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Doktor Gebhard Gritsch trägt großen Anteil am Erfolg der Nummer 1 der Welt .
Doktor Gebhard Gritsch trägt großen Anteil am Erfolg der Nummer 1 der Welt . - Foto: FREMD/Stefan Sigwarth

Letztes Update am 07.03.2013, 19:09

Ein Österreicher in der Weltspitze des Tennissports. Fitness-Coach Gebhard Gritsch ist mitverantwortlich für den Aufstieg des Serben Djokovic.

Cafe Landtmann, 1. Wiener Gemeindebezirk. Gebhard Gritsch nippt am kleinen Braunen und wirkt recht entspannt. Immerhin hat er ein paar Tage Zeit für seine Familie in Wien, wo er zur Ruhe kommen kann, wo er bodenständig sein kann.

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Foto: FREMD/Stefan Sigwarth
Über 30 Wochen im Jahr ist der gebürtige Tiroler Mitglied der Besatzung eines Teams, das von einem Höhenflug zum nächsten gebucht wird. Der 56-Jährige ist seit April 2009 Fitnesstrainer von Novak Djokovic. Und damit gemeinsam mit dem slowakischen Coach Marjan Vajda verantwortlich für den Aufstieg des Serben zur Nummer eins. Zuvor war Gritsch in Neuseeland als Trainer bei der Academy of Sports tätig gewesen, ehe er über Vermittlung des erfolgreichen Tennis-Trainers Günter Bresnik zu Djokovic kam.


Ausnahme Indian Wells

USA TENNIS BNP PARIBAS OPEN
Nummer eins: Novak Djokovic schlägt ab Freitag in Indian Wells auf - Foto: APA/JOHN G. MABANGLO
"In den USA bin ich nicht, ich steige erst bei den Europa-Turnieren wieder ein", sagt Gritsch. Oft lässt er Nole, wie Djokovic auch genannt wird, nicht allein. Bei den Grand-Slam-Erfolgen seines Schützling war er dabei, auch bei dessen sechsten Titel, dem dritten bei den Australian Open Anfang des Jahres.

In Indian Wells, wo Djokovic wie die anderen Topstars Roger Federer, Andy Murray und Rafael Nadal ab Freitag aufschlägt, fehlt Gritsch ausnahmsweise. Auch danach beim Top-Turnier in Miami.

Kein Malheur. Mittlerweile zählt Djokovic sowieso zu den Fittesten auf der Tour, steckte bei den Australian Open einen Fünf-Satz-Marathon gegen den Schweizer Stanislas Wawrinka (12:10 im Entscheidungssatz) weg um anschließend auf dem Weg zum Triumph nur noch zwei Sätze abzugeben. "Wir haben vor allem im Bereich der Biomechanik sehr viel gearbeitet, die Muskulatur gestärkt. Er ist schneller und ausdauernder geworden", sagt Gritsch. Djokovic ist ein dankbarer Kunde. "Er tut alles für den Erfolg."

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'Wir sind nicht nur ein Trainingsteam, sondern auch eine Familie' - Foto: FREMD/Stefan Sigwarth
Ein Schlüssel zum Erfolg ist der Mentalbereich. "Wir sind nicht nur ein Trainingsteam, sondern auch eine Familie. Immerhin verbringen wir viel Zeit miteinander." Beim Abendessen sei der 25-Jährige "wie jeder andere Mensch auch, kann auch abschalten und hat viel Humor."

Dies bewies Djokovic nicht nur mit zahlreichen Imitationen, der Höhenflieger ist auch ein Spaßvogel (ein anderer Spitzname ist Joke-ovic). Bei den Australian Open marschierte er nach seinem klaren Semifinalsieg über den Spanier David Ferrer noch einmal als Arzt verkleidet auf den Platz, weil Berufs-Kasperl Henri Leconte während eines Legenden-Matches ein "Medical-Time-Out" verlangt hat. "Heute wird alles sehr ernst genommen, Nole versucht den Sport bewusst etwas aufzulockern", sagt Gritsch lächelnd, der den beinharten Konkurrenzkampf an der Spitze etwas relativiert. "Murray ist ein guter Freund, er kennt ihn seit Jugendtagen, mit Federer versteht er sich blendend."

 

Heimatverbunden

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'Ich kann dem Verband zumindest Systeme anbieten' - Foto: FREMD/Stefan Sigwarth
Djokovic setzt auch auf seine Heimat. "Er lässt das Daviscup-Team nicht im Stich, auch deshalb ist er ein Nationalheld." Etwas die Sprache verschlagen hat es Gritsch, als er an Österreichs Leistungen beim Daviscup-Länderspiel in Kasachstan (1:3-Pleite) dachte.

Ein Urteil wollte er nicht abgeben, bot aber dem Österreichischen Tennisverband seine Hilfe an. "Ich kann dem Verband zumindest Systeme anbieten", sagt der Doktor der Sportwissenschaften.

Das Unternehmen Djokovic nimmt ohnehin viel Zeit in Anspruch. Das große Ziel für die nächsten Monate? "Wenn sich Nole Paris holt, hat er bei allen vier Grand-Slam-Turnieren gewonnen."

Das wäre ein weiterer Meilenstein. Auch für den Österreicher Gebhard Gritsch.

Gebhard Gritsch, 56, war vor seiner Tätigkeit bei Djokovic u. a. als Trainer bei der Academy of Sports in Neuseeland und beim Daviscup-Team der Philippinen tätig. Der Familienvater entwickelt Trainingskonzepte für Spitzensportler (http://tts.vc).


(KURIER) Erstellt am 07.03.2013, 19:09

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