Rapid-Gegner Valencia: Ein "Küken" muss flügge werden

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Foto: APA/AFP/JOSE JORDAN Gary Neville (L) und seine Bruder Phil leiten die Geschicke beim FC Valencia

Der von Trainerlegende Alex Ferguson geprägte Gary Neville soll den spanischen Traditionsklub aus der Krise führen.

Gary Neville muss ein breites Kreuz haben. Oder zumindest viel Sitzfleisch. Denn trotz der massiven Kritik, die auf den erst 40-jährigen Trainer von Rapids Europa-League-Gegner FC Valencia niederprasselte, war ein Rücktritt nie ein Thema.

Anfang Dezember 2015 hatte der Engländer seinen ersten Cheftrainer-Posten angetreten. Und das gleich bei Valencia, einem Klub, der den Anspruch hat, Herausforderer der spanischen Giganten Real Madrid und FC Barcelona zu sein.

Lange Durststrecke

Wenn es bei einem Klub mit einem solchen Selbstverständnis zwei Monate dauert, bis ein neuer Trainer das erste Liga-Spiel gewinnt, ist der Druck natürlich riesig. Das 2:1 gegen Espanyol am Samstag war sein erster Erfolg in der Primera Division nach neun erfolglosen Versuchen.

Manchester United's Neville holds back his manager Foto: REUTERS/PHIL NOBLE "Ich glaube an mich und an die Mannschaft", hatte Neville nach jedem Misserfolg gebetsmühlenartig gesagt. Den Glauben an seine Arbeit hat er von seinem Mentor geerbt. Auch bei Alex Ferguson lief es nicht immer rund, aber trotzdem blieb er seinen Prinzipien treu.

Vorbild Ferguson

Im Dezember 1989, da war der Schotte gerade drei Jahre Trainer bei Manchester United, wurde nach sechs Niederlagen und acht sieglosen Spielen von vielen Fans dessen Rauswurf gefordert. Ferguson konnte die Klubchefs überzeugen, dass er der Richtige sei. Was folgte, waren 24 weitere Jahre unter dem Schotten und die erfolgreichste Ära für Englands Rekordmeister.

Diese gestaltete auch Gary Neville mit. Wie sein jüngerer Bruder Phil kam er als Jugendlicher zu Manchester United. Mit 17 bekam er von Ferguson seine Chance in der Kampfmannschaft. 602 Spiele absolvierte Neville als Rechtsverteidiger unter dem Schotten, dem einzigen Trainer seiner 19-jährigen Profi-Karriere.

Die Klasse von 1992

Soccer players Scholes, Neville, Giggs, Butt, Beck Foto: Reuters/NEIL HALL Die Nevilles gehörten zu "Fergie's Fledglings" ("Fergies Küken") – gemeinsam mit Paul Scholes, Nicky Butt, Ryan Giggs und David Beckham. Als "The Class of '92" prägten sie mehr als ein Jahrzehnt die englische Premier League.

Dass Neville Ferguson um Rat fragte, als er das Angebot von Valencia bekam, ist nur logisch: "Er hat mir gesagt: Sei du selbst und habe Vertrauen in deine Arbeit, wie du es als Spieler getan hast."

Geschäftspartner des Valencia-Präsidenten

An diesen Tipp hält sich Neville, der ja noch immer auch Assistent von Englands Teamchef Roy Hodgson ist. Dass Neville ein Geschäftspartner von Valencia-Klubboss Peter Lim ist, ist sicher kein Nachteil. Ein anderer Trainer wäre seinen Job wohl längst wieder los, spätestens nach der 0:7-Pleite im Cup-Halbfinal-Hinspiel in Barcelona am 3. Februar. Neville räumte zwar ein, dass dies "der traurigste Fußballabend in meiner Karriere" war, die Rücktrittsaufforderung lokaler Medien ließ ihn aber kalt.

Im Dezember 2014 kaufte Lim 50 Prozent der Anteile an Salford City. Der Halbprofi-Klub aus dem Großraum Manchester gehörte den Neville-Brüdern sowie ihren Freunden Ryan Giggs, Paul Scholes und Nicky Butt – also fast der kompletten "Class of '92". Jeder der Fünf hält nun zehn Prozent.

Brüder als Trainer-Gespann

Mit seinem Bruder arbeitet Gary Neville auch in Valencia zusammen. Der 39-jährige Phil ist schon seit Sommer 2015 bei Rapids Gegner, assistierte auch dem Portugiesen Nuno Espírito Santo, der Ende November nach einem verpatzten Saisonstart seinen Job verlor.

Nun soll es Gary Neville richten. Mit einem Champions-League-Platz über die Liga wird es bei 20 Punkten Rückstand auf den Vierten Villarreal nichts mehr werden. Bleibt nur der Weg über die Europa League, deren Sieger ja sogar die Chance auf einen fixen Startplatz in der Champions League hat. Der Weg dorthin ist aber mit fünf Hürden ein weiter. Die erste ist Rapid.

Das Hinspiel steigt Donnerstag. Was Rapid große Hoffnungen macht, lesen Sie hier.

(kurier) Erstellt am
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