Shiffrin gewinnt auch in Zagreb

Croatia Alpine Skiing World Cup
Foto: AP/Darko Bandic Mikaela Shiffrin wurde ihrem Ruf als Riesentalent einmal mehr gerecht.

Die 17-Jährige feiert in Zagreb ihren zweiten Weltcupsieg. Bernadette Schild wird Siebente.

Der sechste Slalom der Saison hatte es in sich: Bei sechs Grad Plus am Sljeme hoch über Zagreb (Ziel auf 768 Metern) scheiterte Österreichs derzeit beste Technikerin nach sechs Sekunden am sechsten Tor. Kathrin Zettel, die schon beim Münchner Parallelbewerb zu Neujahr in der ersten Runde die Segel streichen musste, war mit einem grippalen Infekt gestartet, angesichts der frühlingshaften Temperaturen war der Untergrund „sehr eigen“ zu fahren, „und da sind dann ein, zwei Zentimeter entscheidend.“ Zettel fädelte ein, aus der Traum, als erste Österreicherin, die nicht Marlies Schild heißt (sieben Starts in Zagreb, vier Siege), als Snow Queen gefeiert zu werden.

Michaela Kirchgasser, in München Dritte, schaffte es 20 Tore weiter als ihre Kollegin, doch bei Nummer 26 war dann ebenfalls Endstation. „Ich hatte schon oben nicht die beste Fahrt“, stöhnte die Salzburgerin, „der Ausfall wurmt mich.“ Die WM-Startplätze für Riesenslalom und Slalom dürften ihr zwar kaum mehr zu nehmen sein, dennoch sind die Erwartungen der 27-Jährigen an sich selbst seit ihren beiden Siegen im vergangenen Winter deutlich gestiegen. Dass auch noch Jessica Depauli im zweiten Durchgang strauchelte, dass Carmen Thalmann, bei Halbzeit als 13. beste Österreicherin, sich selbst um ein besseres Resultat als den 12. Platz brachte, das passte irgendwie ins diffuse Bild.

Was bleibt, ist die Hoffnung: „Ich weiß, dass ich’s im Slalom drauf hab’, ich muss es nur mal im Rennen zusammenbringen“, sagte etwa Nicole Hosp, die Elfte.

Schritt für Schritt

So war es an Bernadette Schild, der seit Mittwoch 23-jährigen kleinen Schwester der verletzten Slalom-Königin Marlies, das rot-weiß-rote Fähnlein hochzuhalten: Platz sieben, bestes Karriere-Resultat eingestellt. „Und das war nicht einmal das letzte Risiko“, staunte Schild. „Aber für mich zählt, Schritt für Schritt weiterzumachen – und vielleicht auch einmal einen größeren Schritt zu machen.“

Wie’s geht, zeigte Mikaela Shiffrin: Die 17-jährige Amerikanerin siegte zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen, sie pflügte zwei Mal in Laufbestzeit hinunter und an die Spitze des Slalom-Weltcups. Und sie bewahrte sich ihre Unbekümmertheit: „Was ich fühle? Fragt mich in ein paar Jahren, vielleicht kann ich es euch dann sagen.“ Einen Fehltritt leistete sich hingegen die Gesamtweltcupführende Tina Maze: Die Slowenin, bei Halbzeit Zweite, schied im Finale aus.

Am Sonntag (10.45 und 14 Uhr) wird in Zagreb der Schneekönig gesucht, Vorjahressieger ist Marcel Hirscher; München-Sieger Felix Neureuther (D) baute am Freitag beim Slalom-Training im steirischen Gaal einen kapitalen Sturz und trug Prellungen davon.

Und am Sonntag haben die kroatischen Gastgeber auch wieder selbst aussichtsreiche Athleten zu bejubeln. Zumindest einen: Ivica Kostelic. Freitag scheiterte Andrea Komsic als Drittletzte des ersten Durchgangs, Sofija Novoselic schied aus.

So sehen übrigens echte Ski-Krisen aus.

Mikaela Shiffrin (re.) krönte sich in Zagreb zur neuen "Snow Queen". Die erst 17-jährige Amerikanerin kam mit den Schneeverhältnissen am besten zurecht und fühlte sich auch in dem von ihrem Trainer Roland Pfeifer gesteckten ersten Lauf pudelwohl. "Ich hatte noch nie einen perfekten Lauf, es war aber ein guter, schneller Lauf. Mein Trainer hat den Kurs gesetzt, das hat Spaß gemacht", meinte der selbstbewusste Teenager. Ihre Gefühle hatte sie nach dem zweiten Weltcupsieg nicht genau sortiert. "Ich habe schon in Aare gesagt, ich habe keine Ahnung, was ich darüber denken soll." Auf den weiteren Podesträngen landeten die Schwedin Frida Hansdotter (li.) und die Kanadierin Erin Mielzynski. Bernadette Schild bot in Abwesenheit ihrer verletzten Schwester Marlies eine gute Leistung, auch wenn vor allem im ersten Lauf (17.) mehr drinnen gewesen wäre. "Sehr solide, aber nicht großartig. Das letzte Risiko fehlt noch", sagte die 23-Jährige.

