46. Weltcupsieg für Schlierenzauer

Kopie von Schlierenzauer of Austria competes during the men'
Foto: Reuters/NTB SCANPIX Gregor Schlierenzauer flog im zweiten Durchgang auf 240 Meter.

Gregor Schlierenzauer fügt seiner herausragenden Karriere einen weiteren Meilenstein hinzu.

Als der historische Moment endlich gekommen war, da ging Gregor Schlierenzauer nicht in die Luft. Sicher, er ließ im Auslauf der Flugschanze in Vikersund die Siegerfäuste sprechen, und natürlich präsentierte er allen wie so oft sein breitestes Siegerlächeln. Aber man hat den Überflieger aus dem Stubaital im Augenblick des Triumphes auch schon ausgelassener jubeln sehen als nach seinem gestrigen Erfolg im Skifliegen in Vikersund, dem 46. Weltcupsieg in seiner Karriere. Damit hat der 23-jährige Luftikus nun an Erfolgen mit der finnischen Skisprunglegende Matti Nykänen gleichgezogen.„Das ist ein geiler Tag, eine geile Geschichte“, strahlte Schlierenzauer.

Zwischenstopp

schlierenzauer.jpg Foto: apa Wer aber den Ehrgeiz und den Siegeshunger von Gregor Schlierenzauer kennt, der weiß, dass die Zahl 46 für ihn keine besondere Bedeutung hat. Denn diese 46 Weltcupsiege sind nur ein historischer Zwischenstopp auf seiner wahren Mission – dem Soloflug in die Geschichtsbücher. „Ich will einmal der beste Skispringer der Welt sein“, pflegt der Stubaier seit Jahren schon zu sagen. Was er genau damit meint, machte er gestern noch einmal deutlich: „Mein Ziel sind die 47 Siege.“

Eine Traummarke, die er schon heute in Vikersund anvisiert und auch erreichen kann. Denn der fliegende Superlativ namens Gregor Schlierenzauer – erster Weltcupsieg mit 16, erster WM-Titel mit 18, erster Gesamtweltcupsieg mit 19 – schwebt natürlich auch im Skifliegen in anderen Sphären. Kein anderer Adler hat mehr Skiflug-Bewerbe gewonnen (11), keiner hat auf der größten Schanze der Welt so viele Siege (4) gefeiert wie der Tiroler Rekordjäger.

Höchstweite

Diesmal allerdings degradierte der König der Lüfte die Konkurrenz nicht zu Flugbegleitern, am Ende lag Schlierenzauer gerade einmal einen halben Punkt vor dem Schweizer Simon Ammann. Ein Kacherl bei seinem Flug auf die Tageshöchstweite (240 Meter) hatte dem Tiroler viele Punkte gekostet. „Ich habe mir gedacht: Lieber lande ich sicher, ich wollte nichts riskieren“, erklärt der Tiroler, der mit seinem sechsten Saisonsieg auch die Führung im Gesamtweltcup ausbaute.

Ein Sieg also noch, dann hat Schlierenzauer sein Lebensziel erreicht. Und dann? Was passiert dann? Gehen dem Rekordjäger langsam die Ziele aus? Fällt der Überflieger in ein Loch? Sattelt er gar um? „Eine Karriere als Kombinierer schließe ich aus“, meint Schlierenzauer im KURIER-Gespräch. „Aber keine Angst, es gibt noch genug Ziele, die ich in meiner Karriere erreichen möchte und noch nicht abgehakelt habe.“

Der Weitenjäger und Vielflieger hat auch die Destination schon ausgemacht. „Sotschi 2014, ich will unbedingt eine Goldmedaille bei Olympia in einem Einzelbewerb.“

