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Bisher hat er alles bestritten - nach 13 Jahren des Leugnens hat Lance Armstrong nun reinen Tisch gemacht.
Bisher hat er alles bestritten - nach 13 Jahren des Leugnens hat Lance Armstrong nun reinen Tisch gemacht. - Foto: AP/George Burns

Letztes Update am 18.01.2013, 06:11

Geständnis: Armstrong war bei allen 7 Tour-Siegen gedopt. Armstrong gestand und bedauerte bei Oprah: Er hat bei allen Tour-de-France-Siegen gedopt.

Lance Armstrong hat nun also doch reinen Tisch gemacht. Der frühere Radprofi gab nach über 13-jährigem Leugnen zu, in seiner Karriere in großem Stil gedopt zu haben. Das hatte ihm die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) in einem Verfahren im Vorjahr zwar bereits nachgewiesen - fast drei Monate nach der Aberkennung seiner sieben Siege in der Tour de France durch den Radsport-Weltverband (UCI) legte der 41-jährige US-Amerikaner nun aber auch selbst alle Fakten auf den Tisch. Er legte in einem am Donnerstag ausgestrahlten TV-Interview mit Oprah Winfrey ein reumütiges Geständnis ab (ein Video des Interviews sehen Sie hier).

Armstrong, der in seiner Karriere nichts ohne Kalkül gemacht hatte, hatte sich geweigert, sich dem Verfahren vor der USADA zu stellen und versuchte (erfolglos), dieses auf gerichtlichem Weg zu verhindern. Der Star-Talkerin antwortete er bereitwillig - ohne große Emotionen schilderte Armstrong die Dopingpraktiken und nahm alle Schuld auf sich.


Keine Anschuldigungen

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Foto: AP/George Burns
Anschuldigungen gegen frühere Teamchefs, Ex-Kollegen oder den Weltverband gab es nicht. Im Gegenteil. Der "Boss", wie er früher genannt wurde, entschuldigte sich bei jenen Personen, die er wegen ihrer früheren Aussagen über sein Doping beschimpft und geklagt hatte, etwa seine frühere Physiotherapeutin Emma O'Reilly, und bat seine Fans um Entschuldigung. "Das eigentlich Wichtigste ist, dass ich das jetzt verstehe. Auch weil ich den Zorn in den Gesichtern der Menschen sehe, die mir geglaubt haben. Ich werde den Rest meines Lebens damit zubringen, das Vertrauen zurückzugewinnen, um Vergebung zu bitten", sagte der gefallene Rad-Held.

Was er zuvor in dem Interview ausgesagt hatte, zeichnete wohl auch das Sittenbild des Radsports zu dieser Zeit, obwohl sich Armstrong dezidiert nur auf sich selbst bezog. Doping gehörte zum Job, sagte er. "Das war wie Reifen aufpumpen oder die Flasche auffüllen." Er wolle andere nicht beschuldigen, er habe das eben so gesehen. Es wäre ohne Doping nicht möglich gewesen, die Tour de France sieben Mal zu gewinnen, betonte der frühere Krebspatient.

Doping vor Krebs-Diagnose

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Foto: apa
Er habe schon Mitte der 90er-Jahre mit EPO-Doping begonnen, gab Armstrong zu. Also noch vor seiner Hodenkrebs-Diagnose. Später habe er mit Eigenblut-Transfusion, Kortison, Testosteron und Wachstumshormon gedopt. Auf die direkte Frage von Oprah Winfrey gestand der Vater von fünf Kindern, bei allen seinen sieben Tour-Siegen von 1995 bis 2005 unerlaubte Substanzen oder Methoden verwendet zu haben.

In seinen Comeback-Jahren 2009 (Gesamt-3.) und 2010 (23.) habe er aber nicht mehr zu verbotenen Mitteln gegriffen, beteuerte der Texaner. Denn da hätten sich zwei Dinge geändert - die Trainingskontrollen und der biologische Pass ("Der funktioniert wirklich").

Sein Geständnis komme "zu spät", sagte Armstrong. "Ich sehe die Lage als eine große Lüge, die ich immer wiederholt habe. Die Wahrheit lautet anders, als alles, was ich gesagt habe", erklärte der ruhig wirkende Ex-Champion, der in einem Hotel in seinem Heimatort Austin (Texas) befragt wurde. Er habe die (Doping-)Kultur nicht erfunden, aber auch nicht versucht, sie zu einem Ende zu bringen. "Das bereue ich, das tut mir leid", versicherte Armstrong.

