Guardiola: Image wichtiger als Geld

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Foto: apa Von Barcelona via New York nach München: Pep Guardiola.

Bayern-Chef Rummenigge verrät, warum sich der Trainer-Star für die Münchner entschieden hat.

Pep Guardiola ist, vielmehr war bist Mittwoch, der wohl begehrteste Trainer der Fußballwelt. Dass Bayern München den Zuschlag erhalten hat, darf durchaus als Überraschung gelten.

"Wir haben ein gutes Image", so erklärt Bayerns Vostand-Chef Karl-Heinz Rummenigge den Coup: "Wenn es exklusiv ums Geld gegangen wäre, hätten wir überhaupt keine Chance gehabt." Dem stimmt auch Guardiolas Berater Jose Maria Orobitg zu: "Es lagen viele Angebote auf dem Tisch. Die Bayern haben aber nicht am meisten Geld geboten. Er hat den Club gewählt aufgrund der Organisation, des Potenzials, das er sieht und die Spieler, die er zur Verfügung hat."

Bei Barcelona zeigt man sich über die Wahl nicht überrascht:  "Bayern ist ein großer Club, der ein sehr stabiles Projekt mit guten Spielern anbieten kann", wusste Barcelonas Sportdirektor Andoni Zubizarreta. Guardiolas ehemaliger Assistent und nunmehriger Chefcoach Tito Vilanova war erfreut: "Er hatte Zeit, sich seine nächste Station auszusuchen. Bayern hat Geschichte, sie haben vier Titel in der Champions League gewonnen, und ihre Trainingseinrichtungen sind fantastisch."

Peps Dilemma

Gerade im Vergleich mit seiner Zeit bei Barcelona zeigt sich aber das Dilemma von Guardiola: Er wird immer an 14 Titel in vier Jahren als Trainer der Katalanen gemessen werden. Bei "Barca" war der ehemalige Mittelfeldstratege mit den Gegebenheiten jedoch bestens vertraut, dort spielte er schon in der Jugendakademie, schaffte den Sprung ins Nationalteam und durchlief auch als Trainer alle Stationen.

Pep Guardiola trainiert ab Sommer den FC Bayern. Seine Vorgänger haben teils große Erfolge vorzuweisen: Vor 20 Jahren in der Saison 1992/'93 hatte Erich Ribbeck das Traineramt beim FC Bayern München inne. In seiner Amtszeit holte er aus insgesamt 65 Meisterschaftsspielen 113 Punkte. Dabei konnte er 31mal den Platz erfolgreich verlassen, 20mal mit einem Unentschieden und 14mal mit einem hängenden Kopf. Er übernahm Anfang 1992 das Amt vom Dänen Sören Lerby und führte die Bayern von Tabellenplatz zehn innerhalb einer Spielzeit auf den zweiten Rang. Ende 1993 war für Ribbeck dann Schluss und Kaiser Franz Beckenbauer setzte sich in den Trainerstuhl. Seine Bilanz in der Meisterschaft: neun Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Das ergibt 29 Punkte. In seiner sechsmonatigen Zeit als Bayern-Trainer holte Beckenbauer den deutschen Meistertitel nach München. Nach dieser erfolgreichen Saison lief Giovanni Trapattoni als neuer Trainer des "FC Hollywood" auf. In mehreren Tranchen holte er von 1994 bis 1998 195 Punkte aus 102 Spielen. Diese beeindruckende Summe ergibt sich aus 54 Siegen, 33 Unentschieden und nur 15 Niederlagen. Seine Trainerkarriere bei den Münchnern wurde 1995 durch das Engagement von Otto Rehhagel unterbrochen. Der Deutsche bestritt 30 Partien in der Liga mit den Bayern, gewann davon 18 Stück und musste bei insgesamt zwölf Partien (vier Unentschieden und acht Niederlagen) einen Punkteverlust hinnehmen. Von 90 möglichen Punkten holte er 58. Nach einer schwachen Saison wurde der 74-Jährige kurz vor dem Europa-Cup-Endspiel gegen Girondins Bordeaux entlassen. Den Titel holt der FC Bayern München nur wenige Tage später mit Franz Beckenbauer. Im Juli 1996 kehrte Trapattoni wieder auf die Bank des Münchner Olympiastadions zurück. Wo er schließlich bis zur Saison 1997/´98 verblieb. In insgesamt drei Saisons brachte er es neben einem Meistertitel auf einen Ligapokal- sowie DFB-Pokal-Gewinn. Von 1998 bis 2004 saß Ottmar Hitzfeld auf der Kommandobrücke des FC Bayern - und das sehr erfolgreich. Vier deutsche Meistertitel, zwei DFB-Pokal-Triumphe, der Champions-League-Sieg 2001 und auch der Weltpokal-Erfolg im selben Jahr machten ihn zur vereinsinternen Trainerlegende. In dieser Zeit brachte es der 50-Jährige auf 317 Meisterschaftsspiele auf der Trainerbank, dabei erreichte er 136 Siege, 41 Unentschieden und 35 Niederlagen. Das ergibt einen Gesamtscore von 425 Punkten. Felix Magath holte mit dem FC Bayern zwei Mal in Folge das Double, was zuvor noch nie einem Verein gelungen war. Nach einem enttäuschenden Herbst 2006 musste er Anfang 2007 gehen. In seiner Ära kassierten die Münchner 186 Punkte aus 87 Spielen ein. Magath kann mit 56 Siegen, 18 Unentschieden und 13 Niederlagen auf eine positive Bilanz blicken. Es übernahm wieder Ottmar Hitzfeld, der ursprünglich nur eine Halbserie bleiben wollte, dann aber doch noch ein Jahr anhängte. Belohnt wurde er dafür mit dem Double in der Saison 2007/08. An seine erste Spielzeit konnte Hitzfeld zwar nicht mehr anschließen, jedoch gelang ihm mit 30 Siegen, zwölf Unentschieden und sieben Niederlagen aus 49 Partien eine beachtenswerte Vorstellung. Mit Jürgen Klinsmann sollten neue Wege eingeschlagen werden. Das Viertelfinal-Aus in der Champions League, ein vorzeitiges Aus im DFB-Pokal und schwache Leistungen in der Meisterschaft waren den Verantwortlichen zu viel. Klinsmann durfte nicht einmal eine ganze Spielzeit bleiben. In 43 Ligaspielen brachte er es auf 54 Punkte. Aufgeschlüsselt durfte er 25mal jubeln, sieben Mal musst er ein Unentschieden hinnehmen und neun Mal ging er als Verlierer vom Platz. Jupp Heynckes sprang als "Feuerwehrmann" ein und erreichte immerhin noch Platz zwei und damit die Qualifikation für die Champions League. Es folgte das Engagement von Louis van Gaal auf der Bayern-Bank. In seiner ersten Saison gewann er mit den Münchnern das Double und führte das Team ins Finale der Königsklasse. Die Folgesaison verlief wenig erfolgreich, nach dem 29. Spieltag wurde er beurlaubt. Seine Bilanz: 162 Punkte aus 96 Spiele. Davon waren 59 Siege, 18 Unentschieden und 17 Niederlagen.

