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Gelungener Tournee-Auftakt für Gregor Schlierenzauer.
Gelungener Tournee-Auftakt für Gregor Schlierenzauer. - Foto: reuters

Letztes Update am 30.12.2012, 16:16

Tournee: Schlierenzauer zum Auftakt Zweiter. Der Norweger Jacobsen gewann beim Ländermatch Deutschland – Österreich.

Cordoba hat noch gefehlt. Dann wäre die Hysterie rund um den Schanzentisch wohl endgültig perfekt gewesen. Vor der 61. Vierschanzen-Tournee hatte sich alles nur mehr um ein Thema gedreht – den Länderkampf Österreich – Deutschland. Schlierenzauer gegen Freund, Kofler gegen Wellinger, Pointner gegen Schuster, rot-weiß-rot gegen schwarz-rot-gold – zum Narrisch werden.

Dass bei der Tournee möglicherweise ein anderer Springer diese traute österreich-deutsche Zweisamkeit stören könnte, daran hat wohl keiner gedacht.


Und dann kam doch auf einmal alles anders.

Der Norweger Anders Jacobsen wurde zum Spielverderber des Länderspiels Österreich gegen Deutschland. Anders wer?

Senkrechtstarter

Der 27-Jährige war vor dieser Tournee in keiner der Listen der Mit- und Geheimfavoriten aufgetaucht. Was sollte man von einem auch erwarten, der vor kurzem noch in Skisprung-Pension war und bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg auf den Plätzen 25 und 27 gelandet war?

Doch ein Zufallssieger ist dieser Anders Jacobsen keineswegs. Immerhin ist der 27-Jährige der letzte norwegische Tourneesieger (2006, 2007) – und er ist auch der einzige Nicht-Österreicher im Teilnehmerfeld, der je die Tournee gewonnen hat. Dass er seinen prominenten Konkurrenten in Oberstdorf aber dermaßen um die Ohren springt, damit hatte nicht einmal er selbst gerechnet. "Das war ein perfekter Wettkampf", strahlte Anders Jacobsen nach seinen Sprüngen auf 138 und 139 Meter.

Gegen diesen Norweger in Überform waren selbst die Überflieger dieses Winters chancenlos. Severin Freund hatte als Dritter bereits 17,8 Punkte Rückstand, Gregor Schlierenzauer konnte als Zweiter immerhin Schadensbegrenzung betreiben. 11,6 Zähler Vorsprung sind freilich ein komfortabler Punktepolster für Jacobsen.

Der Tiroler Titelverteidiger ist allerdings weiter die Zuversicht in Person. "Diese Tournee dauert noch lange", lächelt Schlierenzauer, "auf die Gesamtwertung schaue ich noch überhaupt nicht."

Fluglehrer

Dafür werden die Skisprung-Experten beim Siegespodest ganz genau hingesehen haben. Denn das Stockerl in Oberstdorf war Made in Austria. Gewinner Anders Jacobsen hat ebenso einen österreichischen Cheftrainer (Alexander Stöckl) wie Severin Freund (Werner Schuster).

Stöckl ist dafür verantwortlich, dass Anders Jacobsen überhaupt erst wieder mit dem Skispringen angefangen hat. Vom jungen Tiroler Coach hatte man sich in Norwegen solche Wunderdinge erzählt, dass Jacobsen den Rücktritt vom Rücktritt erklärt hatte.

Eine kluge Entscheidung – die Statistik stempelt den Norweger nun zum Tourneefavoriten. In den letzten drei Jahren hat immer der Sieger von Oberstdorf auch die Gesamtwertung gewonnen.

Vom Winde verschmäht

"Blöd gelaufen." Thomas Morgenstern quälte sich zu einem Lächeln. Dass ausgerechnet ihm das passieren musste. Ihm, dem ehemaligen Tournee-Gewinner. Da reist er im Hochgefühl eines Jung-Papas – Tochter Lilly kam am 25. Dezember auf die Welt – zum Tournee-Auftakt nach Oberstdorf an, da strotzt er nur so vor Energie und landet im Probedurchgang noch auf dem zweiten Platz – und dann so etwas.

Nur 119,5 Meter im ersten Durchgang, unerwartetes Aus im K.-o.-Duell mit dem Russen Rosliakov , keine Qualifikation für das Finale, nachdem der 26-Jährige vom Winde verschmäht worden war – für Morgenstern war diese 61. Vierschanzentournee bereits vorbei, noch ehe sie richtig begonnen hatte. "Der Frust ist groß", haderte der 26-Jährige, "schlimm, wenn man dem Wind ausgeliefert ist. Unter diese Tournee mach’ ich ein Hakerl."

