Friday, May 25, 2012

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Schlierenzauer - Kofler: Das Duell

Wer gewinnt die Vierschanzentournee? Der KURIER vergleicht die beiden Favoriten.

Letztes Update am 06.01.2012, 14:19


Andreas Kofler, der Verfolger oder Gregor Schlierenzauer, der Führende?

Aller guten Dinge sind vier. Vier - wie die Vierschanzentournee. Vier - wie der vierte österreichische Gesamtsieg in Serie.

Vor dem Finale in Bischofshofen (Dreikönigstag, 16.30 Uhr, ORFeins, KURIER-Ticker), scheint ein Triumph in Rot-Weiß-Rot gewiss.

Die einzige Frage lautet: Welcher Österreicher darf am Ende auf Wolke sieben schweben? Der Mann im roten Trikot des Tournee-Leaders oder der Mann im gelben Trikot des Weltcup-Führenden? Gregor Schlierenzauer, der 17 Punkte Vorsprung hat, oder Andreas Kofler, der Tourneesieger von 2010. Oder wird gar Titelverteidiger Thomas Morgenstern am Ende noch der lachende Dritte? Der größte Spielverderber ist wohl das Wetter. Am Donnerstag wurde die Qualifikation bereits abgesagt.

Andreas Kofler: Herausforderer


Andreas Kofler ist nach seinem Triumph am Bergisel im emotionalen Hoch, Freundin Miriam drückt die Daumen.

Er ist der Mann in Lauerstellung. Der Springer, der mit seinem Höhenflug in diesem Winter alle verblüfft hat und Gregor Schlierenzauer den Tournee-Gesamtsieg nicht kampflos überlassen will. "Die Tournee ist immer erst in Bischofshofen aus", sagt Andreas Kofler.

Die Erfahrung Der 27-jährige Tiroler kann auf eine bewegte Karriere zurück blicken. Dem ersten Höhepunkt im Jahr 2006 mit Olympia-Silber folgte der große Absturz, Kofler drohte 2009 sogar der Rauswurf aus dem A-Kader. "Damals habe ich das Skispringen neu lernen müssen", erklärt der Stubaier. Diese Zeit hat den Tourneesieger von 2009/10 geprägt. "Ich weiß, dass es ein Privileg ist, Skispringer sein zu dürfen", erklärt der Polizist.

Das Auftreten Gäbe es eine Wahl zum beliebtesten Springer im Adlerhorst, Andreas Kofler wäre der erklärte Favorit. Keine Allüren, nie mürrisch, immer um ein Lächeln bemüht – die Tiroler dürfen sich auf einen freundlichen Polizisten freuen. "Aber genau das war lange Zeit Andis Problem", erinnert sich Cheftrainer Alexander Pointner. "Er wollte es immer allen recht machen und hat dabei zu wenig auf sich geschaut."

Die Technik Kofler ist ein Spätberufener und ein harter Arbeiter. Im Gegensatz zu Schlierenzauer sind ihm die Erfolge nie zugeflogen, im Nachwuchs gehörte er noch nicht zu den Überfliegern – und trainierte daher umso intensiver. Die ersten Erfolge verdankte er noch seiner hervorragenden Sprungkraft, mittlerweile wandelt er auch in der Luft auf den Schwingen von Schlierenzauer. "Die sind beide wie auch Morgenstern komplette Springer", lobt Trainer Pointner.

Das Umfeld Der 27-Jährige ist ein erklärter Familienmensch, "ich kann nirgends so gut abschalten, wie daheim", sagt Kofler. Freundin Miriam, eine Kindergärtnerin, begleitet den Tournee-Zweiten auch nach Bischofshofen.

Die Nerven
Der junge Kofler hatte bei wichtigen Wettkämpfen mitunter Muffensausen. Heute wirkt der 27-Jährige sehr fokussiert und cool. Koflers Plus: Er hat die Tournee bereits gewonnen.

Gregor Schlierenzauer: Favorit


Gregor Schlierenzauer kommt mit 17 Punkten Vorsprung nach Bischofshofen. Freundin Sandra drückt die Daumen.

Er ist der Mann, den es zu schlagen gilt. Der Springer, der Rekorde bricht, wie kein Zweiter und mit einer klaren Mission angetreten ist: "Ich will einmal der beste Skispringer der Welt sein", erklärt Gregor Schlierenzauer.

Die Erfahrung
Man darf sich vom Reisepass des Tirolers nicht täuschen lassen. Schlierenzauer wird am Samstag zwar erst 22, aber er hat in seinen jungen Jahren schon erlebt, wofür andere mehrere Karrieren brauchen - kleine Zwischentiefs inklusive. "Wer zum sechsten Mal bei der Tournee startet, ist kein Neuling mehr", sagt Schlierenzauer, dem der Tourneesieg noch in seiner Titelsammlung fehlt.

Das Auftreten Die Knieverletzung im letzten Winter und das kurze Schatten-Dasein hinter seinem Erzrivalen Thomas Morgenstern haben Schlierenzauer gut getan. Der Stubaier ist als Persönlichkeit gereift und geerdet, wirkt nicht mehr so verbissen und egozentrisch wie früher. "Der Gregor hat früher Ecken und Kanten gezeigt und sich damit selbst oft das Leben schwer gemacht", analysiert Cheftrainer Alexander Pointner. "Heute denkt er nicht mehr nur an sich, sondern lässt auch die Leute um ihn herum leben."

Die Technik
Schlierenzauer besitzt eine Fähigkeit, die weder messbar ist, noch antrainiert werden kann - Fluggefühl. Die Luft ist sein Element, "der Gregor spielt regelrecht mit der Luft", sagt Pointner. In den letzten Jahren hat Schlierenzauer intensiv an seiner Sprungkraft gearbeitet. "Er ist ein kompletter Skispringer", lobt der Cheftrainer.

Das Umfeld
Der Stubaier wuchs in einer Sportlerfamilie auf. Papa Paul war ein ehemaliger Skirennläufer, Onkel Markus Prock, Weltmeister im Rodeln, ist ein wichtiger Mentor und Ratgeber. "Von ihm habe ich viel gelernt", sagt Gregor Schlierenzauer, der Familienabende mit Freundin Sandra Partys vorzieht.

Die Nerven In der Vergangenheit wirkte Schlierenzauer gerade bei der Tournee öfter gehemmt und angespannt. Heuer präsentiert er sich gelöster und gefestigter denn je. Allerdings ist Schlierenzauer noch nie als Leader ins Tournee-Finale gegangen.


Letztes Update am 06.01.2012, 14:19


Artikel vom 05.01.2012 15:55 | KURIER | Christoph Geiler | « zurück zu Wintersport


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