  Bis Saisonende übernahm sein Co-Trainer Andries Jonker. Noch im März 2011 gaben die Bayern die erneute Verpflichtung von Jupp Heynckes bekannt. Unter ihm erreichte man das "Finale dahoam" in der Champions League, unterlag Chelsea unglücklich. In der Meisterschaft hatte Borussia Dortmund zwei Jahre in Folge die Nase vorn. Trotz einer enorm starken Hinrunde in der laufenden Saison gab Trainer Jupp Heynckes jetzt seinen Rückzug mit Saisonende bekannt. Die Bayern sind noch in allen Bewerben vertreten. In dieser Saison hält er mit der Mannschaft bei 21 Siegen von 27 Partien auf nationaler und internationaler Ebene. Nur zwei Mal verließ er als Verlierer den Platz. Ab der Saison 2013/14 wird also Pep Guardiola auf der Bank der Bayern sitzen. Sowohl für den FC Bayern München als auch für die deutsche Bundesliga ist das der große Coup.

In München wird Guardiola deshalb auch seine Flexibilität als Trainer unter Beweis stellen müssen. Barcelona-Spielsystem eins-zu-eins auf den FC Bayern umzulegen scheint aufgrund der unterschiedlichen Spielertypen schwierig. Bayerns Torjäger Mario Gomez ist alles andere als ein Lionel Messi, das von den Katalanen bereits in der Jugend perfektionierte, im Kollektiv betriebene Kurzpassspiel müsste bei Freigeistern wie Franck Ribery oder Arjen Robben ebenso adaptiert werden.

 "Schock-Wechsel erschüttert die Premier League"

Einigermaßen konsterniert reagierte Englands Boulevard-Presse, hatte Guardiola doch Stunden zuvor betont, "in Zukunft" in der Premier League als Coach arbeiten zu wollen.

 "Schock-Wechsel erschüttert die Premier League. Pep's Bayern-Deal überrumpelt City und Chelsea", meinte "The Sun". Das Boulevardblatt wollte noch vor wenigen Tagen exklusiv erfahren haben, dass Guardiola sicher bei Manchester City unterschreibt. Für die "Daily Mail" habe vor allem Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch auf der Suche nach einem Nachfolger für Interimscoach Rafa Benitez "eine ordentliche Abfuhr" erhalten.

Verdienter Abgang

Wie Rummenigge verriet, seien erste konkrete Gespräche mit Guardiola schon vor Weihnachten geführt worden. "Dann haben wir die Gespräche intensiviert und konnten nach Weihnachten Einigkeit erzielen." Guardiola werde "wahrscheinlich" zwei Assistenten mit nach München bringen. Details zum Trainerteam und zu Spielertransfers würden erst in den nächsten Wochen diskutiert.

Die offizielle Vorstellung Guardiolas, der einen Dreijahres-Vertrag unterschrieben hat, wird vermutlich erst im Sommer erfolgen. Vorerst bleibt Bayerns künftiger Trainer in New York, auch um die Arbeit des derzeitigen Coaches Jupp Heynckes nicht zu stören.

Dem Trainer-Routinier, der nach dieser Saison in Rente gehen will, sollen die Bayern-Kicker nach Wunsch Rummenigges einen "verdienten Abgang" bescheren. Rummenigge hatte am Vormittag mit den Spielern gesprochen, von denen er "jetzt erst recht" nach zwei titellosen Saisonen die Meisterschaft forderte.

Pep Guardiola bei den Bayern

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(APA) Erstellt am
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