Aus Fehlern nichts gelernt

Thomas Morgenstern sollte nicht der einzige ehemalige österreichische Tourneesieger bleiben, der seine Chancen in der Gesamtwertung bereits in Oberstdorf verspielt. Teamkollege Andreas Kofler, der Triumphator von 2010, wurde nachträglich disqualifiziert, weil sein Anzug nicht den Normen entsprochen hatte. Ein Malheur, das ihm nicht passieren dürfte. Kofler ist ein Wiederholungstäter, er war bereits beim Weltcupauftakt in Lillehammer negativ aufgefallen.

 

 

Endstand:
1. Anders Jacobsen NOR 138,0 / 139,0 308,6
2. Gregor Schlierenzauer AUT 134,5 / 138,5 297,0
3. Severin Freund GER 138,5 / 135,5 290,8
4. Dimitri Wassiliew RUS 137,5 / 138,5 282,6
5. Tom Hilde NOR 135,5 / 138,5 281,3
6. Simon Ammann SUI 133,5 / 139,0 280,3
7. Manuel Fettner AUT 136,5 / 131,0 278,7
8. Andreas Kofler AUT 128,0 / 134,0 276,5

9. Michael Neumayer GER 136,5 / 134,5 274,6
10. Rune Velta NOR 132,5 / 134,5 272,8
11. Andreas Wellinger GER 131,0 / 127,0 272,4
12. Anders Bardal NOR 136,0 / 125,5 266,9
13. Jaka Hvala SLO 127,0 / 132,5 266,7
14. Kamil Stoch POL 132,5 / 125,0 264,3
15. Wolfgang Loitzl AUT 130,5 / 130,5 264,2
16. Richard Freitag GER 126,5 / 129,0 264,1
17. Martin Schmitt GER 125,0 / 130,5 263,6
18. Taku Takeuchi JPN 134,0 / 130,0 260,5
19. Peter Prevc SLO 127,5 / 128,5 259,8
20. Danny Queck GER 126,0 / 128,5 259,7
21. Ilja Rosliakow RUS 127,5 / 128,0 257,2
22. Stefan Hula POL 128,5 / 126,0 255,8
23. Anders Fannemel NOR 127,5 / 125,5 253,7
24. Denis Kornilow RUS 124,5 / 126,0 252,5
25. Maximilian Mechler GER 126,5 / 123,5 251,7
26. Gregor Deschwanden SUI 130,0 / 124,0 251,5
27. Dawid Kubacki POL 127,0 / 124,5 248,2
28. Lukas Hlava CZE 117,5 / 122,5 247,2
29. Klemens Muranka POL 129,5 / 118,5 242,6
30. Roman Koudelka CZE 116,0 / 116,0 228,2
Nicht für das Finale qualifiziert:
39. Michael Hayböck AUT 124,5 121,9
40. Thomas Morgenstern AUT 119,5 120,7
48. Martin Koch AUT 118,5 113,3

 

Stand nach dem ersten Durchgang:

1. Anders Jacobsen NOR 138,0 149,6
2. Gregor Schlierenzauer AUT 134,5 144,4
3. Severin Freund GER 138,5 143,8
4. Tom Hilde NOR 135,5 141,1
5. Kamil Stoch POL 132,5 140,6
6. Simon Ammann SUI 133,5 139,2
7. Dimitri Wassiliew RUS 137,5 138,9
8. Manuel Fettner AUT 136,5 138,5
9. Andreas Wellinger * GER 131,0 137,1
10. Anders Bardal NOR 136,0 137,0
11. Andreas Kofler AUT 128,0 134,6
12. Michael Neumayer GER 136,5 134,3
13. Rune Velta * NOR 132,5 133,5
. Wolfgang Loitzl AUT 130,5 133,5
15. Gregor Deschwanden SUI 130,0 132,1
16. Peter Prevc SLO 127,5 132,0
17. Taku Takeuchi * JPN 134,0 131,3
18. Ilja Rosliakow RUS 127,5 130,7
19. Martin Schmitt GER 125,0 129,7
20. Klemens Muranka POL 129,5 129,5
. Richard Freitag GER 126,5 129,5
22. Jaka Hvala * SLO 127,0 129,4
23. Denis Kornilow RUS 124,5 128,9
24. Danny Queck * GER 126,0 127,4
25. Dawid Kubacki POL 127,0 127,3
26. Anders Fannemel NOR 127,5 127,1
27. Stefan Hula POL 128,5 126,8
28. Maximilan Mechler GER 126,5 124,9
29. Lukas Hlava CZE 117,5 120,9
30. Roman Koudelka CZE 116,0 114,9

(KURIER) Erstellt am 30.12.2012, 16:16

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