Der erste Weltcup-Sieg gelang dem damals 16-jährigen Gregor Schlierenzauer am 3.Dezember 2006 im norwegischen Lillehammer. Nur 13 Tage später schrieb der Jungspund auch im deutschen Engelberg an. Sieg Nummer drei gelang dem ÖSV-Adler in Oberstdorf bei seiner ersten Vierschanzentournee. Am Ende belegte er sensationell den zweiten Gesamtrang hinter Anders Jacobsen (re.). Den Schlussbewerb in Bischofshofen im Jänner 2007 konnte er abermals für sich entscheiden. Sein vierter Weltcuperfolg. Einen Monat später durfte er in Klingenthal die Arme in die Höhe reißen. Weltcupsieg Nummer fünf. Danach musste er beinahe ein Jahr warten bis er am 8. Jänner 2008 in Garmisch-Patenkirchen wieder ganz oben am Stockerl stand, um sich seinen sechsten Triumph abholen zu können. Ende Jänner feierte Schlierenzauer auf der Schanze in Zakopane Weltcupsieg Nummer sieben. In Lillehammer folgte im März des selben Jahres im Rahmen des Nordic Tournaments dann der achte Triumph in seiner jungen Karriere. Zwei Tage später sprang er in Oslo ebenfalls auf den ersten Rang. Weltcuperfolg Nummer neun. Auf der Schanze in Planica stellte Schlierenzauer erstmals seine Flugfähigkeiten unter Beweis. Nummer zehn. Einen Tag später folgte der elfte Sieg - auf der selben Schanze. Das Dutzend machte Schlieri in Trondheim voll, wo er vor dem Finnen Ville Larinto und Anders Jacobsen auf dem obersten Stockerl landete. Seinen zweiten Weltcup-Sieg in Engelberg konnte der Überflieger zu Weihnachten 2008 verbuchen, gleichzeitig war es sein 13. Weltcup-Triumph. Sein erstes Flugevent vor heimischer Kulisse gewann er erstmals 2009 am Kulm. Sein 14. Weltcupsieg. 24 Stunden später gelang dem ÖSV-Adler das Double am Kulm und sein 15. Erfolg. Seinen Zakopane-Erfolg von 2008 konnte er im Jahr darauf wiederholen. Weltcuperfolg Nummer 16. Über den großen Teich in Kanada hob der ÖSV-Adler auf der Skisprungschanze im Whistler Olympic Park Ende Jänner 2009 zum 17. Weltcuperfolg ab. Einen Tag danach konnte er auch das zweite Springen auf der Olympia-Schanze für sich entscheiden. Im japanischen Sapporo reihten sich die ÖSV-Adler Thomas Morgenstern und Wolfgang Loitzl hinter Gregor Schlierenzauer, der sich selbst mit seinem 19. Sieg beschenkte. In Willingen auf der Mühlenkopfschanze konnte er erstmals am 8.Februar 2009 gewinnen und feierte gleichzeitig seinen 20. Triumph im Weltcup. Seinen 21. Sieg sicherte er sich auf der Aschbergschanze im deutschen Klingenthal. In Finnland, genauer in Lahti, debütierte er im März 2009 auf dem obersten Stockerlplatz. Auf dem Vikersundbakken in Norwegen flog er Mitte März zu einem weiteren Erfolg auf einer Skiflugschanze, dabei holte er sich gleich Weltcupsieg Nummer 23 ab. Aus zwei mach drei: In Planica konnte er nach seinen Doppel-Erfolg von 2008 auch im Jahr danach ganz nach oben springen. Punktlandung. In Lillehammer sprang Schlierenzauer zu seinem 25. Erfolg. Beim Engelberg-Springen am 19. Dezember 2009 gelang ihm sein 26. Erfolg, dabei überholte er den ehemaligen Springer Andreas Felder in der Bestenliste und stellte