Warum die Austria nicht um den Titel spielen kann

Fussball ,  Austria - Mattersburg
Foto: Agentur Diener/DIENER / Philipp Schalber Enttäuscht: Mit viel Schiedsrichter-Glück gab es gegen Mattersburg einen Punkt

Im Zentrum verliert man die Zweikämpfe, Spielgestalter Raphael Holzhauser ist leicht ausrechenbar.

Es war ein ehrliches Eingeständnis: "Bei uns ist derzeit nicht mehr drinnen. Wir sind in dieser Saison einfach noch nicht so weit." Austria-Trainer Thorsten Fink rief stets Platz drei als Mindest-Ziel für Violett aus und dürfte damit recht behalten. Die Austria ist eben nicht besser.

Nach dem 2:2 daheim gegen Mattersburg hat man den Kontakt zu Salzburg etwas verloren, es bedarf nun schon eines Sieges am Sonntag beim direkten Duell, um sich zurück ins Titelrennen zu bringen. Doch nach der Leistung gegen die Burgenländer ist dies schwer vorstellbar. Dabei war den Wienern Fortuna besonders hold.

Probleme

Die Austria hat auffällig viele Probleme in der Rückwärtsbewegung. Sämtliche Gegner, gleich ob Grödig, der LASK im Cup oder jetzt Mattersburg, vermochten sich schnell und einfach durch die violette Defensive zu kombinieren und gute Chancen zu kreieren. Allein deren mangelnde Verwertung ermöglichte der Austria Siege oder ein Remis. Nur Rapid erwies sich als gnadenlos und gewann klar 3:0.

Das sind die Knackpunkte im Austria-Spiel:

Zweikämpfe Die Zweikampfführung der Austrianer ist oftmals mangelhaft. Bei Angriffen der Gegner erfährt die Abwehrkette immer wieder zu wenig Unterstützung vom zentralen Mittelfeld. Das Duo Holzhauser/Grünwald ist nicht unbedingt für bedingungslose Härte im Zweikampf bekannt. Vor allem aber über die Flanken lässt sich die Austria immer wieder viel zu leicht knacken.

Offensive Das Positive vorweg: Mit Lucas Venuto bekam die Austria mehr Schwung und Dynamik. Der Neuzugang aus Grödig war bisher in allen Spielen einer der Besten, wenn nicht sogar der beste Austrianer. Kapitän Gorgon läuft seiner Hochform hinterher, glänzt aber immerhin durch Tore und Energie-Anfälle, wenn er seine Kollegen mitreißen möchte.

Von Alexander Grünwald und Roi Kehat kommt in der Offensive zu wenig. Larry Kayode ist ein permanenter Unruhe-Herd, sofern er sich auf sein Spiel konzentriert und nicht mit Diskussionen und Gesten selbst ablenkt. Eine Aussprache mit Sportdirektor Franz Wohlfahrt hat offensichtlich in diesen Belangen Früchte getragen.

Kevin Friesenbichler hätte sich einen Einsatz von Beginn an längst verdient, allerdings müsste Fink das System dafür adaptieren.

Spielmacher Holzhauser ist ein feiner Techniker mit einem tollen linken Fuß. Doch er bremst das Spiel der Austria, zudem stellen sich die Gegner immer besser auf seinen Stil ein. Entweder schlägt er mit links Traumpässe über 40 Meter auf die rechte Seite, oder er spielt den kurzen Pass auf die linke Flanke. Viel zu selten bringt er mit einem vertikalen Pass durch die Mitte die offensiven Kehat und Grünwald ins Spiel, weshalb diese oft viel zu inaktiv und ineffizient erscheinen. Fink zählt auf ihn, weil er bei Standardsituationen stets für viel Gefahr sorgt und weil auf dieser Position eine adäquate Alternative fehlt.

Fazit

Unterm Strich steht die Austria dort, wo sie hingehört. Und wo sie auch Fink sieht, weil man nicht die Qualität von Salzburg und Rapid hat. Beenden die Wiener die Saison auf Platz drei, dann haben sie ihr Saisonziel erreicht und das Ticket für den Europacup gelöst. Auch wenn das manchem anspruchsvollen Fan zu wenig sein mag.

(kurier) Erstellt am
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