Olympia-Skandal: "Austria is a too small country"

Schroecksnadel and Gandler of the Austrian Skiing
Foto: REUTERS/MICHAEL LECKEL Die Protagonisten: Schröcksnadel (während seiner unglücklichen Pressekonferenz 2009) und Gandler wurden  freigesprochen

Vor exakt zehn Jahren erschütterte der Dopingfall von Turin die Sportwelt.


"Austria is a too small country to make good doping." Das ist so einer der Sätze, der bei Sportinteressierten in Österreich zwangsläufig zu einem Aha-Erlebnis führt. Es war zum Narrischwerd’n, was am 18. Februar 2006 während der Olympischen Winterspiele in Turin passiert ist: Mitten in der Nacht stürmten Carabinieri das Privatquartier der österreichischen Langläufer in Pragelato und jener der Biathleten in San Sicario. Sportler wurden nach Sestriere zu Dopingtests mitgenommen, und es wurden Geräte und Substanzen beschlagnahmt, mit denen Blutdoping betrieben werden konnte.

pdf xxsknmsajfnljsdfnlkjsrgf… Foto: /Privat Was wurde aus den Protagonisten des größten Doping-Skandals der österreichischen Sportgeschichte?

Peter Schröcksnadel: Der ÖSV-Präsident blamiert sich am 22. Februar bei der internationalen Pressekonferenz vor 200 Journalisten in Sestriere mit "too small". Doch der mächtige Tiroler Funktionär übersteht die Affäre ohne Folgeschäden. Beim Prozess in Susa (Beginn Oktober 2009, Ende Juli 2012) wird er freigesprochen.

Markus Gandler: Einen Freispruch gibt es auch für Sportdirektor Markus Gandler und Sportmediziner Peter Baumgartl. Gandler ist weiterhin Sportdirektor der Langläufer, die mit Johannes Dürr im Februar 2014 einen Dopingfall bei Olympia in Sotschi abliefern.

Heinz Jungwirth: In den Tagen nach der Affäre eskaliert der Konflikt zwischen Schröcksnadel und dem mächtigen ÖOC-General Heinz Jungwirth. 2009 muss Jungwirth wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten gehen, 2013 wird er wegen Untreue (3,3 Mio. Euro) zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er sitzt noch immer im Gefängnis.

AUTOUNFALL WALTER MAYER Foto: APA/Gert Eggenberger Mayer krachte in eine Straßensperre. Walter Mayer: Schon im Jahr 2002 werden bei den Spielen in Salt Lake City im ÖSV-Quartier Geräte für die Durchführung von Bluttransfusionen gefunden. Das IOC sperrt Walter Mayer, den Rennsportdirektor für Langlauf und Biathlon, bis 2010 für Olympische Spiele. Doch in Turin taucht Mayer "als Privatperson" wieder auf. Mayer verlässt Pragelato fluchtartig und wird am 19. Februar von der Polizei in Paternion in Kärnten in seinem Auto schlafend aufgefunden. Er widersetzt sich – stark alkoholisiert – der Kontrolle, flüchtet und kracht in eine Straßensperre. Ihm wird vorgeworfen, EPO bezogen und weitergegeben sowie Doping organisiert zu haben. Er sitzt zwischen März und April 2009 fünf Wochen in Untersuchungshaft und wird danach zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Damit verliert er seinen Anspruch auf die Beamtenpension. Von der österreichischen Anti-Doping-Rechtskommission wird Mayer, 58, lebenslang gesperrt.

Stefan Matschiner: Auch der umstrittene Sportmanager ist "als Privatperson" in Turin. Der ehemalige Leichtathlet kümmert sich u. a. um die Dopingpraktiken der Radprofis Bernhard Kohl und Michael Rasmussen (DEN) und wird laut Mayer Kontaktmann für Sportler zu Humanplasma. Als das Wiener Labor nach dem Turin-Skandal aussteigt, übernimmt Matschiner die Geräte. Er wird zu 15 Monaten teilbedingter Haft verurteilt. Matschiner zieht sich anschließend komplett aus dem Sport zurück. Er schreibt ein Buch über Doping, arbeitet zwischenzeitlich als Kellner und aktuell bei einer Marketingagentur.

PERNER BEI DOPING RAZZIA/TV CRAP Foto: APA/ORF Das Olympia-Quartier der Langläufer (Perner) und Biathleten wurde durchsucht. Die Athleten: Alle in Turin durchgeführten Dopingtests bringen negative Ergebnisse. Doch bei Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann findet man Verbotenes. Sie werden vom ÖSV ausgeschlossen und 2012 zu bedingten Haft- und unbedingten Geldstrafen verurteilt. Langlauftrainer Emil Hoch wird von der WADA als Doping-Unterstützer bis 2023 gesperrt. Die Langläufer Martin Tauber, Johannes Eder und Roland Diethart werden von der FIS für je zwei Jahre gesperrt, Jürgen Pinter vom obersten Sportgericht für vier Jahre. Tauber und Pinter werden 2012 freigesprochen.

(kurier) Erstellt am
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