Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

Mercedes voran: Rosberg gewann vor Hamilton.
Für Sebastian Vettel war das Red-Bull-Heimwochenende in Spielberg eines zum Vergessen.

Von Startplatz neun auf die zweite Stufe des Podests: Lewis Hamilton, einem Mann der Attacke, muss die Aufholjagd beim Großen Preis von Österreich in Spielberg doch Freude bereitet haben.

Doch der Weltmeister von 2008 sah unglücklich aus, frustriert gar. Nur die Diamant-Ohrstecker des Engländers strahlten. Ansonsten: Regungslosigkeit. Böse Miene zum unguten Spiel.

Schon wieder war er vor Lewis Hamilton gelandet. Er, das ist der Mann, der den gleichen Overall trägt und das gleiche Dienstauto fährt: Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg.

Der Deutsche wurde bei der Rückkehr der Formel 1 in die Steiermark seiner Favoritenrolle nach dem Qualifying gerecht. Von Platz drei gestartet, waren die Williams-Piloten Felipe Massa und Valtteri Bottas zwar keine leichte Beute, aber über die Distanz von 71 flotten Runden durch das hügelige Murtal doch zu schnappen.

Perfekte Strategie

"Das war sicher nicht mein leichtestes Rennen. Das Auto und ich waren am Limit", sagte Rosberg. "Die Williams waren schnell auf der Geraden, aber letztlich habe ich das schnellere Auto gehabt und sie mit der Strategie schlagen können."

Verfolger Hamilton, der nach fast 90-minütiger Hatz lächerliche 1,9 Sekunden später die Ziellinie überquerte, war bloß zu entlocken: "Nico hat einen tollen Job gemacht." Nach acht Rennen im Jahr 2014 hat Hamilton vier Siegestrophäe in der Vitrine stehen und damit eine mehr als sein Teamkollege, doch in der WM-Wertung scheint ihm Rosberg immer weiter zu enteilen: 29 Punkte trennen die beiden – mehr als man für einen Grand-Prix-Erfolg gutgeschrieben bekommt.

Rosberg rast mit Konstanz Richtung WM-Titel, Hamilton verfolgt das Pech: In den fünf Rennen, in denen Rosberg nicht auf die oberste Stufe des Podiums stieg, wurde er jeweils Zweiter. Hamilton hingegen schied zwei Mal mit Defekten aus. "29 Punkte Vorsprung sind schon ein Polster, aber die Saison ist noch sehr jung", mahnte Rosberg.

Der sechste Doppelsieg unterstrich erneut die Vormachtstellung von Mercedes, doch die Dominanz des deutschen Werkteams war in Spielberg nicht mehr so erdrückend wie in den Vorwochen: Das Williams-Team, ebenfalls mit Mercedes-Kraft im Heck, kam den Silberpfeilen nahe.

Der Brasilianer Massa steuerte sein Auto von der Poleposition auf Rang vier, Teamkollege Bottas bejubelte als Dritter seinen ersten Podestplatz. Womit der 24-jährige Finne ein für Toto Wolff perfektes Podium komplettierte: Der Wiener Motorsportchef und Mitbesitzer des Mercedes-Teams hatte Bottas gefördert und erst in die Formel 1 gebracht. Zudem hält Wolff noch zehn Prozent am Williams-Rennstall. "Platz eins und zwei hier zu Hause ist großartig, und dann noch Bottas – fantastisch", sagte Wolff höchst zufrieden.

Mit "Heimspielberg" hatte Mercedes den Grand Prix beworben – wegen Wolff und Niki Lauda, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Teams. So mancher im Bullen-Stall sah darin einen weiteren Affront im aufgeheizten Duell der beiden führenden Teams. Der Unterstützung von den vollen Rängen konnte sich aber auch Mercedes sicher sein. Wie sagte daher auch Sieger Rosberg? "Kein Unterschied zu den Rennen in Deutschland. Es ist gut, wieder zurück zu sein."

Auf der obersten Stufe des Podests – und in Spielberg.

Endstand
1. Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:27:54,976
2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +01,932
3. Valtteri Bottas (FIN) Williams +08,172
4. Felipe Massa (BRA) Williams +17,358
5. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +18,553
6. Sergio Perez (MEX) Force India +28,546
7. Kevin Magnussen (DEN) McLaren +32,031
8. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull +43,522
9. Nico Hülkenberg (GER) Force India +44,137
10. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari +47,777
11. Jenson Button (GBR) McLaren +50,966
12. Pastor Maldonado (VEN) Lotus +1 Runde
13. Adrian Sutil (GER) Sauber +1 Runde
14. Romain Grosjean (FRA) Lotus +1 Runde
15. Jules Bianchi (FRA) Marussia +2 Runden
16. Kamui Kobayashi (JPN) Caterham +2 Runden
17. Max Chilton (GBR) Marussia +2 Runden
18. Marcus Ericsson (SWE) Caterham +2 Runden
19. Esteban Gutierrez (MEX) Sauber +2 Runden
Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

FORMEL 1-GP VON ÖSTERREICH:
Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

