Marcel Hirscher: "Jetzt sind die anderen Favoriten"

Austria's Marcel Hirscher holds his ski as he stan…
Foto: AP/Marco Trovati Sucht die Kante: Marcel Hirscher und sein kaputter Ski

Marcel Hirscher schied in Wengen aus, Kristoffersen gewann, Svindal führt im Gesamtweltcup.

Marcel Hirscher schaute ungläubig seinen Ski an. Österreichs Skistar schied im fünften Slalom der Saison erstmals aus. Der vierfache Gesamtweltcupsieger blieb erneut ohne Wengen-Sieg: Erst rutschte er im zweiten Durchgang aus, stieg zurück und schied schließlich aus. "Innen- und Außenkante am Ski sind kaputt, ich hatte einfach keinen Halt mehr. Vielleicht hab’ ich einen Stein erwischt, vielleicht bin ich mir selbst draufgestiegen – aber es war heute von Beginn an nicht mein Tag, ich muss das abhaken."

Erledigt ist damit vorerst auch die Gesamtweltcupführung, die hat Aksel Lund Svindal weiterhin mit 15 Punkten Vorsprung. Und im Slalom-Weltcup ist dessen norwegischer Landsmann Henrik Kristoffersen ohnehin nicht zu schlagen. Der wurde in den fünf Torläufen dieser Saison einmal Zweiter und feierte gestern den vierten Sieg.

A...-Wochenende – so kommentierte Marcel Hirscher den Ausflug nach Wengen. "Es kann sein, dass alles vorbei ist. Slalomkugel weg, Gesamtweltcup weg. Jetzt sind andere Favoriten."

Für den 26-Jährigen wurde sein neunter Auftritt zu Neuland – der Slalom wurde im flachen, unteren Teil der Abfahrtsstrecke ausgetragen. Schneemangel zum Zeitpunkt der Kontrolle durch den Ski-Weltverband FIS hatte die Organisatoren zur Verlegung von der wesentlich steileren Originalstrecke gezwungen.

Neue Sportart

"Die Kurssetzung trägt dazu bei, dass es heute fast eine neue Sportart wird, mit Torabständen von bis zu 20 Metern, im Riesenslalom haben wir ja meistens nur 18 Meter", sagte Marcel Hirscher. Der Salzburger griff zu Skating-Schritt und Doppelstock-Schub, um im Flachen auf höheres Tempo zu kommen, allein, auch das genügte nicht, um dem Halbzeitführenden Henrik Kristoffersen aus der Langlauf-Nation Norwegen wirklich nahe zu kommen – 0,74 Sekunden lag der Salzburger zurück.

"Für mich war es schwierig", sagte Hirscher, "aber andere zeigen ja, dass es möglich ist." Da stimmte Kristoffersen zu: "Der Mittelteil war ein bisschen wie Langlauf."

Manuel Feller, der Tiroler Slalom-Juniorenweltmeister des Jahres 2013, bestätigte seine ansteigende Form knapp 30 Sekunden lang – dann schied der 23-Jährige mit nur sieben Hundertstelsekunden Rückstand auf Kristoffersen aus. "Wenn man auf so einem Hang mitmischen will, muss man halt volles Risiko gehen, und dann passieren solche Sachen."

Marco Schwarz, der Kärntner Slalom-Junioren-Vizeweltmeister des Jahres 2015, machte es besser: Der 20-Jährige düste mit Startnummer 26 auf Zwischenrang zehn und sah sich dort ex aequo mit Marcel Hirscher.

Jedoch: Auch Christian Mitters Lauf im zweiten Durchgang änderte nichts an der komplizierten Lage; der steirische Cheftrainer des norwegischen Skiverbandes war freilich entschuldigt. "Die Kurssetzer können ja nicht viel dafür, das ist halt vom Reglement so vorgegeben", sagte Marcel Hirscher. Und es kam noch dicker: Marco Schwarz war als 14. bester Österreicher, was zwar eine Bestätigung seiner Konstanz bedeutete, was aber für die ÖSV-Slalom-Herren eine historische Niederlage am Lauberhorn bedeutete.

Einen historischen Sieg hingegen feierte Henrik Kristoffersen – seinen vierten im fünften Bewerb der Saison. Und er komplettierte den Triumph der Norweger nach den Erfolgen von Kjetil Jansrud in der Kombination am Freitag und von Aksel Lund Svindal in der Abfahrt vom Samstag. Auch das ist historisch.

(kurier) Erstellt am
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