Perfekt: Guardiola wird Bayern-Coach

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Foto: apa Guardiola hat sich für München - und gegen mehrere europäische Top-Klubs - entschieden.

Josep Guardiola ist ab Sommer neuer Bayern-Trainer und erhält einen Vertrag bis 2016.


Am Ende ging alles schnell. Ruck, zuck, und Pep Guardiola war neuer Trainer von Bayern München. Das Amt wird er im Sommer antreten.

Die wichtigste Personalie aber schien vonseiten des Klubs der derzeitige Trainer sein. Auf der Homepage lautete der Titel des Tages: "Heynckes beendet Karriere." Der Abschied des 67-Jährigen war vorrangig, und erst die Überzeile verkündete den Nachfolger: "Guardiola ab Juli 2013 Trainer des FC Bayern."

FILE SPAIN SOCCER GUARDIOLA Foto: APA/ALEJANDRO GARCIA Guardiola wird bald in München an der Seitenlinie stehen Diese besondere Sicht der bayrischen Dinge konnte der Rest der Fußballwelt in den letzten zwei Tagen allerdings nicht teilen. Am Mittwochnachmittag sprangen dann die deutschen Medien auf den Hype auf. Sky Sport News unterbrach am Nachmittag die Sendung für die Top-Meldung: Guardiola war auf dem Bayern-Trainingsgelände an der Säbener Straße, um beim Münchner Verein als neuer Coach anzuheuern. Die Ereignisse überschlugen sich ebenso wie die Stimmen der Moderatoren.

Um 16.40 Uhr verkündete Bild online: Guardiola ist neuer Bayern-Trainer.

Um 17 Uhr wurde es dann endlich still in der Gerüchteküche, denn die Bayern selbst servierten der Öffentlichkeit in einer Pressemitteilung das Hauptgericht: Pep Guardiola.

Was kann der Trainer Pep Guardiola?
Uli Hoeneß, der Münchner Aufsichtsratsvorsitzende, sagte: "Als adäquater Nachfolger für Jupp Heynckes kam nur ein Trainer vom Kaliber eines Pep Guardiola infrage." Dabei hat der 41-Jährige von 2007 bis 2013 erst zwei Klubs trainiert: Barcelona A und Barcelona B. Guardiola kannte Barça, er ist Barça. Er wurde als Youngster in der Klubphilosophie ausgebildet, hat das Barça-Spiel auf dem Feld vorexerziert und als Trainer das System so perfektioniert, dass die beste Mannschaft der Welt herausgekommen ist. Aber was gibt es außerhalb von Barcelona? Als Kicker war er bei Brescia, AS Roma und schließlich in Mexiko. Man wird sehen, wie er sich im Bayern-Umfeld behauptet.