"Ich war ein arroganter Sack"

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Foto: apa
Der Spezialist für die großen Rundfahrten war stets die Nummer 1 in seinen Teams. Den Kämpfer kehrte Armstrong dabei nicht nur im Radsattel hervor. "Meine Mutter war eine Kämpfernatur, und ich war auch immer ein Fighter. Ich musste immer gewinnen." Wegen des unbändigen Wunsches, immer zu siegen, habe er auch die Risiken auf sich genommen. "Ich war ein arroganter Sack."

Wenn jemand in sein Terrain eingedrungen sei, habe er angegriffen. Wie jene Zeugen, die ihm schon früher Doping vorgeworfen hatten. Armstrong bestritt jedoch, jemanden unter Druck gesetzt zu haben zu dopen, wie es ihm von ehemaligen Teamkollegen vorgehalten wird.

 

Er habe freilich jede Menge Fehler gemacht. "Und heute zahle ich den Preis dafür, und das ist auch in Ordnung so, ich habe es verdient", beteuerte Armstrong, der auch zugab, dass sechs seiner EPO-Tests bei der Tour de France 1999 positiv gewesen seien. "Aber das waren Nachtests, in hunderten Tests war ich nie positiv."

Korruptionsvorwürfe

Den Weltverband (UCI) nahm Armstrong gegen Korruptionsvorwürfe in Schutz. Keineswegs sei ein positiver EPO-Test während der Tour de Suisse 2001 vom Weltverband verschleiert worden. Teamkollegen hatten zuvor ausgesagt, Armstrong habe im Gegenzug der UCI 125.000 Dollar gespendet. "Die Geschichte ist nicht wahr", betonte Armstrong. "Es gab keine positive Probe, keine Bestechung des Labors, kein geheimes Meeting mit dem UCI-Chef. Manche Dinge waren vielleicht dubios, aber das hier nicht."

Auch den umstrittenen und inzwischen lebenslang gesperrten Mediziner Michele Ferrari nahm er aus dem Kreis der "Bösen". "Es gibt welche, die keine Schurken sind. Michele Ferrari war für mich ein guter Mann, auch heute noch."

Armstrong sagte, er habe geglaubt, seine "Geschichte" würde noch lange so weiterlaufen. Als die gerichtliche Untersuchung wegen Betrugs, Drogenhandels und Beeinflussung von Zeugen im Februar 2012 eingestellt wurde, habe er geglaubt, er sei aus dem Schneider, sagte der Ex-Superstar. "Aber dann ist die USADA mit vergleichbarem Druck gekommen und hat den Zeugen Deals angeboten."

Monate nach der Verurteilung gab sich Armstrong einsichtig. Wenn er heute in dieser Situation wäre, würde er sagen, gebt mir drei Tage, ich möchte Leute anrufen, meine Familie, Freunde, Kollegen, Sponsoren, meine Stiftung. "Es hat mir an Respekt gefehlt vor den Spielregeln", bekannte Armstrong und zeigte Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der USADA. "Ich könnte vielleicht helfen, wenn ich eingeladen werde."

Armstrong-Beichte

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Zweiter Interview-Teil

Armstrong: "Ich schäme mich"

Der Rücktritt als Vorsitzender seiner Krebsstiftung war für den Ex-Radstar der "erniedrigendste Moment".

Der gefallene Radstar Lance Armstrong hat im zweiten Teil seines Interviews mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey betont, dass sein Rücktritt als Vorsitzender seiner Krebsstiftung der "erniedrigendste Moment" seiner Karriere gewesen sei. Der Texaner hatte "Livestrong" 1997 in seiner Heimatstadt Austin gegründet. Nachdem die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) umfangreiches Beweismaterial gegen ihn gesammelt hatte, gab er seinen Posten im Herbst des Vorjahres auf.

Livestrong "war wie mein sechstes Kind. Und die Entscheidung zu treffen, sich zurückzuziehen, war eine große Sache", sagte Armstrong in dem am Freitag gezeigten zweiten Teil des Gesprächs. "Es war das Beste für die Stiftung, aber es tat weh wie die Hölle." Ob er sich entehrt fühle, fragte ihn Winfrey. "Natürlich. Ich fühle mich gedemütigt. Ich schäme mich", antwortete Armstrong.

