Die Profiteure des gnadenlosen DDR-Systems
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Im wiedervereinten Deutschland gab es für viele DDR-Trainer keinen Job mehr, in Österreich wurden sie freundlich aufgenommen.
Der DDR-Dopingchef: Manfred Ewald beim Prozess 1998.
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Betreff: Staatsdoping. Im Jahr 1998 wurde diesem System der Prozess gemacht. Einige der Angeklagten mussten sich auch noch in einem zweiten Verfahren verantworten: Wegen ihrer Verbrechen als Stasi-Mitarbeiter.
Im deutschen Sport-Prozess des Jahrhunderts spielten sich Szenen von makaberer Skurrilität ab. So schimpfte eine breitschultrige Walküre mit tiefer Stimme: "Wir sind missbraucht und vergessen worden!" Mit dem Finger zeigte sie auf ein schmächtiges Männchen auf der anderen Seite des Saals. Manfred Ewald saß im Schatten seines Anwalts, lächelte milde und strich über seinen Scheitel, der einer Bügelfalte glich.
Mitten unter den vielen großen und breitschultrigen Frauen, die teilweise schon als Zehnjährige mit Turinabol, einer synthetischen Testosteron-Nachbildung, gemästet worden waren, saß ein Mann. Andreas Krieger, vom Richter versehentlich als "Nebenklägerin" bezeichnet. Ein Freud'scher Versprecher. Herr Krieger hieß einst Heidi, stieß bei der EM 1986 die Kugel weiter als alle anderen ... als alle anderen Frauen. Die Hormone hatten das Gleichgewicht zwischen Seele und Körper durcheinandergewirbelt. Krieger unterzog sich einer Geschlechtsumwandlung.
Propagandamittel Sport
Knapp 200 Goldmedaillen wurden in der Ära Ewald für DDR-Athleten geschmiedet. Er war das politische Erfüllungsorgan eines Propagandamittels namens Sport. Manfred Höppner war jener Sportmediziner, der dieses System der Menschenverachtung zur erfolgreichsten Medaillenfabrik der Sportgeschichte machte.
Am Ende dieses Prozesses standen Verurteilungen, Berufsverbote und öffentliche Bloßstellungen. Teilweise auch Entschädigungen für die Opfer, sofern überhaupt möglich. Moralische Aufarbeitung? Sehr beschränkt. Das IOC ignoriert die unzweifelhaften Erkenntnisse des Doping-Prozesses sogar in seiner peniblen Medaillenstatistik bis heute hartnäckig.
In Deutschland war zwar das mediale Echo gewaltig, doch siegte auch dort das Schwamm-drüber-Denken.
Gastfreundschaft
Und in Österreich? Dort wurde ein Ex-DDR-Experte nach dem anderen gastfreundlich verwöhnt: Trainer aus allen möglichen Disziplinen, Sportmediziner und Leistungsdiagnostiker. Auch Männer, die im vereinten Deutschland durch Staatsdoping und teilweise als Informelle Mitarbeiter (IM) der Stasi jede moralische, ja sogar legitime Arbeitsberechtigung verwirkt hatten. Der schlimmste Albtraum dieser Leute wurde unverhofft zum Alpentraum.
Lassen wir als Entschuldigung gelten, dass Austria eben a too small country for good doping ist? Oder erklären wir ernsthaft, dass wir armen Ösis von Stasi und Doping nur aus unseriösen Quellen von jenseits einer unumstößlichen Mauer gehört hatten?
Statt sich den dazu passenden Lachkrampf zu verkneifen, sollten wir zwanzig Jahre nach dem Fall dieser Mauer wohl zumindest ein paar jener Medaillen, die buchstäblich auf dem Mist von DDR-Experten gewachsen sind, zurückschicken.
So viele waren's ja gar nicht: Vielleicht reicht schon so ein Sackerl fürs Hunde-Gackerl, damit auch beim IOC nachgedacht wird.
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