Pep Guardiola trainiert ab Sommer den FC Bayern. Seine Vorgänger haben teils große Erfolge vorzuweisen: Vor 20 Jahren in der Saison 1992/'93 hatte Erich Ribbeck das Traineramt beim FC Bayern München inne. In seiner Amtszeit holte er aus insgesamt 65 Meisterschaftsspielen 113 Punkte. Dabei konnte er 31mal den Platz erfolgreich verlassen, 20mal mit einem Unentschieden und 14mal mit einem hängenden Kopf. Er übernahm Anfang 1992 das Amt vom Dänen Sören Lerby und führte die Bayern von Tabellenplatz zehn innerhalb einer Spielzeit auf den zweiten Rang. Ende 1993 war für Ribbeck dann Schluss und Kaiser Franz Beckenbauer setzte sich in den Trainerstuhl. Seine Bilanz in der Meisterschaft: neun Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Das ergibt 29 Punkte. In seiner sechsmonatigen Zeit als Bayern-Trainer holte Beckenbauer den deutschen Meistertitel nach München. Nach dieser erfolgreichen Saison lief Giovanni Trapattoni als neuer Trainer des "FC Hollywood" auf. In mehreren Tranchen holte er von 1994 bis 1998 195 Punkte aus 102 Spielen. Diese beeindruckende Summe ergibt sich aus 54 Siegen, 33 Unentschieden und nur 15 Niederlagen. Seine Trainerkarriere bei den Münchnern wurde 1995 durch das Engagement von Otto Rehhagel unterbrochen. Der Deutsche bestritt 30 Partien in der Liga mit den Bayern, gewann davon 18 Stück und musste bei insgesamt zwölf Partien (vier Unentschieden und acht Niederlagen) einen Punkteverlust hinnehmen. Von 90 möglichen Punkten holte er 58. Nach einer schwachen Saison wurde der 74-Jährige kurz vor dem Europa-Cup-Endspiel gegen Girondins Bordeaux entlassen. Den Titel holt der FC Bayern München nur wenige Tage später mit Franz Beckenbauer. Im Juli 1996 kehrte Trapattoni wieder auf die Bank des Münchner Olympiastadions zurück. Wo er schließlich bis zur Saison 1997/´98 verblieb. In insgesamt drei Saisons brachte er es neben einem Meistertitel auf einen Ligapokal- sowie DFB-Pokal-Gewinn. Von 1998 bis 2004 saß Ottmar Hitzfeld auf der Kommandobrücke des FC Bayern - und das sehr erfolgreich. Vier deutsche Meistertitel, zwei DFB-Pokal-Triumphe, der Champions-League-Sieg 2001 und auch der Weltpokal-Erfolg im selben Jahr machten ihn zur vereinsinternen Trainerlegende. In dieser Zeit brachte es der 50-Jährige auf 317 Meisterschaftsspiele auf der Trainerbank, dabei erreichte er 136 Siege, 41 Unentschieden und 35 Niederlagen. Das ergibt einen Gesamtscore von 425 Punkten. Felix Magath holte mit dem FC Bayern zwei Mal in Folge das Double, was zuvor noch nie einem Verein gelungen war. Nach einem enttäuschenden Herbst 2006 musste er Anfang 2007 gehen. In seiner Ära kassierten die Münchner 186 Punkte aus 87 Spielen ein. Magath kann mit 56 Siegen, 18 Unentschieden und 13 Niederlagen auf eine positive Bilanz blicken. Es übernahm wieder Ottmar Hitzfeld, der ursprünglich nur eine Halbserie bleiben wollte, dann aber doch noch ein Jahr anhängte. Belohnt wurde er dafür mit dem Double in der Saison 2007/08. An seine erste Spielzeit konnte Hitzfeld zwar nicht mehr anschließen, jedoch gelang ihm mit 30 Siegen, zwölf Unentschieden und sieben Niederlagen aus 49 Partien eine beachtenswerte Vorstellung. Mit Jürgen Klinsmann sollten neue Wege eingeschlagen werden. Das Viertelfinal-Aus in der Champions League, ein vorzeitiges Aus im DFB-Pokal und schwache Leistungen in der Meisterschaft waren den Verantwortlichen zu viel. Klinsmann durfte nicht einmal eine ganze Spielzeit bleiben. In 43 Ligaspielen brachte er es auf 54 Punkte. Aufgeschlüsselt durfte er 25mal jubeln, sieben Mal musst er ein Unentschieden hinnehmen und neun Mal ging er als Verlierer vom Platz. Jupp Heynckes sprang als "Feuerwehrmann" ein und erreichte immerhin noch Platz zwei und damit die Qualifikation für die Champions League. Es folgte das Engagement von Louis van Gaal auf der Bayern-Bank. In seiner ersten Saison gewann er mit den Münchnern das Double und führte das Team ins Finale der Königsklasse. Die Folgesaison verlief wenig erfolgreich, nach dem 29. Spieltag wurde er beurlaubt. Seine Bilanz: 162 Punkte aus 96 Spiele. Davon waren 59 Siege, 18 Unentschieden und 17 Niederlagen.

