Dortmunder Zitterpartie mit Happy End

Real gewinnt mit 2:0, der 4:1-Sieg vom Hinspiel schickt aber die Deutschen ins Finale der Champions League.

Es ist vollbracht. Borussia Dortmund steht zum ersten Mal seit 1997 wieder in einem Endspiel der Champions League. Die Deutschen verloren bei Real Madrid 0:2, zitterten sich am Ende aber in der Addition der beiden Halbfinal-Spiele mit einem 4:3 ins Finale. Es war nichts für schwache Nerven. Gelingt am Mittwoch den Bayern der Aufstieg bei Barcelona, ist ein gänzlich deutsches Endspiel am 25. Mai in London perfekt.

Ein 1:4 galt es für die Königlichen aufzuholen aus dem Hinspiel, ein 3:0 musste somit her, um doch noch mit einem Fußball-Wunder in das Endspiel einzuziehen. Daher stürmte Real los. Die Spanier wirbelten Dortmund wie ein Tornado durcheinander und hatte in den ersten 15 Minuten vier Großchancen: Higuain, Ronaldo, Ronaldo, Özil.

Allesamt verjuxten sie ihre Möglichkeiten und die Chance, Dortmund tatsächlich noch ins Wanken zu bringen. Noch dazu, wo der Dortmunder Spielmacher Götze nach wenigen Minuten mit einer Oberschenkelverletzung dem Spiel den Rücken kehrte. Er erspart sich am Wochenende in der Liga wohl das Duell mit seinem künftigen Arbeitgeber Bayern München. Pikant.

Die Effizienz ließ bei Real zu wünschen übrig, nichts wurde es aus der erhofften frühen Führung. Nach 20 turbulenten Minuten verzog sich der Tornado, ohne wirklich einen Schaden in der Dortmunder Abwehr hinterlassen zu haben. Die Borussia bekam endlich wieder Luft, das Geschehen halbwegs in den Griff. Real wirkte, als hätte es das Pulver schon verschossen. Das Spiel der Spanier wurde ungenauer, dafür umso härter. Erste Anzeichen von Frustration waren in manchen Zweikämpfen zu erkennen. Vor allem Sergio Ramos bearbeitete mit seinen Ellenbogen immer wieder das Gesicht von Stürmer Lewandowski. Dortmund ließ sich aber nicht aus der Ruhe und dem Konzept bringen, wartete geduldig auf Kontermöglichkeiten.

Konter-Chancen

Nach dem Wechsel versuchte Real ein ähnliches Bild wie zu Beginn der Partie zu zeichnen. Man bemühte sich um Überlegenheit, allein die Torgefahr strahlte man nicht mehr so aus, weil Dortmund in der Verteidigung nicht mehr die Ordnung verlor. Die Zeit verstrich. Die Hoffnung schwand bei Real, die Sicherheit stieg bei Dortmund.

Der entthronte deutsche Meister hätte in der 50. Minute die Angelegenheit endgültig entscheiden können: Reus spielte in einem Konter Lewandowski frei. Der Torjäger, im Hinspiel noch vier Mal erfolgreich, knallte den Ball aber an die Latte.

Als alles auf ein 0:0 hindeutete, wurde es in den letzten zehn Minuten noch spannend. Zunächst traf Benzema zum 1:0 für Real, dann legte Sergio Ramos aus kurzer Distanz in der 88. Minute zum 2:0 nach. Real warf alles nach vorne, machte Druck, Dortmund begann plötzlich wieder zu wanken. Das Spiel endete, wie es begonnen hatte: Mit einem Sturmlauf von Real Madrid, der am Ende aber nicht belohnt wurde. Am Ende feierten 10.000 Dortmund-Fans im 80.000-Stadion.
Real Madrid - Borussia Dortmund 2:0 (0:0)

Estadio Santiago Bernabeu, 80.350 Zuschauer (ausverkauft), SR Howard Webb (ENG).


Torfolge: 1:0 (83.) Benzema
2:0 (88.) Ramos

Real: Lopez - Essien, Varane, Ramos, Coentrao (57. Kaka) - Modric, Xabi Alonso (67. Khedira) - Di Maria, Özil, C. Ronaldo - Higuain (57. Benzema)

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, S. Bender (91. Santana) - Blaszczykowski, Götze (14. Großkreutz), Reus - Lewandowski (87. Kehl)

Gelbe Karten: Coentrao, Higuain, Ramos, Khedira bzw. Gündogan, S. Bender, Weidenfeller

Die Besten: Ramos, Modric, Benzema bzw. Hummels, Piszczek

Hinspiel 1:4 - Dortmund mit Gesamtscore 4:3 im Finale am 25. Mai in London (Wembley-Stadion)

Zweites Halbfinal-Rückspiel (Mittwoch, 20.45 Uhr/live Puls 4, ZDF und SRF zwei): FC Barcelona - Bayern München (Hinspiel 0:4)

Jürgen Klopp (Dortmund-Trainer): "Das war hinten heraus ein bisschen eng. Wir haben Riesenchancen gehabt aus dem Konter. Dass Real so hart und aggressiv draufgehen würde, war klar. Nach 20-25 Minuten hat sich das Ganze ein bisschen beruhigt. Wenn wir nach der Pause ein Ding machen, ist die Sache gegessen. So ist es noch einmal ein bisschen eng geworden, aber Borussia Dortmund gibt es nur 'all inclusive'. Real Madrid kann schon ein bisschen Ballspielen, das haben sie heute gezeigt. Wir werden diese Situation genießen. Das ist außergewöhnlich und großartig."

Jose Mourinho (Real-Trainer): "Wir sind ausgeschieden. Mein Team hat ein großes Spiel gemacht und alles gegeben. Irgendwann haben wir aber den Schlüssel zum Spiel verloren. Es hat eine wichtige Entscheidung gegeben, die ich nicht verstehe - dass Mats Hummels nach seinem Handspiel (70.) nicht ausgeschlossen worden ist. Ich werde erst nach Saisonende über meine Zukunft sprechen. Das hängt von mir ab, nur von mir. Das wird alles in Ruhe passieren."

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