einen neuen österreichischen Rekord auf. In der Saison 2008/09 purzelten die Rekorde: Mit unglaublichen 2.083 Punkten aus 27 Springen holte Schlieri sich den Gesamtweltcup. Beim Neujahrsspringen 2010 in Garmisch-Patenkirchen sicherte er sich seinen 27. Sieg im Weltcup. Auch in Innsbruck konnte er seinen Heimvorteil nutzen. Meilenstein. Mit seinem siebenten Skiflug-Sieg am 20. Jänner 2010 am Kulm machte er sich zum erfolgreichsten Flieger aller Zeiten. Vor den olympischen Spielen in Vancouver, wo er zwei Mal Bronze und einmal Gold holte, sicherte sich Schlierenzauer in Zakopane den 30. Triumph. Same same but different: Gleiche Schanze, gleiches Ergebnis, nur einen Tag später. In Willingen wurde es für Schlierenzauer knapp: Vor Anders Jacobsen und Michael Neumayer konnte er dennoch Sieg Nummer 32 feiern. Landesrekord. In Vikersund setzte der ÖSV-Adler am 12. Februar 2011 bei 243,5 Meter auf und bescherte sich neben einem neuen österreichischen Rekord auch den 33. Weltcuperfolg. Und weil es so schön war holte er sich am selben Bakken am Tag darauf noch einmal den Sieg. Bei den Nordischen-Weltmeisterschaften in Oslo sprang Schlieri im März 2011 zu drei Mal Gold. In Planica konnte er abermals die Hände in die Höhe reißen: Sein 35. Weltcup-Erfolg. Im tschechsichen Harrachov gewann er bis jetzt einmal und zwar im Dezember 2011. Auf der Schattenbergschanze in Oberstdorf legte er mit seinem 37. Triumph, vor Andreas Kofler und Thomas Morgenstern, den Grundstein für seinen ersten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. In Garmisch-Patenkirchen sicherte er sich seinen 38. Weltcup-Erfolg und lachte am Ende in Bischofshofen von der Tournee-Spitze. In Zakopane konnte er bis heute fünf Mal gewinnen, im Vorjahr holte er sich zudem seinen 39. Sieg in Polen. Im italienischen Val die Fiemme überholte er mit seinen 40. Weltcup-Triumph den Polen Adam Malysz in der ewigen Bestenliste. Seinen vierten Weltcup-Sieg im Jahr 2012 konnte er in Lillehammer auf der Lysgårds-Schanze feiern. Schöne Aussichten: Die Generalprobe in Sochi entschied der Tiroler für sich, dabei sprang der 42. Erfolg für den 23-Jährigen heraus. Kurz vor Weihnachten machte Schlieri sich und seinen Fans ein großes Geschenk: In Engelberg hüpfte er auf den ersten Rang. Bei seinem Heimspringen in Innsbruck ließ sich Schlierenzauer von einem rot-weiß-rotem Fahnenmeer zum 44. Sieg tragen. In Bischofshofen gelang dem ÖSV-Adler die erfolgreiche Tournee-Verteidigung und gleichzeitig der 45. Weltcup-Triumph. Nach längerer Wettkampfpause konnte Schlierenzauer beim Skifliegen in Vikersund mit Matti Nykänen gleichziehen und hielt bis zum 3. Februar bei 46 Weltcupsiegen. Nach dem Sieg beim Skifliegen in Harrachov ist der Tiroler mit 47 Siegen der alleinige Rekordhalter. Und am selben Tag legte er in Harrachov beim zweiten Bewerb gleich noch einen nach - Weltcupsieg Nummer 48. Auf dem Holmenkollen in Oslo sprang er zu seinem neunten Saisonsieg, dem 49. insgesamt. Der Jubiläumssieg gelang Gregor Schlierenzauer im März 2013 beim Skifliegen in Planica.

