Der "Alibi-Skifahrer" war Österreichs Bester

Kopie von undefined
Foto: APA/CLAUDIO ONORATI Matthias Mayer hatte die WM-Saison eigentlich schon abgehakt.

Die Österreicher enttäuschten schwer, einzig Matthias Mayer überraschte positiv. Svindal gewinnt überlegen.

Aksel Lund Svindal distanzierte die Konkurrenz im Super-G von Gröden mit einer Überlegenheit, die an Hermann Maiers beste Zeiten erinnert. Der Vergleich hinkt nur insofern, weil Maier zwar überall anderswo, nur nie im Südtiroler Grödnertal gewonnen hatte.

Bei seinem vierten Saisonsieg war der Norweger, obwohl er beim vorletzten Richtungstor gehörig korrigieren musste, um mehr als eine Sekunde (= 25,82 Meter) schneller gewesen als der zweitplatzierte Matteo Marsaglia aus Rom. Und um 1,48 Sekunden (35,56 Meter) besser als der beste Österreicher, der 22-jährige Matthias Mayer (6.).

Es war der vierte Saisonsieg von Svindal. Und bereits der dritte Top-Ten-Platz von Mayer, der schon bei der Nordamerika-Tournee Sechster und Siebenter wurde. Ein Abschneiden, das in Anbetracht der hohen Erwartungen nicht aufregend ist, im Fall des Kärntners aber einer Sensation gleichkommt.

"Alibi-Skifahren"

Noch im Sommer hatte Mayer, geschwächt von einer rätselhaften Bakterieninfektion, seinem Cheftrainer Mathias Berthold telefonisch mitgeteilt, dass er die WM-Saison abhaken müsse. Noch im Oktober nannte Mayer erste Comebackversuche "Alibi-Skifahren."

"Und jetzt fährt uns der Mayer davon", sagt ein nachdenklicher Hannes Reichelt, der wie etliche seiner ÖSV-Teamkollegen laut eigener Aussage "nicht vom Fleck kam" auf der Saslong-Piste.

Rätseln

Weil Svindal und Mayer dem selben Firmen-Rennstall angehören, wird zwangsläufig im weißen Zirkus über mögliche Materialvorteile gemunkelt. Head-Rennchef Rainer Salzgeber sagt dazu nur lächelnd: "Wir wollen keine schlafenden Hunde wecken."

Tatsache ist, dass Svindal und sein Landsmann und Head-Markenkollege Kjetil Jansrud auch in der Abfahrt am Samstag die Favorits sind; und Tatsache ist ferner, dass der ÖSV im Super-G so schwach abschnitt wie seit vier Jahren nicht mehr. Damals war Stephan Görgl Sechster geworden. Görgl trat am Donnerstag zurück.

Endstand:        
1.  Aksel Lund Svindal  NOR  01:37,0  
2.  Matteo Marsaglia  ITA  01:38,0 + 1,07
3.  Werner Heel  ITA  01:38,1 + 1,12
4.  Kjetil Jansrud  NOR  01:38,1 + 1,18
5.  Adrien Theaux  FRA  01:38,2 + 1,28
6.  Matthias Mayer  AUT  01:38,4 + 1,48
7.  Klaus Kröll  AUT  01:38,5 + 1,53
8.  Johan Clarey  FRA  01:38,7 + 1,70
9.  Joachim Puchner  AUT  01:38,7 + 1,72
10.  Christof Innerhofer  ITA  01:38,8 + 1,83
11.  Hannes Reichelt  AUT  01:38,8 + 1,87
12.  Jan Hudec  CAN  01:38,9 + 1,92
13.  Dominik Paris  ITA  01:38,9 + 1,93
14.  Erik Guay  CAN  01:38,9 + 1,96
Silvan Zurbriggen  SUI  01:38,9 + 1,96
16.  Perko Rok  SLO  01:38,9 + 1,98
17.  Georg Streitberger  AUT  01:38,9 + 1,99
18.  Manuel Osborne-Paradis  CAN  01:39,0 + 2,01
19.  Peter Fill  ITA  01:39,0 + 2,02
20.  Benjamin Raich  AUT  01:39,0 + 2,04
21.  Andreas Romar  FIN  01:39,1 + 2,18
22.  Siegmar Klotz  ITA  01:39,2 + 2,28
23.  Ivica Kostelic  CRO  01:39,3 + 2,30
24.  Travis Ganong  USA  01:39,3 + 2,35
25.  Ted Ligety  USA  01:39,3 + 2,39
26.  Thomas Mermillod Blondin  FRA  01:39,5 + 2,58
27.  Thomas Biesemeyer  USA  01:39,6 + 2,69
David Poisson  FRA  01:39,6 + 2,69
29.  Steven Nyman  USA  01:39,7 + 2,71
30.  Andreas Sander  GER  01:39,7 + 2,76
Andrew Weibrecht  USA  01:39,7 + 2,76
Weiters:        
36.  Florian Scheiber  AUT  01:40,1 + 3,10
38.  Othmar Striedinger  AUT  01:40,2 + 3,25
49.  Romed Baumann  AUT  01:40,5 + 3,57
51.  Frederic Berthold  AUT  01:40,6 + 3,61
Es ist nicht lange her, da war der Super G die Parade-Disziplin der österreichischen Ski-Herren. Doch die Vergangengheit ist Schnee von Gestern. In der Gegenwart ist ein Sieg im Super G außer Reichweite. Österreichs Bester am Freitag in Gröden war Matthias Mayer auf Platz sechs. Überraschendweise: Eigentlich hatte der Kärntner nach seinem gesundheitlichen Problemen im Sommer die WM-Saison schon abgeschrieben. Alles andere als eine Überraschung war der Sieger: Aksel Lund Svindal. 1,1,2,2,1 - sein Abschneiden in den bisher fünf Speedrennen der Saison zeigen - es läuft beim Norweger. Auch ein Fehler kurz vor dem Ziel konnte den Vorsprung auf den zweitplatzierten Italiener Matteo Marsaglia nicht unter eine Sekunde drücken. Auf Rang drei landete mit dem Südtiroler Werner Heel ein weiterer Italiener.
(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?