Der 41-Jährige gab zudem an, dass er sich zu dem Interview im US-Fernsehsender OWN entschieden habe, damit seine fünf Kinder nicht länger unter der Sache leiden müssten.

In dem am Donnerstag ausgestrahlten ersten Teil des TV-Interviews mit Winfrey hatte der frühere Radprofi nach über 13-jährigem Leugnen eingestanden, in seiner Karriere in großem Stil gedopt zu haben. Armstrong gab zu, bei all seinen sieben Tour-de-France-Erfolgen zwischen 1999 und 2005 gedopt gewesen zu sein.

 


Doping-Methoden

So hat Lance Armstrong gedopt

Substanzen und Risiken im Überblick

 

BLUTDOPING: Je besser die Organe mit Sauerstoff versorgt werden, desto leistungsfähiger sind sie. Manche Methoden wie das Blutdoping zielen darauf ab, den Sauerstofftransport zu verbessern. Dabei erhält der Athlet eine Transfusion mit fremdem oder mit eigenem Blut.

Beim Eigenblutdoping lässt sich der Sportler bis zu einen Liter Blut abnehmen. Es wird konserviert und tiefgekühlt gelagert. Der Blutverlust regt den Körper dazu an, neue rote Blutkörperchen zu bilden - oft verstärkt durch das Hormon EPO. Haben sich die Blutwerte einige Wochen später wieder normalisiert, wird das Eigenblut wieder zugeführt. Dadurch steigt die Konzentration der Blutkörperchen.

Risiko: Infektionsgefahr bei der Transfusion

EPO (Erythropoietin) ist ein Hormon, das in der Niere entsteht und die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) stimuliert. Mit EPO als Dopingmittel kann der Körper mehr Sauerstoff in die Muskeln transportieren. Daraus folgt eine höhere Leistungsfähigkeit, vor allem bei Ausdauersportarten. Gentechnisch hergestelltes EPO hat also eine ähnliche Wirkung wie das aufwändigere Blutdoping.

Risiko: Das Blut wird "dicker", was zu höherem Blutdruck, Thrombosen und Schlaganfall führen kann.

GLUKOKORTIKOIDE: Dazu gehören Hormone wie Cortison und Cortisol, mit denen Asthma, Allergien, Rheuma und andere Entzündungen behandelt werden. Sie bewirken zwar keine direkte Leistungssteigerung, wirken aber euphorisierend, unterdrücken Schmerzen und Müdigkeit. Sie sind im Wettkampf verboten.

Risiko: Höhere Anfälligkeit für Infekte. Fettzunahme in Nacken und Gesicht.

WACHSTUMSHORMON: Es beschleunigt die Teilung der Zellen, was sich als Wachstum bemerkbar macht. Das Human Groth Hormon (HGH) wird im Gehirn gebildet und zum Beispiel zur Behandlung von kleinwüchsigen Kindern eingesetzt. Das für therapeutische Zwecke bestimmte HGH wird mit gentechnischen Verfahren hergestellt. Manche Sportler erhoffen sich dadurch Leistungsgewinne und setzen auf die anabole, den Muskelaufbau fördernde Wirkung.

Risiko: Krankhaftes Wachstum von Organen, erhöhter Blutzuckerspiegel.

TESTOSTERON ist das wichtigste männliche Sexualhormon und gehört zur Gruppe der Anabolika. Es wird unter anderem verwendet, um einen stärkeren Muskelaufbau und bessere sportliche Leistungen zu erzielen.

Risiko: Entstehung von Tumoren, Aggressivität, Störung von Gedächtnis und Konzentration, Veränderung der Geschlechtsmerkmale.


Causa Armstrong

"Eine Ära ohne Sieger"


Video

Armstrongs Doping-Lügen

Lance Armstrong leugnete über Jahre jemals gedopt zu haben.


Lance Armstrong

Stationen einer Doping-Karriere

Seit seinem ersten Tour-de-France-Sieg 1999 wird der geheilte Krebspatient Lance Armstrong mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. 13 Jahre lang hat er geleugnet und oft mit Klagen geantwortet. In dem am Donnerstag (Ortszeit) in den USA ausgestrahlten TV-Interview mit Oprah Winfrey hat der ehemalige Krebspatient reinen Tisch gemacht und Doping ab Mitte der 90er-Jahre und bei allen seinen sieben Tour-de-France-Siegen (1999-2005) gestanden. Die Erfolge seit 1998 waren ihm schon zuvor vom Weltverband (UCI) aberkannt worden.

