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Die Profiteure des gnadenlosen DDR-Systems

Zum zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls: Wie der Sport in Österreich vom Zerfall der DDR bis in die Gegenwart zehrt.

Österreichs ehemalige Spitzenruderer Rantasa und Sigl. Österreichs ehemalige Top-Ruderer Rantasa und Siegl wurden mit DDR-Know-How zur Spitze geführt, DruckenSendenLeserbrief
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Erfolg um jeden Preis. Siege, um an internationalem Ansehen zu gewinnen. Medaillen, um das Selbstbewusstsein der Bürger zu heben und die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren.

Der Sport in der DDR wurde intensiv gefördert, vor allem die olympischen Sportarten standen im Fokus. Sogar der Schulsport wurde durch militärische Organisation so gestaltet, dass die Talentsichtung im Vordergrund stand.

1989, als dem System das Geld bereits ausging, arbeiteten noch immer 1800 Trainer und 2000 Mediziner im Spitzenbereich. Der Politik war der DDR-Sport 400 Millionen Ostmark wert.

In den Klubs der Armeesportvereinigung und der Sportvereinigung Dynamo trainierten Spitzensportler unter Profi-Bedingungen - auch was die medizinische Betreuung betrifft.

Die dunklen Details darüber wurden erst nach dem Zusammenbruch der DDR publik: Die Stasi-Verstrickungen von Sportlern, Trainern und Funktionären; das staatlich organisierte Doping.

Dokumentiert in Dutzenden Enthüllungsgeschichten und Abschlussberichten von Sonderkommissionen, die nach der Wiedervereinigung gegründet worden waren. Besonders häufig wurde das Anabolikum Oral-Turinabol eingesetzt. Trotzdem fiel die DDR bei Kontrollen nicht häufiger auf als andere Länder.

Erfolg

Die Rechnung ging auf, die speziell geförderten Leistungssportler der DDR gewannen in Relation zur Bevölkerungszahl überproportional viele Medaillen. 768 Weltmeister und 747 Europameister kamen aus Ostdeutschland, 192 Olympia-Goldmedaillen holte die DDR. Allein bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul gewann die DDR 102 Medaillen. Die BRD holte vergleichsweise mäßige 40 Stück. Und ganz Österreich jubelte über eine Medaille: Gold von Judoka Peter Seisenbacher.

Mit dem Fall der Mauer vor zwanzig Jahren prallten zwei Sportsysteme aufeinander, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: Der auf Leistung ausgerichtete DDR-Staatssport und das massentaugliche Breitensportsystem im Westen. Was lag also näher, als die DDR-Fachleute nach Österreich zu holen? Auch der heimische Spitzensport sollte vom Wissen des zusammengebrochenen Staates profitieren.


Koryphäe

apa Bernd Pansold war jahrelang für den ÖSV tätig.So wurde etwa Bernd Pansold nach Österreich gelotst. Am Olympiastützpunkt Obertauern betreute der bekannte Leistungsdiagnostiker ÖSV-Athleten und war in eindrucksvoller Weise für die Fitness von Hermann Maier verantwortlich. Ende 1998 wurde Pansold zu einer Geldstrafe von 7200 Euro verurteilt, unter anderem, weil er Minderjährigen Dopingmittel gegeben hatte.

Viele Jahre lang war er Mitglied der DDR-Forschungsgruppe "Zulei" (Zusätzliche Leistungsreserven), 18 Jahre lang Informeller Mitarbeiter der Stasi. Als der ÖSV den Olympiastützpunkt Obertauern übernahm, wurde Pansold nicht weiterbeschäftigt.

Doch ein Energy-Drink-Hersteller wollte auf dessen Dienste nicht verzichten und machte ihn zum Leiter des Leistungsdiagnostik- und Trainingszentrums in Thalgau bei Salzburg. Dort werden heute im Namen der Dose Hunderte Sportler betreut; Fußballer, Eishockeyspieler, Motor- und Extremsportler.

Medaillen

reuters Olaf Marschall wechselte von Lok Leipzig zur Admira.Der ehemalige Leipziger Sportmediziner Helmut Stechemesser kümmerte sich um die derzeit gesperrte Langstreckenläuferin Susanne Pumper und um Stephanie Graf. Die 800-Meter-Läuferin gewann bei den Sommerspielen 2000 in Sydney Silber.

Auch die Ruderer, deren Bilanz in den olympischen Klassen vor dem Mauerfall mäßig war, erlebten einen Aufschwung. Mit Hans Eckstein kam der Erfolg. Er wurde ÖRV-Cheftrainer und führte Rantasa/Schmölzer, Faderbauer, Siegl und andere in die Weltklasse. Höhepunkt war Olympia-Silber von Jonke/Zerbst in Barcelona 1992. Vier Jahre später sorgte Vera Lischka für eine Schwimmsensation: In Atlanta wurde sie über 100 Meter Brust Fünfte.

Trainiert wurde sie - erraten - von einem Mann aus der DDR: Rolf Gläser. Wie Pansold wurde auch er im deutschen Pilotprozess um Doping 1998 zu einer Geldstrafe verurteilt - und verlor danach seinen Job als Schwimm-Landestrainer von Oberösterreich.

Erster DDR-Fußballer in Österreich war Olaf Marschall. 1990 wechselte der damals 24-jährige Teamstürmer von Lok Leipzig zu Admira Wacker. In 97 Liga-Spielen traf er 40-mal für die Südstädter. Auch Carsten Jancker kickte noch in Ostdeutschland, etwa bei Hansa Rostock. Mit Rapid erreichte er 1996 das Finale im Cup der Cupsieger, seit 2007 stürmt er für Mattersburg.

Artikel vom 10.11.2009 22:43 | KURIER | Florian Plavec, Manfred Polt, Philipp Albrechtsberger


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