  Bis Saisonende übernahm sein Co-Trainer Andries Jonker. Noch im März 2011 gaben die Bayern die erneute Verpflichtung von Jupp Heynckes bekannt. Unter ihm erreichte man das "Finale dahoam" in der Champions League, unterlag Chelsea unglücklich. In der Meisterschaft hatte Borussia Dortmund zwei Jahre in Folge die Nase vorn. Trotz einer enorm starken Hinrunde in der laufenden Saison gab Trainer Jupp Heynckes jetzt seinen Rückzug mit Saisonende bekannt. Die Bayern sind noch in allen Bewerben vertreten. In dieser Saison hält er mit der Mannschaft bei 21 Siegen von 27 Partien auf nationaler und internationaler Ebene. Nur zwei Mal verließ er als Verlierer den Platz. Ab der Saison 2013/14 wird also Pep Guardiola auf der Bank der Bayern sitzen. Sowohl für den FC Bayern München als auch für die deutsche Bundesliga ist das der große Coup.

Passt der Trainer Pep Guardiola zu den Bayern?
Sportlich ja. Er hat bei Barcelona bewiesen, dass er mit seiner Spielweise erfolgreich und gleichzeitig innovativ sein kann. Er hat aus gut ausgebildeten Fußballern bei Barcelona ein mannschaftliches und taktisches Kollektiv geformt, das Maßstäbe gesetzt hat. Und Heynckes hat bei den Bayern eine Mannschaft aufgebaut, die auf Ballbesitz und Ballzirkulation ausgelegt ist – die Grundlagen des Guardiola-Systems. "Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, den Fußball-Fachmann Pep Guardiola, der von vielen namhaften Klubs umworben und kontaktiert wurde, für den FC Bayern zu gewinnen", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Was erwartet die Stars des "FC Hollywood" Bayern München?
Dass sie alles für das Team und für den gemeinsamen Erfolg geben müssen. Die Herren Robben oder Ribéry werden keine Extrawürste serviert bekommen. Guardiola hat schon andere Kaliber aussortiert: Ronaldinho, Deco, Eto’o und sogar der von ihm geholte Ibrahimovic wurden abserviert.

Was erwartet den Trainer Pep Guardiola bei den Bayern?
Vor allem die Kakophonie der Verantwortlichen. Irgendeiner spricht immer, sei es Rummenigge, sei es Hoeneß oder sei es Sammer. Und wenn alle schweigen, dann sagt Beckenbauer: "Schau, ma mal." Und in sportlichen Dingen gab es in Barcelona keine Diskussionen. Einen Sportchef wie Sammer, der sich in dieser Funktion selbst verwirklichen will, gibt es dort nicht. Bei Barcelona gibt es ein Grundsystem, das den Spielern schon im Kindesalter in der Fußballschule in "La Masia" eingeimpft wird. So sagte ein Guardiola zu Mitspieler Xavi: "Der wird uns beerben." Er meinte dabei den jungen Iniesta.

Señor Barcelona

Josep Guardiola i Sala wurde am 18. Januar 1971 in Santpedor in Katalonien geboren. Mit 15 kam "Pep" zu Barcelona, wo er von 1990 bis 2001 als Profi spielte. Er wurde sechs Mal Meister und einmal Sieger im Meistercup. Nach Ende seiner Karriere wurde er 2007 Trainer von Barcelona B und stieg ein Jahr danach zum Cheftrainer auf. 2008 bis 2012 gewann Barça zwei Mal die Champions League, drei Mal die Meisterschaft.