Die Chronologie der Karriere von Lance Armstrong im Zeichen des Dopings:

8. Juli 1999: Nach dem Prologsieg Lance Armstrongs wird bekannt, dass es auffällige Werte bei einem Fahrer gibt. UCI-Chef Hein Verbruggen beeilt sich zu erklären, "der betroffene Fahrer hat ein ärztliches Attest zur Verabreichung von Kortison vorgelegt". Eine Woche später ist klar, dass der "betroffene Fahrer" Armstrong heißt, der eine kortisonhaltige Salbe gegen Sitzbeschwerden verwendet haben will.

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Der erste Tour-Sieg - Foto: reuters
25. Juli 1999: Mit dem Tour-Gesamtsieg gelingt Armstrong 518 Tage nach seiner Hodenkrebs-Diagnose ein sensationelles Comeback. Ein Jahr nach dem Festina-Doping-Skandal hätten sich die Tour-Verantwortlichen eigentlich keinen besseren Sieger wünschen können.

Juni 2001: Bei der Tour de Suisse fällt ein Dopingtest Armstrongs auf, EPO-Doping wird vermutet. Die Version der "auffälligen Probe" bestätigt Martiel Saugy, der Laborleiter des Instituts in Lausanne, Jahre später. Armstrong wird nicht belangt und gewinnt die Rundfahrt. Danach spendet er dem Internationalen Radsportverband (UCI) 125.000 Dollar (rund 93.700 Euro), die laut UCI für an den Anti-Doping-Kampf verwendet werden.

>2. Juli 2004: Unmittelbar vor der Tour de France 2004 erscheint das Buch "L.A. Confidential", in dem die beiden Journalisten David Walsh und Pierre Ballester schwere Doping-Vorwürfe gegen Armstrong erheben.

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Der siebente und letzte Tour-Sieg - Foto: ap
24. Juli 2005: Armstrong gewinnt zum siebenten Mal die Tour de France und beendet danach seine Karriere.

23. August 2005: Die französische Sportzeitung "L'Equipe" berichtet, dass in sechs Urinproben Armstrongs aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren worden und konnten eindeutig Armstrong zugeordnet werden. EPO ist erst seit 2001 nachweisbar.

31. Mai 2006: Eine vom Weltverband UCI eingesetzte Kommission spricht Armstrong von den Doping-Vorwürfen frei. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nennt den UCI-Bericht "fast schon lächerlich".

2. Oktober 2008: Frankreichs Anti-Doping-Agentur (AFLD) schlägt Armstrong vor, die sechs Proben der Tour 1999 nochmals zu testen. Der Amerikaner, der sich auf sein Tour-Comeback 2009 vorbereitet, lehnt das ab.

20. Mai 2010: Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis gibt öffentlich zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der US-Amerikaner beschuldigt in diesem Zusammenhang auch Armstrong des Dopings. US-Behörden ermitteln gegen Armstrong, der Anfang 2011 zum zweiten Mal seinen Rücktritt als Radprofi erklärt.

20. Mai 2011: Tyler Hamilton ist der nächste ehemalige Teamkollege, der schwere Doping-Vorwürfe gegen seinen früheren Kapitän Armstrong erhebt. "Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat", sagt Hamilton dem TV-Sender CBS.

4. Februar 2012: Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre Doping-Ermittlungen gegen Armstrong überraschend ein.

12. Juni 2012: Die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) klagt Armstrong an. Proben aus den Jahren 2009 und 2010 sollen "vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden." Armstrong wird sofort für alle Wettbewerbe gesperrt.

24. August 2012: Armstrong teilt in einem Statement mit, dass er den Kampf gegen die Anschuldigungen aufgibt.

10. Oktober 2012: Die USADA schickt ihre Urteilsbegründung an die UCI. Armstrongs langjähriges Profiteam US Postal habe das "ausgeklügeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals gesehen hat", installiert.