AUSTRIA FORMULA ONE GRAND PRIX
Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

AUSTRIA FORMULA ONE GRAND PRIX
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AUSTRIA FORMULA ONE GRAND PRIX
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FORMEL 1-GP VON ÖSTERREICH: LEGENDENRENNEN/LAUDA
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AUSTRIA FORMULA ONE GRAND PRIX
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FORMEL 1-GP VON ÖSTERREICH: GABALIER
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Williams Formula One driver Massa of Brazil leads
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AUSTRIA FORMULA ONE GRAND PRIX
Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

The car of Red Bull Formula One driver Vettel of G
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Williams Formula One driver Massa of Brazil drives
Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

Mercedes Formula One driver Rosberg of Germany dri
Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

Mercedes Formula One driver Rosberg of Germany dri
Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich

FORMEL 1-GP VON ÖSTERREICH: FANS

Es wird wohl kein Trost für Sebastian Vettel gewesen sein. Aber zumindest ersparte sich der Weltmeister bei der Siegerehrung die Fragen seines ehemaligen Teamkollegen Mark Webber, mit dem ihn eine hartnäckige wie legendäre Rivalität verband. Red-Bull-Werbeträger Webber hatte die Ehre, die schnellsten drei Männer auf dem Podium zu interviewen.

Schnell war Vettel auch – und zwar verschwunden von der Strecke. Nach nur 34 Runden war das Rennen des Deutschen beendet. Das Unheil saß bereits früh mit im Cockpit. „Bitte sagt mir, was ich tun soll“, flehte Vettel nach dem Start über den Boxenfunk. Er rollte den Berg hinauf, schüttelte den Kopf und sah die Gegner vorbeisausen. Plötzlich nahm er wieder Fahrt auf, was auch Vettel überraschte: „Aus irgendeinem Grund habe ich wieder Vortrieb.“

Durchgereicht bis ans Ende des Feldes zerstörte sich Vettel später am Hinterrad eines Saubers den Frontflügel. Die Aufholjagd musste abgeblasen werden: Um die Systeme zu schonen, stellte Vettel seinen RB 10 ab. „Es ist schon viel passiert, aber das lässt sich nicht ändern. Die Lehrstunden waren bitter.“

Ebenfalls nicht die Zielflagge sahen die Piloten Danil Kwjat und Jean-Eric Vergne vom Red-Bull-Zweitteam Toro Rosso. Schadensbegrenzung betrieb Vettel-Teamkollege Daniel Ricciardo. Der Australier rettete nach misslungener Startphase Platz acht und verteidigte damit WM-Rang drei. „Unser Speed hat nicht gepasst“, sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko. Und Teamchef Christian Horner forderte: „Renault muss noch einmal nachlegen.“

Rosberg gewinnt Grand Prix von Österreich
Sebastian Vettel musste seinen Red Bull zu früh abstellen.

WM-Leader Nico Rosberg (GER/Mercedes, Sieger): "Sensationell, es ist heute alles aufgegangen, die Strategie war perfekt, dazu hatte ich wieder ein sehr, sehr schnelles Auto. Es war aber nicht das leichteste Rennen, einiges im Auto war am Limit. Am Schluss war es megaeng zwischen mir und Lewis, das ist ein sehr intensives Duell. Die Fans waren super, haben uns so toll angefeuert. Das war das Rennen des Jahres hier vor dieser einmaligen Kulisse."

Lewis Hamilton (GBR/Mercedes, Zweiter): "So einen Start kann man nicht planen, denn man weiß ja nicht, was passieren wird. Der Start ist immer schwierig, aber heute war er wirklich großartig. Dieses Wochenende war ein Wochenende der Schadensbegrenzung für mich, deshalb bin ich mit Platz zwei zufrieden."

Valtteri Bottas (FIN/Williams, als Dritter erstmals auf dem Podest): "Ich bin überglücklich. Platz drei ist eine wunderbare Erfahrung für mich. Wir wollten diesen Podestplatz schon lange realisieren nach all den Rückschlägen in den vergangenen Jahren. Platz drei und vier, das ist auch sehr gut für die Konstrukteurs-WM. Ich habe jetzt natürlich Blut geleckt und will in den nächsten Rennen noch bessere Resultate erzielen."

Felipe Massa (BRA/Williams, Pole-Positon, Platz vier im Rennen): "Ich bin nicht wirklich glücklich mit Platz vier, nachdem ich die Pole Position geholt hatte. Es ist aber für mich und das Team trotzdem ein gutes Ergebnis. Wir haben viele Punkte geholt und waren absolut konkurrenzfähig. Das Rennen war recht kompliziert, ich bin leider nach den Boxenstopps im Verkehr gesteckt und habe dabei viel Zeit verloren."

Daniel Ricciardo (AUS/Red Bull, Achter): "Das ist natürlich ein enttäuschendes Resultat, aber so ist es in der Formel 1. Es gibt Höhen wie beim Sieg vor zwei Wochen und dann Tiefen wie heute. Dadurch bleibt man realistisch und bodenständig. Ich war leider das einzige Red-Bull-Auto, das es als Achter ins Ziel geschafft hat. Das schätzen die Fans natürlich nicht, aber hoffentlich werden wir aus den Fehlern lernen und weiterpushen."

Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel (GER/Red Bull, zur Rennhälfte aufgegeben): "Ich hatte auf einmal keinen Vortrieb mehr, der Motor hat kein Gas angenommen. Plötzlich ging's dann wieder, aber von hinten hat man keine Chance mehr. Warum bei mir immer was Anderes ist, weiß ich nicht, aber es ist so. Schade, dass man da nicht so richtig in die Gänge kommt. Drei Ausfälle sind natürlich bitter."

Niki Lauda (Mercedes-Teamaufsichtsrat): "Es hat ein hartes Match gegeben. Kappe runter vor Nico, Kappe runter vor Lewis. Für Mercedes war es wesentlich schwieriger als alle Rennen in der Vergangenheit. Aber am Ende eins und zwei - so wie es gehört, ich bin zufrieden. Mehr kann man nicht machen. Der Raketenstart von Hamilton hat viel geholfen. Es freut mich, dass wir nach dem Montreal-Wochenende wieder in voller Stärke zurückgekommen sind. Wir müssen aber das Auto weiterbringen, damit wir wieder schneller werden. Es war kein Rennen, wie man es von Red Bull erwartet."

Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef): "Gerade hier die Plätze eins und zwei zu schaffen ist großartig. Die Nervenanspannung bei mir war okay. Sie haben dann am Ende noch einen kleinen Fehler gemacht, das gehört aber dazu. Mit dem Kühl-Level waren wir 'borderline', aber wir haben das am Ende gut gemanagt."

Christian Horner (Red-Bull-Teamchef): "Wir hatten ein elektronisches Problem, das war nicht der Tag von Sebastian (Vettel, Anm.). Der Motor ist auf Leerlauf gesprungen, dadurch war kein Vortrieb mehr da. Die Box hatte keine Antwort. Mercedes hat einen großartigen Job gemacht, sie waren einfach zu stark, hatten zu viel Power. Gratulation an Dietrich (Mateschitz, Anm.) und Red Bull für dieses Rennen, es ist toll, wieder in Österreich zu sein."

Helmut Marko (Red-Bull-Motorsportchef): "Unser Speed hat nicht gepasst. Wir haben das ganze Wochenende nicht die Balance gefunden. Wir müssen das zur Kenntnis nehmen und noch härter arbeiten. Schon in der ersten Runde gab es Probleme mit der Elektronik, dann ist sie wieder gegangen, dann wieder nicht. Da war das Rennen sowieso schon verhaut. Das ist noch nie passiert, dass wir ein ganzes Wochenende das Setup nicht hinbringen. Wir haben viele neue Teile gehabt, das hat nicht zusammengepasst. Wir hatten ein Untersteuern über die ganze Renndistanz. Vom Flügel her haben wir keine Verstellmöglichkeiten mehr gehabt. Wenn einen die Pechsträhne verfolgt, dann scheinbar massiv. Die WM-Chancen sind deutlich gesunken, es gibt aber noch keine Katastrophenstimmung."

Claire Williams (Williams-Teamchefin): "Dieses gute Ergebnis ist das Resultat harter Arbeit und das Maximum für uns, denn Mercedes ist derzeit in einer anderen Liga. Das waren ganz wichtige 27 Punkte für die Konstrukteurs-WM. Ich hoffe es gibt noch mehr von diesen guten Rennen für uns."

Flugplatzrennen in Zeltweg (1):
1964 Lorenzo Bandini (ITA) Ferrari
Österreichring in Spielberg (18):
1970 Jacky Ickx (BEL) Ferrari
1971 Jo Siffert (SUI) BRM
1972 Emerson Fittipaldi (BRA) Lotus
1973 Ronnie Peterson (SWE) Lotus
1974 Carlos Reutemann (ARG) Brabham
1975 Vittorio Brambilla (ITA) March
1976 John Watson (GBR) Penske
1977 Alan Jones (AUS) Shadow
1978 Ronnie Peterson (SWE) Lotus
1979 Alan Jones (AUS) Williams
1980 Jean Pierre Jabouille (FRA) Renault
1981 Jacques Laffite (FRA) Ligier
1982 Elio de Angelis (ITA) Lotus
1983 Alain Prost (FRA) Renault
1984 Niki Lauda (AUT) McLaren
1985 Alain Prost (FRA) McLaren
1986 Alain Prost (FRA) McLaren
1987 Nigel Mansell (GBR) Williams
A1-Ring in Spielberg (7):
1997 Jacques Villeneuve (CAN) Williams
1998 Mika Häkkinen (FIN) McLaren
1999 Eddie Irvine (GBR) Ferrari
2000 Mika Häkkinen (FIN) McLaren
2001 David Coulthard (GBR) McLaren
2002 Michael Schumacher (GER) Ferrari
2003 Michael Schumacher (GER) Ferrari
Red Bull Ring in Spielberg (1):
2014 Nico Rosberg (GER) Mercedes

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