Josep Guardiola verließ nach 2012 vier Jahren die Trainerbank des FC Barcelona. Der 41-jährige Trainer hatte zuvor bekanntgegeben, den auslaufenden Vertrag bei den Katalanen nicht verlängern zu wollen. Guardiola begann seine Karriere als Fußballspieler im Alter von 13 Jahren in der Jugendakademie des FC Barcelona. Ab der Saison 1990/1991 gehörte Guardiola zum Profikader von Barça und gab als 19-Jähriger sein Debüt in der Primera Division. In 263 Ligaspielen für die Katalanen erzielte Guardiola 6 Toreund holte sechs Mal die spanische Meisterschaft. 1992 gewann er mit Barcelona den Europacup der Landesmeister und 1997 den Europapokal der Pokalsieger. 2001 wechselte der ehemalige Mittelfeldspieler nach Italien zu Brescia Calcio. Nach Stationen bei AS Roma, erneut Brescia Calcio, Al-Ahli SC (Katar) und Dorados de Sinaloa (Mexiko) beendete Guardiola 2006 seine Profi-Karriere. Im spanischen Nationalteam kam Guardiola von 1992-2001 auf 47 Einsätze und erzielte fünf Tore. Mit Spaniens U-23 holte er 1992 Gold bei den Olympischen-Spielen in Barcelona.  Sein Trainer-Debüt gab der gebürtige Katalane in der Saison 2007/2008 bei der zweiten Mannschaft von Barcelona, die er gleich zum Aufstieg in die Segunda Divison B (dritthöchste Spielklasse) führte. Am 8. Mai 2008 wurde Guardiola als Nachfolger für Frank Rijkaard bei den Profis von Barcelona präsentiert. Für Aufsehen sorgte Guardiola bei seinem Amtsantritt als er dem Star-Trio, Ronaldinho, Deco und Samuel Eto’o, mitteilte, dass er nicht mehr mit ihnen plane. Ronaldinho und Deco verließen sofort den Verein, Eto’o wechselte ein Jahr darauf zu Inter Mailand. 2009, 2010 und 2011 durfte sich Guardiola mit Barcelona über den Gewinn der spanischen Meisterschaft und 2009 und 2011 über den Titel in der Champions League freuen. In der Saison 2008/2009 gewann Barça zusätzlich den spanischen Pokal, den spanischen Supercup, den UEFA Supercup und die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft. Somit holte Guardiola in seinem ersten Jahr als Cheftrainer sechs Titel. In seiner letzten Barça-Saison lief es nicht nach Wunsch. Im Halbfinale der Champions League scheiterten die Katalanen an Chelsea. In der Primera Division musste man dem Erzrivalen Real Madrid den Vortritt lassen. Nach einem Sabbatjahr buhlten beinahe alle europäischen Top-Klubs um den Spanier. Den Zuschlag bekam der deutsche Triple-Gewinner FC Bayern München.

Pep Guardiola bei den Bayern

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Rückblick

Klinsmann scheiterte trotz Hype

Vor fünf Jahren. Die Bayern präsentierten stolz den Ex-Teamchef.

Die 80 Fotografen rauften um die besten Plätze vor dem Podium im Konferenzsaal des Münchner Arabella Sheraton Grand Hotel. Die 30 TV-Kameras standen mehr über- als nebeneinander. Viele der 200 Journalisten mussten stehen.

Nein, das alles passierte nicht bei der Präsentation von Josep Guardiola als neuem Bayern-Trainer, sondern vor ziemlich genau fünf Jahren. Damals, am 11. Jänner 2008, wurde Jürgen Klinsmann als Bayern-Coach vorgestellt – ebenfalls sechs Monate, bevor er sein Amt antrat und mit ähnlichen Erwartungen, wie sie jetzt an den Ex-Coach des FC Barcelona geknüpft werden.

"Die Entscheidung, einen unkonventionellen Trainer zu holen, war ein Herzensbedürfnis", meinte Bayern-Boss Uli Hoeneß bei der Präsentation. Doch gerade an dessen Erfolgsansprüchen, die eine konzeptionelle Arbeit unmöglich machen, zerbrach der Konzepttrainer.

Sommermärchen

Der damals 43-jährige Klinsmann, der zuvor für das deutsche Sommermärchen bei der Heim-WM 2006 gesorgt hatte, war zwar mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet worden, der ihm ein Netto-Jahresgehalt von fünf Millionen Euro garantierte. Das Geld bekam er, zwei Jahre ließen ihn die Bayern-Bosse aber nicht arbeiten.

Klinsmann, der die Bayern-Spieler jeden Tag besser machen und den Klub modernisieren wollte, durfte sein auf Langfristigkeit ausgelegtes Konzept nicht durchziehen. Nach einem blamablen Ausscheiden im Champions-League-Viertelfinale gegen den damals von Josep Guardiola betreuten FC Barcelona und einer 1:5-Pleite in der Bundesliga gegen Wolfsburg war am 27. April 2009 Schluss – Klinsmann wurde durch Jupp Heynckes ersetzt.

Video

Der neue Bayern-Coach

(KURIER) Erstellt am

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