22. Oktober 2012: UCI-Präsident Pat McQuaid gibt bekannt, dass der Weltradsportverband die Sanktionen der USADA übernimmt. Die UCI streicht damit sämtliche Ergebnisse Armstrongs seit dem Jahr 1998, darunter die Erfolge in den Frankreich-Rundfahrten von 1999 bis 2005. Zudem sperrt die UCI den Texaner lebenslang.

12. November 2012: Armstrong legt alle Ämter in der von ihm 1997 gegründeten Krebs-Stiftung Livestrong nieder

14. Jänner 2013: Im TV-Interview mit der US-Talk-Ikone Oprah Winfrey, dessen erster Teil am 18.1. ausgestrahlt wird, gesteht Armstrong Doping seit Mitte der Neunziger-Jahre und bei all seinen Tour-de-France-Siegen. Ohne Doping sei es nicht möglich, die Tour sieben Mal zu gewinnen, sagte er.


Beichte

Reaktionen auf das Doping-Geständnis

Eddy Merckx (Fünfmaliger Tour-de-France-Sieger aus Belgien): "Er hat gestanden, das ist traurig zu hören. Ich habe ihm oft in die Augen gesehen, und als wir über Doping gesprochen haben, ist immer ein deutliches Nein gekommen. Bereits seit dem USADA-Bericht dachte ich, dass es schlecht für ihn ausgehen wird, meine Enttäuschung war schon damals riesig, aber jetzt ist sie es noch viel mehr."

Christian Prudhomme (Organisations-Chef der Tour de France): "Nach Jahren der Dementis hat er es endlich irgendwie zugegeben. Aber man hat nichts über das Doping-System erfahren. Sollten wir mehr darüber erfahren, können wir es zukünftig verhindern."

Hein Verbruggen (ehemaliger Präsident des Radsport-Weltverbands): "Nach all den Jahren des Misstrauens bin ich glücklich, dass diese Komplott-Theorie am Ende nichts war als eine niemals verifizierte Theorie. All jene, die beschuldigt und verdächtigt haben, sind zweifellos enttäuscht. Niemals ist etwas (von der UCI) verdeckt worden. Es ist gut, dass Lance Armstrong endlich Doping zugegeben hat."

Tyler Hamilton (ehemaliger Teamkollege, der gegen Armstrong ausgesagt hat): "Das ist ein enormer Schritt für Lance Armstrong. Ich glaube, dass er sich bei sehr vielen Menschen entschuldigen muss. Ich persönlich brauche das nicht."

Greg Lemond (dreifacher Sieger der Tour de France gegenüber Cyclingnews): "Wenn Armstrong Floyd Landis und Tyler Hamilton denselben Stoff gegeben hätte, den er genommen hat, hätte er nie gewonnen - sie hätten ihn geschlagen."

Emma O'Reilly (ehemalige Physiotherapeutin von Armstrong): "Ich habe nur deshalb darüber gesprochen weil ich es gehasst habe zu sehen, was einige Fahrer durchmachen mussten, weil nicht alle so einfach betrügen wollten wie Lance."

Jens Voigt (deutscher Radprofi): "Die Leute mögen Geständnisse, aber es wird für Lance sicher noch ein langer Weg. Ich habe gegen ihn nur ein, zwei Rennen verloren. Das war nicht schlimm. Aber es gibt sicher andere, die haben viel mehr unter ihm gelitten. Da wird noch mehr nötig sein, als ein kurzes Sorry über den Bildschirm."

Travis Tygart (Chef der US-Anti-Doping-Agentur, die Armstrong aufgrund von Beweisen und Zeugenaussagen gesperrt hat): "Das war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Armstrong hat endlich zugegeben, dass seine Radsport-Karriere aus einer kraftvollen Kombination aus Doping und Betrug bestand. Wenn er es ernst meint mit dem Wunsch, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, muss er unter Eid ein vollständiges Geständnis seiner Doping-Aktivitäten ablegen."

Livestrong-Stiftung (von Armstrong 1997 gegründete Krebshilfe-Stiftung): "Wir sind enttäuscht angesichts der Nachricht, dass Lance Armstrong während und nach seiner Rad-Karriere die Menschen getäuscht hat, uns eingeschlossen. Aber mitten in dieser Welle der Enttäuschung sind wir Lance auch dankbar, für seine Hingabe und den Geist, den er eingebracht hat, um Krebspatienten zu helfen. Lance hat sich bei uns entschuldigt und wir haben die Entschuldigung angenommen."

