Letztes Update am 09.05.2012, 12:36
Boykott: Sport im Schatten der Politik.
Der Umgang mit Julia Timoschenko erhitzt vor der EURO die Gemüter. Sport-Ereignisse wurden schon mehrmals boykottiert.
Die Debatte um die inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko überschattet die im Juni anstehende Fußball-Europameisterschaft, die von der Ukraine und Polen gemeinsam ausgerichtet wird.
Der Westen hält die Inhaftierung der früheren Regierungschefin für politisch motiviert. Timoschenko leidet an einem Bandscheibenvorfall, beklagt Misshandlungen in der Haft und demonstriert mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen.
Angesichts des Umgangs mit Timoschenko werden die Forderungen nach einem politischen Boykott der EM-Spiele in der Ukraine immer lauter. Große Sportveranstaltungen wurden in der Geschichte immer wieder von politischen Auseinandersetzungen und Konflikten überlagert und teilweise auch boykottiert.
1972: Olympische Spiele in München
Die Debatte um die Apartheid in Südafrika und Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, dominiert die Spiele im Vorfeld. Beide Länder werden wegen der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) von den Spielen ausgeschlossen. Überschattet werden die Spiele von einem Anschlag: Ein palästinensisches Kommando überfällt israelische Sportler, eine Befreiungsaktion nach 30 Stunden Geiselnahme scheitert - elf Israelis und ein deutscher Polizist sterben.
1978: Fußball-WM in Argentinien
Das Land wird von einer Militärjunta regiert, Oppositionelle werden gefoltert und ermordet - die Ausrichtung der WM in dem südamerikanischen Land sorgt teilweise für heftige Kritik. Es nehmen aber alle 16 qualifizierten Teams teil, darunter auch Österreich.
1980: Olympische Spiele in Moskau
Die USA und 61 weitere Staaten boykottieren die Spiele, um gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan zu protestieren. Auch die Bundesrepublik Deutschland bleibt den Spielen fern. Österreich nimmt hingegen teil.
1984: Olympische Spiele in Los Angeles
Vier Jahre später folgt die Retourkutsche: Die UdSSR, die DDR und zahlreiche weitere Länder des Ostblocks boykottieren Olympia in den USA. Sie wenden sich damit gegen die ihrer Meinung nach "chauvinistischen Gefühle" in den USA und die "anti-sowjetische Hysterie".
2008: Olympische Spiele in Peking
Wegen der Menschenrechtslage in China und der Niederschlagung der Proteste von Tibetern sagen zahlreiche westliche Politiker ihre Teilnahme ab.
2012: Fußball-EM in der Ukraine
Wegen der Situation Timoschenkos wird vor allem in Deutschland laut ein EM-Boykott von Politikern diskutiert. Die gesamte EU-Kommission stimmte inzwischen dafür, der EM fernzubleiben.
2014: Geplante Eishockey-WM in Weißrussland
Gegen die geplanten Spiele in dem mit harter Hand durch Präsident Alexander Lukaschenko regierten Staat formiert sich in Deutschland zunehmend Widerstand. Im Bundestag wird laut Medienberichten bereits fraktionsübergreifend an Anträgen gearbeitet, mit denen die Ausrichtung verurteilt werden soll.
(kurier/jom)
Erstellt am 09.05.2012, 12:16