Aufgepasst: Schlierenzauer hat fast zwölf Meter Vorsprung in der Tourneewertung.
Es ist nicht bekannt, wie gut Sven Hannawald dieser Tage schläft, aber der einzige Skispringer, der bislang bei einer Tournee alle vier Bewerbe gewinnen konnte (2001/02), fürchtet augenscheinlich um seine exklusive Bestmarke.
"Schlierenzauer ist eine Maschine", schrieb Hannawald vor dem dritten Tournee-Springen am Bergisel (13.45 Uhr, live in ORFeins, ZDF, Eurosport, KURIER-Ticker) also in seinem Internetblog bei eurosport.yahoo.de, "er ist ein heißes Eisen für vier Siege in Serie. Ich denke, ihn kann nichts mehr erschüttern."
Vorsicht
Gregor Schlierenzauer will sich über den viel zitierten Grand-Slam erst gar nicht großartig den Kopf zerbrechen. Zu oft hat er in der Vergangenheit schon eine Tournee-Halbzeitführung aus der Hand gegeben, zu groß sind die Unwägbarkeiten im Reich der Schanzen. Nur zur Erinnerung: Dass der 21-Jährige als umjubelter Tournee-Leader und potenzieller Grand-Slam-Sieger über seine Hausschanze gehen darf, hat er einzig der Jury zu verdanken, die den Auftaktbewerb in Oberstdorf hatte neu starten lassen, nachdem Schlierenzauer wie etliche andere nur am Vorbau gelandet war. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel bei einer Tournee passieren kann", sagt denn auch der Stubaier.
Schlierenzauers Punktepolster mag zwar auf den ersten Blick bequem aussehen - 22,1 Zähler entsprechen ungefähr zwölf Metern - aber Verfolger Andreas Kofler hat nicht vor, seinem Teamkollegen die Trophäe kampflos zu überlassen. "Abgerechnet wird wie bei jeder Tournee erst in Bischofshofen", grinst Kofler, der sich im Training am Bergisel wieder in bestechender Form präsentierte und deshalb auch auf den Qualifikationssprung verzichtete. Weniger ein Akt von psychologischer Kriegsführung, als vielmehr das Ergebnis purer Selbstsicherheit. "Ich weiß im Moment einfach ganz genau, was ich zu tun habe."
Von seinem Wohnort Thaur hat Kofler freie Sicht auf die Bergiselschanze, auch der Stubaier Gregor Schlierenzauer fährt praktisch jeden Tag auf seiner Hausschanze vorbei. "Das löst bei mir besondere Emotionen aus", gesteht der 21-jährige Tournee-Leader, der wie Kollege Kofler schon hunderte Sprünge in seinem Wohnzimmer, dem Bergisel, absolviert hat. In der Qualifikation war Schlierenzauer (126,5 m) Vierter.
Überhaupt können es die Österreicher kaum erwarten, endlich vor eigenem Publikum zu springen. Der Heimvorteil verleiht Flügel, die Atmosphäre im Hexenkessel Bergisel sorgt für besondere Schwingungen. Schlierenzauer spricht von "Gänsehaut pur", der Vorjahrssieger Thomas Morgenstern gerät ebenfalls ins Schwärmen. "Es ist ein Wahnsinnsgefühl, wenn du neben den Leuten vorbeifliegst." Und auch der Cheftrainer ist angesichts des vollen Bergiselstadions (25.000 Fans) aus dem Häuschen. "Bisher war das nur das Vorspiel, jetzt werden wahre Skisprungfeste inszeniert."
Ein Fest, bei dem in Innsbruck zehn Österreicher im Einsatz sind. Neben den sieben Stammkräften haben sich noch David Unterberger, Michael Hayböck und Lukas Müller qualifiziert.