Pat McQuaid (Präsident des Radsport-Weltverbandes): "Armstrongs Entscheidung, sich der Vergangenheit zu stellen, ist ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg, den Schaden wieder gut zu machen, den er verursacht hat. Armstrong hat bestätigt, dass es keine Verschwörung und keine Absprachen zwischen ihm und der UCI gegeben hat. Armstrong hat auch gesagt, dass der Radsport heute ein anderer als noch vor zehn Jahren ist."

John Fahey (Chef Welt-Anti-Doping-Agentur): "Er hat keine Namen genannt, hat nicht verraten, wer ihn (mit Dopingmitteln) versorgt hatte, welche Funktionäre involviert waren. Falls er auf Erlösung aus war, war er nicht erfolgreich."

Novak Djokovic (Erster der Tennis-Weltrangliste/Serbien): "Es wäre lächerlich gewesen, zu leugnen, weil es tausende Beweise gegeben hat. Es ist eine Schande für den Sport, dass es Athleten wie ihn gibt. Er hat den Sport verraten. Er hat viele Menschen mit seiner Karriere, seiner Geschichte verraten. Er verdient es zu leiden. Wie so viele Menschen habe ich das Vertrauen in den Radsport verloren. Die Tennisspieler gehören zu den saubersten Athleten. Es stört mich nicht, 10, 20 oder 30 Mal pro Jahr getestet zu werden. Wenn es für alle gleich ist, passt das."

Laurent Jalabert (Ex-Radprofi/Frankreich): "Das ist kein komplettes Geständnis. Wenn Armstrong etwas macht, geschieht das aus Berechnung. Ich frage mich, ob dieses Geständnis nicht eine Taktik ist. Er hat vielleicht Projekte, will etwas machen, das ihm am Herzen liegt. Wurde er geschützt, wurde er so kontrolliert wie die anderen? Ich habe nicht geglaubt, dass er eines Tages gesteht. Das war sicher nicht die letzte Etappe."

Jörg Jaksche (Doping-geständiger Ex-Radprofi/Deutschland): "Armstrong hat keine Reue gezeigt. Das war die Pflichtaufgabe, um sein Image aufzupolieren. Vielleicht hat er so viel Geld bekommen, wie er im Prozess gegen sein ehemaliges US-Postal-Team angeboten hat (5 Mio. Dollar, Anm.)."

Rolf Aldag (Manager Team Omega/QuickStep, Ex-Radprofi/Dopinggeständnis im TV 2007/Deutschland): "Das war der erste Teil, morgen kommt der zweite und hoffentlich bald der dritte, nicht öffentliche, vor der Polizei, der Justiz, der USADA oder WADA. Das Allerschwierigste ist das Zugeben - ich weiß, wovon ich rede."

Sylvia Schenk (Vorstandsmitglied von Transparency International, ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer): "Es muss eine grundlegende Reform, vor allem einen Wandel dieser Kultur geben. So lange dort nicht grundlegend aufgeräumt wird, andere Strukturen eingezogen werden, wird der Radsport nicht zu retten sein. Bjarne Riis, der selber gedopt hat bei seinem Sieg bei der Tour de France, kann nicht Sportdirektor eines Teams sein. Deshalb ist es Zeit, dass neue Leute da reinkommen, die sich um solche Dinge kümmern."

Thomas Bach (Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees): "Wenn er den Radsport so liebt, wie er sagt, und wenn es ihm darum geht, seine Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, dann muss er bereit sein, gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA oder der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA unter Eid auszusagen." Bach sprach von einem "ersten, bescheidenen Schritt in die richtige Richtung." Wenn er "wirklich hätte aufklären wollen, hätte er etwas über die Hintermänner sagen müssen, über das Verhalten der Rennställe. Das war nicht ausreichend, es war höchstens der Anfang."

Eric Boyer (Mitglied der Initiative "Change cycling now"): "Ich habe gedacht, dass er aufrichtiger ist. Er ist von der USADA in die Enge getrieben worden, der Druck auf ihn war untragbar. Das war noch immer ein Eisberg, das Geständnis umfasst vielleicht zehn Prozent von dem, was er zu sagen hat. Der Rest wird nicht aus seinem Mund kommen, aber er wird kommen."