Endstand:
1. Gregor Schlierenzauer AUT 216,5 / 240,0 418,7
2. Simon Ammann SUI 215,5 / 229,5 418,2
3. Robert Kranjec SLO 212,0 / 232,5 417,6
4. Andreas Stjernen NOR 215,5 / 232,5 417,2
5. Kamil Stoch POL 213,5 / 232,5 413,8
6. Piotr Zyla POL 200,5 / 225,0 394,9
7. Anders Jacobsen NOR 197,5 / 222,5 391,0
8. Michael Neumayer GER 196,5 / 225,5 389,2
9. Jurij Tepes SLO 206,5 / 209,0 385,6
10. Severin Freund GER 213,5 / 206,0 384,5
11. Jan Matura CZE 210,5 / 199,5 377,1
12. Anders Bardal NOR 200,0 / 206,0 373,9
13. Wolfgang Loitzl AUT 194,0 / 211,0 370,8
14. Martin Koch AUT 199,5 / 212,5 370,7
15. Anders Fannemel NOR 193,5 / 215,5 369,8
16. Maciej Kot POL 204,5 / 207,0 368,4
17. Rune Velta NOR 175,5 / 223,0 361,6
18. Richard Freitag GER 195,0 / 206,5 360,2
19. Michael Hayböck AUT 171,0 / 214,0 341,8
20. Tom Hilde NOR 182,0 / 197,0 337,0
21. Maximilan Mechler GER 173,0 / 206,5 329,7
22. Olli Muotka FIN 191,0 / 189,0 327,1
23. Cestmir Kozisek CZE 191,5 / 185,0 324,4
24. Mackenzie Boyd-Clowes CAN 183,0 / 189,0 320,0
25. Krzystof Mietus POL 168,5 / 195,5 314,9
26. Gregor Deschwanden SUI 167,5 / 195,0 311,7
. Peter Prevc SLO 182,5 / 176,0 311,7
28. Andreas Wank GER 167,5 / 192,5 308,4
29. Vincent Descombes Sevoie FRA 169,5 / 186,0 304,1
30. Lukas Müller AUT 168,5 / 169,0 270,2
Stand nach dem ersten Durchgang:
1. Simon Ammann SUI 215,5 200,9
2. Gregor Schlierenzauer AUT 216,5 199,5
3. Kamil Stoch POL 213,5 197,0
4. Andreas Stjernen NOR 215,5 196,8
5. Robert Kranjec SLO 212,0 196,5
6. Severin Freund GER 213,5 194,4
7. Jan Matura CZE 210,5 192,7
8. Jurij Tepes SLO 206,5 189,0
9. Anders Bardal NOR 200,0 183,2
10. Maciej Kot POL 204,5 182,6
11. Piotr Zyla POL 200,5 182,5
12. Anders Jacobsen NOR 197,5 180,8
13. Michael Neumayer GER 196,5 178,7
14. Martin Koch AUT 199,5 177,0
. Wolfgang Loitzl AUT 194,0 177,0
16. Anders Fannemel NOR 193,5 175,5
17. Richard Freitag GER 195,0 173,9
18. Olli Muotka FIN 191,0 162,5
19. Cestmir Kozisek CZE 191,5 160,4
20. Peter Prevc SLO 182,5 157,9
21. Tom Hilde NOR 182,0 156,6
22. Mackenzie Boyd-Clowes CAN 183,0 154,9
23. Rune Velta NOR 175,5 152,1
24. Michael Hayböck AUT 171,0 149,0
25. Maximilan Mechler GER 173,0 146,6
26. Vincent Descombes Sevoie FRA 169,5 143,7
27. Gregor Deschwanden SUI 167,5 137,4
28. Krzystof Mietus POL 168,5 137,0
29. Andreas Wank GER 167,5 136,8
30. Lukas Müller AUT 168,5 132,9
Der Skiflugzirkus hat sich in den 1930er Jahren auf der Schanze in Planica etabliert. Mittlerweile gibt es fünf Skiflugschanzen die allesamt in Europa stehen. In seiner erfolgreichen Karriere hielt Toni Innauer auch einmal den Skiflug-Weltrekord inne. 1976 flog er in Oberstdorf auf 176 Meter. Abgelöst wurde er von seinem Teamkollegen Armin Kogler, der 1981 auf der selben Schanze um vier Meter weiter sprang. Drei Jahre später ließ Pavel Ploc die Fans auf der Harrachov-Schanze in seiner tschechischen Heimat  jubeln. Er überflog Koglers Rekord um einen Meter. Zwischen 1984 und 1985 pendelte der Rekord zwischen Matti Nykänen und Mike Holland: Der Finne hatte schließlich die Nase vorne und setzte in Planica bei 191 Metern auf. Bei der Skiflug-WM am Kulm 1986 konnte der Österreicher Andreas Felder den Rekord von Nykänen noch einstellen, ehe die FIS die Bestmarke "einfror". Seither gelten alle neuen Rekordweiten als inoffiziell. 1987 wanderte der Weltrekord mit 194 Metern ins polnische Team zu Piotr Fijas. Am 17. März 1994 wurde erstmals die 200-Meter-Marke geknackt: Mit einem 203-Meter-Flug auf der Schanze in Planica trug sich der Finne Toni Nieminen in die Geschichtsbücher ein. Einen Tag später wanderte der Rekord zu Espen Bredesen aus Norwegen (210 Meter).
Wiederum fünf Tage danach verbesserte Mannschaftskollege Lasse Ottesen auf 212 Meter. Dieser Rekord hielt ganze zwei Jahre, ehe Martin Schmitt auf der gleichen Schanze auf 214,5 Meter segelte. Diese Weite hatte genau 24 Stunden Bestand, dann holte Tommy Ingebrigtsen den Skiflugrekord mit einem 219,5-Satz zurück ins norwegische Lager. Im Jahr 2000 holte sich der ÖSV-Adler Thomas Hörl den Weltrekord, jedoch nur für einen Tag. Denn seine Weite von 224,5 Metern... ...wurde von Andreas Goldberger um eine halben Meter überboten. 2003 flog schließlich Matti Hautamäki in Planica auf 231 Meter. Zwei Jahre später lieferten sich Bjørn Einar Romøren und Hautamäki, am 20. März 2005, einen erbitterten Kampf um den Weitenrekord: Zuerst flog der Norweger auf 234,5 Meter - kurz darauf legte der Finne einen Meter nach - ehe Romøren mit einem 239-Satz davonzog. Der aktuelle Rekordhalter ist seit dem Jahr 2011 jedoch sein Teamkollege Johan Remen Evensen, der auf dem Vikersundbakken in Norwegen erst nach 246,5 Metern landete.
Steckbrief

Gregor Schlierenzauer

Gregor SCHLIERENZAUER (AUT):
7.1.1990 in Hochrum (Tirol)

Weltcup:
46 Siege (12/2006 bis 01/2013)
1 Gesamtsieg: 2009 (13 Siege/Rekord)
148 Einzelbewerbe
74 Podestplätze

Olympia:
Gold 2010 Vancouver Team
Bronze 2010 Normal- u.Großschanze

Nordische Ski-WM:
Gold Einzel 2011 Oslo Großschanze,
Gold Team 2007, 2009, 2011/2
Silber 2009 Normalschanze

Skiflug-WM:
Gold Einzel 2008, Gold
Team 2008, 2010, 2012
Silber 2010
Gesamtsiege: 2 (2012, 2013)
Tagessiege: 9

(kurier) Erstellt am
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