Skispringer Lukas Müller bleibt gelähmt

ARCHIVBILD: LUKAS MÜLLER (AUT)
Lukas Müller stürzte am Mittwoch schwer und musste notoperiert werden.

"Er hat eine Restsensibilität in den Beinen", erklären die behandelnden Ärzte.

Wenn es um das Schicksal von Lukas Müller geht, dann ist im Moment sehr viel von Hoffnung die Rede. Von der Hoffnung, dass der Kärntner Skispringer die größte Herausforderung seines jungen Lebens meistern wird. Dass vielleicht auch noch ein kleines medizinisches Wunder passiert. Von der Hoffnung, dass Lukas Müller irgendwann seine Beine doch noch einmal bewegen kann.

Die Ärzte, die den 23-Jährigen nach seinem schweren Sturz auf der Flugschanze am Kulm zweieinhalb Stunden an der Halswirbelsäule operiert haben, sprachen von einer inkompletten Querschnittlähmung. Das bedeutet: Lukas Müller kann im Moment seine Beine zwar nicht bewegen, es gebe allerdings durchaus positive Signale, die Mut machen. Denn der dreifache Juniorenweltmeister verspürt noch eine Restsensibilität in den Beinen.

PK LKH-KLINIKUM GRAZ "GESUNDHEITSZUSTAND ÖSV-SPRIN Foto: APA/ELMAR GUBISCH Die Pressekonferenz im LKH Graz

Es sind jedenfalls Fälle bekannt, bei denen nach langer Rehabilitation Rückbildungen möglich seien, sagte Gernot Brunner, der ärztliche Leiter des LKH Graz. Aber der Heilungsverlauf sei "heute nicht konkret abschätzbar". Genaueres werde man erst "in Monaten oder in einem Jahr sehen".

Auf der Intensivstation

Lukas Müller soll die bittere Diagnose gefasst aufgenommen haben. Inzwischen ist es dem 23-Jährigen wieder möglich, selbstständig zu atmen, dazu wurde bereits mit den ersten Mobilisierungsmaßnahmen begonnen. Weil eine so schwere Rückenmarkverletzung aber auch die Organe beeinträchtigt, bleibt der Skispringer vorerst noch einige Tage auf der Intensivstation. "Wir werden ihm in jeder Form helfen", kündigte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel an.

Ski jumping World Cup in Willingen Foto: EPA/ARNE DEDERT Fairall bei seiner Rückkehr nach Bischofshofen Müllers Sturz weckt Erinnerungen an das Schicksal von Nick Fairall: Der Amerikaner sitzt seit einem Unfall vor einem Jahr beim Tournee-Finale in Bischofshofen im Rollstuhl, kann mittlerweile aber seine Beine leicht bewegen und hat auf Krücken auch schon wieder erste Gehversuche gemacht. Fairall sprach bei seiner Rückkehr nach Bischofshofen sogar davon, wieder einmal skispringen zu wollen.

Aus Karriereträumen gerissen

Skispringer Lukas Müller ist nicht der einzige österreichische Sportler, der in den vergangenen Monaten jäh aus seinen Karriereträumen gerissen wurde. Er teilt sein Schicksal mit Kira Grünberg und Vanessa Sahinovic, die ebenfalls gelähmt sind.

- Vanessa Sahinovic Die junge Synchronschwimmerin wurde im Juni bei den Europaspielen in Baku (Aserbaidschan) Opfer eines Verkehrsunfalls. Sahinovic wurde an der Haltestelle von einem Bus überfahren und erlitt dabei einen Bruch des zwölften Brustwirbels. "Es geht mir ganz gut", sagte die 16-Jährige, als der KURIER sie im Dezember daheim in Wiener Neustadt besuchte.

Kira Grünberg, Vanessa Sahinovic… Foto: Honorarfrei/Tom Sports Consulting Grünberg (li.) und Sahinovic unterstützten sich gegenseitig bei der Reha in Bad Häring.

- Kira Grünberg Die Stabhochspringerin verletzte sich im Juli vor den Augen ihrer Eltern und sitzt seither im Rollstuhl. Die 22-Jährige war bei einem Trainingssprung unglücklich im Einstichkasten gelandet. Grünberg ist vom Hals abwärts gelähmt, ihre Therapie absolvierte die Tirolerin gemeinsam mit Vanessa Sahinovic im Reha-Zentrum Bad Häring.

Reaktion

Schröcksnadel versprach Müller Unterstützung

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel ist der Sturz und die schwere Halswirbelverletzung von Lukas Müller sehr nahe gegangen. "Man gewöhnt sich nie an Unfälle", erklärte der Verbandschef am Freitag und versprach dem 23-Jährigen Unterstützung. "Wir werden in jeder Form helfen", sagte der Tiroler.

Ein noch für Freitag geplanter Besuch Schröcksnadels und Hubert Neupers im Spital wurde verschoben, weil er aus ärztlicher Sicht noch nicht sinnvoll schien. Der ÖSV-Chef will veranlassen, dass die Gründe des Unfalls - ob Materialproblem am Sprungschuh oder persönlicher Fehler - untersucht werden.

Betroffener Morgenstern

Thomas Morgenstern kam nach der Nachricht von der schweren Verletzung seines Freundes als Zuschauer zum Kulm. "Es ist eine emotionale Geschichte für mich, denn ich kenne Luki sehr gut und war ein Mitgrund, dass er zum Skispringen gekommen ist. Es hat mich sehr getroffen", sagte der dreifache Olympiasieger in einem ORF-TV-Interview.

Morgenstern selbst war auf der "alten" Kulmschanze 2014 schwer gestürzt, aber dank gutem Verlauf schon drei Wochen nach einer Schädelverletzung mit Gehirnblutung auf eine Schanze zurückgekehrt. Der Sturz war aber der Grund, dass der Kärntner wenige Monate nach dem Gewinn von Olympia-Team-Silber im Herbst 2014 seine Karriere beendete. "Aber ich versuche, das Positive zu sehen", sagte Morgenstern. "Der Kulm ist meine liebste Flugschanze, hier habe ich mit Bronze 2006 meine erste Einzelmedaille gewonnen."

Müller gehört zwar keinem ÖSV-Kader mehr an, war aber auch als Vorspringer versichert. "Der ÖSV-Sport ist laut internationaler Wettkampfordnung zu einer Versicherung verpflichtet, wenn der Sportler an internationalen Wettkämpfen teilnimmt", sagte Christian Scherer, der Leiter Leistungssport im ÖSV.

Demnach hat Müller eine vom ÖSV angebotene Versicherung angenommen. Über Ausmaß und Höhe der Leistungen sei aber noch keine konkrete Aussage möglich, sagte Scherer.

(kurier) Erstellt am
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