Bund Deutscher Radfahrer (BDR): "In seinem Dopinggeständnis hat Lance Armstrong nur zugegeben, was durch die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA ohnehin längst belegt ist. In weiten Teilen war es viel heiße Luft, denn er hat nichts zur Erhellung und weiteren Aufklärung dieser Zeit beigetragen."

 


Zitate

Frühere Aussagen von Armstrong zu Doping-Vorwürfen

"Ich bin vom Totenbett aufgestanden. Ich wäre verrückt, mich zu dopen." (Armstrong am 19. Juli 1999, dem zweiten Ruhetag der Tour de France, an deren Ende er zum ersten Mal in Paris triumphierte)

"Das war nicht Hollywood, das war nicht Disney. Meine Story ist fantastisch, aber wahr. Ich bin ein sehr glücklicher Mensch und habe ein reines Gewissen." (Am 25. Juli 1999 nach dem ersten Tour-Sieg in Paris)

"An alle, die nicht an den Radsport glauben, an alle Zyniker und Skeptiker: Ihr tut mir leid. Mir tut leid, dass ihr nicht groß träumen könnt. Es tut mir leid, dass ihr nicht an Wunder glaubt. (...) Es gibt hier keine Geheimnisse. Das ist ein hartes Rennen und harte Arbeit setzt sich durch." (Nach dem Gewinn des siebenten Tour-Titels am 24. Juli 2005)

"Ich habe es seit mehr als sieben Jahren gesagt: Ich habe nie gedopt. (...) Wenn man sich meine Situation ansieht: Als jemand, der quasi nach einem Todesurteil wieder zurückkommt, warum sollte ich einen Sport betreiben, mich dopen und mein Leben erneut riskieren? Das ist verrückt. Das würde ich nie machen. Nie. Niemals." (In der TV-Sendung "Larry King Live" am 26. August 2005)

"Ich habe nie Drogen genommen. War das deutlich genug?" (Bei einer Anhörung zum Rechtsstreit gegen den Versicherer SCA Promotions am 30. November 2005)

"Ich habe nichts zu verbergen. Die Geschichte spricht für sich." (Nach den Anschuldigungen von Ex-Teamkollege Floyd Landis am 20. Mai 2010, während der Tour of California)

"Ich habe nie gedopt, ich war 25 Jahre lang Ausdauersportler ohne Leistungsschwankungen, habe mehr als 500 Dopingtest abgegeben und bin bei keinem durchgefallen." (In einem Statement auf seiner Homepage vom 13. Juni 2012 als Reaktion auf die USADA-Vorwürfe)

"Unterm Strich bleibt: Ich habe nach den Regeln von UCI, WADA und USADA gespielt, als ich Rennen gefahren bin." (In einem Statement vom 23. August 2012, in dem Armstrong ankündigt, gegen die Vorwürfe der USADA nicht mehr vorgehen zu wollen)


Pressestimmen

"Zu wenig, zu spät, Lance!"

Pressestimmen aus den USA zu Armstrongs Geständnis

New York Post: "In einem Interview, das wie eine Bombe eingeschlagen hat, hat Lance Armstrong endlich zugegeben, seinen Weg an die Spitze der Radwelt gedopt zu haben."

Chicago Tribune: "Armstrongs Zugeständnisse waren in vieler Hinsicht nicht vollständig, und sein Versagen darin, die ganze Wahrheit zu erzählen (...), wird sein Vermächtnis weiter anfechten. Sein Versagen darin, sich öffentlich für die Lügen zu entschuldigen, die er über andere Menschen erzählt hat, haben ebenfalls Armstrongs Versuch untergraben, das Interview zu seinem Vorteil zu nutzen."

Time Magazine: "Was ist Armstrongs wahre Motivation? Tut es ihm ehrlich leid? Oder will er sein Image sanieren und sein Bankkonto wieder füllen? (...) Es ist schwer, das Herz eines Mannes zu lesen, der so herzlos gewesen ist."

Los Angeles Times: "Armstrongs Bitte um Vergebung (...) kann entweder als schändliche und viel zu späte Anstrengung eines Schufts, seine Karriere zu retten, angesehen werden. Oder als letzter Atemzug eines Helden, der die Kritiker, die ihn unfairerweise hervorgehoben haben, stummschalten will. Wir tendieren zu ersterem."

 

(apa/ep) Erstellt am 18.01.2013, 06:11

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