Ergebnisse

Ergebnisse

Endstand:
1. Mikaela Shiffrin USA 2:02,73
2. Frida Hansdotter SWE 2:02,92
3. Erin Mielzynski CAN 2:03,49
4. Nina Löseth NOR 2:03,82
5. Laurie Mougel FRA 2:04,42
6. Maria Höfl-Riesch GER 2:04,90
7. Bernadette Schild AUT 2:05,01
8. Marie-Michele Gagnon CAN 2:05,08
9. Resi Stiegler USA 2:05,11
10. Brittany Phelan CAN 2:05,29
11. Nicole Hosp AUT 2:05,62
12. Carmen Thalmann AUT 2:05,65

13. Nathalie Eklund SWE 2:05,85
14. Tessa Worley FRA 2:05,87
15. Wendy Holdener SUI 2:05,98
16. Anemone Marmottan FRA 2:06,00
17. Nastasia Noens FRA 2:06,12
18. Alexandra Daum AUT 2:06,45
19. Irene Curtoni ITA 2:06,80
20. Emelie Wikström SWE 2:06,94
21. Fanny Chmelar GER 2:07,15
22. Sarka Zahrobska CZE 2:07,18
23. Emi Hasegawa JPN 2:08,47
24. Veronika Velez Zuzulova SVK 2:14,26
25. Emiko Kiyosawa JPN 2:24,77

Out: Tina Maze (SLO),  Jessica Depauli (AUT), Lena Dürr (GER), Anne-Sophie Barthet (FRA), Maria Pietilä-Holmner (SWE)

Erster Durchgang:
1. Mikaela Shiffrin USA 59,26
2. Tina Maze SLO 59,61
3. Maria Pietilä-Holmner SWE 59,98
4. Frida Hansdotter SWE 1:00,02
5. Erin Mielzynski CAN 1:00,07
6. Maria Höfl-Riesch GER 1:00,20
7. Irene Curtoni ITA 1:00,53
8. Laurie Mougel FRA 1:00,71
9. Resi Stiegler USA 1:00,74
10. Veronika Velez Zuzulova SVK 1:00,80
11. Brittany Phelan CAN 1:01,10
12. Anne-Sophie Barthet FRA 1:01,15
13. Carmen Thalmann AUT 1:01,17
14. Nina Löseth NOR 1:01,28
15. Anemone Marmottan FRA 1:01,31
16. Lena Dürr GER 1:01,62
17. Bernadette Schild AUT 1:01,73
18. Marie-Michele Gagnon CAN 1:01,82
19. Wendy Holdener SUI 1:02,01
20. Nicole Hosp AUT 1:02,10
21. Nastasia Noens FRA 1:02,18
22. Fanny Chmelar GER 1:02,25
23. Sarka Zahrobska CZE 1:02,33
24. Tessa Worley FRA 1:02,37
25. Jessica Depauli AUT 1:02,42
26. Alexandra Daum AUT 1:02,49

27. Nathalie Eklund SWE 1:02,67
28. Emelie Wikström SWE 1:02,89
29. Emiko Kiyosawa JPN 1:02,90
30. Emi Hasegawa JPN 1:02,94

Out u.a.: Michaela Kirchgasser (AUT), Kathrin Zettel (AUT), Therese Borssen (SWE), Christina Geiger (GER), Anna Swenn-Larsson (SWE), Manuela Mölgg (ITA), Chiara Costazza (ITA)

Zweiter Durchgang:
1. Mikaela Shiffrin (USA)     1:02,47
2. Nina Löseth (NOR)          1:02,54 +0,07
3. Frida Hansdotter (SWE)     1:02,90 +0,43
4. Nathalie Eklund (SWE)      1:03,18 +0,71
5. Marie-Michele Gagnon (CAN) 1:03,26 +0,79
6. Bernadette Schild (AUT)    1:03,28 +0,81
7. Erin Mielzynski (CAN)      1:03,42 +0,95
8. Tessa Worley (FRA)         1:03,50 +1,03
9. Nicole Hosp (AUT)          1:03,52 +1,05
10. Laurie Mougel (FRA)        1:03,71 +1,24
    Weiter:
12. Alexandra Daum (AUT)       1:03,96 +1,49
17. Carmen Thalmann (AUT)      1:04,48 +2,01

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