicht zeitgerecht geliefert werden, wird nichts daraus." Joseph Altuzarra wurde 1984 in Paris geboren, die Mutter ist Halb-Chinesin, Halb-Amerikanerin, der Vater Halb-Franzose, Halb-Baske. (Altuzarra ist Baskisch und heißt übersetzt "Alter Mann auf dem Berg".) Zunächst studiert er in Philadelphia Kunst und Kunstgeschichte mit dem Focus auf Mode und Architektur. Nach seinem Abschluss geht er 2005 nach New York, kommt gleich einmal für ein Halbjahres-Praktikum bei Marc Jacobs unter. Auch seine nächsten Arbeitgeber haben einen guten Namen: Proenza Schouler. Danach nimmt ihn Riccardo Tisci, der Chefdesigner von Givenchy, mit nach Paris, ehe er sich 2008 selbstständig macht.
Im Bild: Altuzarra mit Kate Bosworth. Bereits seine erste Kollektion, die er in New York zeigt, erregt Aufsehen.
Im Bild: Lana del Rey in Altuzarra. Der raffinierte Mix aus französischer Couture und amerikanischem Clean Chic begeistert auch das Komitee des CFDA/Vogue Fashion Fund mit Anna Wintour und Diane von Fürstenberg an der Spitze. 2011 gewinnt Altuzarra den renommierten, mit 300.000 $ sehr gut dotierten Award. Celebrities wie Salma Hayek und Lauren Santo Domingo beginnen seine Klamotten zu tragen. Und auch Nadja Swarovski (links) steht bald auf Joseph Altuzarra. Die mächtigste Frau des Tiroler Glitzerkonzerns lässt ihn für den Konzern Schmuck entwerfen, verlieh ihm im Juni den Swarovski Award for Emerging Talents in Womens Wear und unterstützt ihn bei der neuen Kollektion. Viele Frauen denken wie sie. In nur vier Jahren schaffte es Joseph Altuzarra, seine Kollektionen in mehr als 50 Geschäften weltweit unterzubringen. Mode für Teenager zu entwerfen, reizt den 28-Jährigen nicht. Sein Motto: "Ich möchte zeitgemäße, praktische Kleidung für modebewusste Frauen machen. Noch vor zwanzig Jahren war es verpönt, wenn 55-Jährige sexy sein wollten. Die Zeiten sind vorbei. Heute sind Frauen jeden Alters körperbewusst und ich unterstütze sie dabei." Seine Vorbilder? Helmut Lang, Jil Sander, Raf Simons, Tom Ford, Nicolas Ghesquière von Balenciaga. Kürzlich veröffentlichte das Forbes Magazin eine Liste mit den „30 wichtigsten Künstlern und Designern unter 30“ und setzte Joseph Altuzarra darauf. Und seinen Freund, Alexander Wang (Bild). Der ähnliche Preise wie Altuzarra gewonnen hat und in dessen Modefirma auch die Mutter arbeitet. Ying Wang, eine Rechtsanwältin, sitzt im Board der Firma, die mindestens so erfolgreich wie jene von Altuzarra ist. An der Sache muss etwas dran sein: Einer der wenigen, international wirklich erfolgreichen Mode-Designer in Österreich, Petar Petrov, hat eine Mutter, die seine Produktion leitet ...
(KURIER, Bilder: u.a. photopress.at / Brigitte R. Winkler) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?