Königsparaden, Nebelwald und Lichterrausch

Die Stadt im Norden Thailands lockt mit einem gigantischen Lichterfest, viel Kultur und Ausflügen ins grüne Hinterland.

Thailand bedeutet für viele österreichische Besucher großartige Strände, Palmen und Meer. Das südostasiatische Land bietet aber auch jede Menge Naturwunder, ein reiches kulturelles Erbe und verborgene Juwelen abseits der abgetretenen Touristenpfade. Eines dieser Juwelen ist die Stadt Chiang Mai und ihre Umgebung im Norden Thailands. Zu einer bestimmten Zeit im Jahr bietet Chiang Mai ein besonderes Spektakel. Wer sich in der Vollmondnacht des 12. Monats im traditionellen thailändischen Mondkalender vor Ort befindet, sieht einen leuchtenden Himmel mit Tausenden Papierlaternen, schwimmende Lichter auf jeder Wasserfläche, Feuerwerk, Musikbands und buntes Treiben auf den Straßen. Das Fest nennt sich Loy Krathong. Das größte Spektakel des Jahres findet laut gregorianischem Kalender im November statt. „Loy“ bedeutet „schwimmen“, bei einem „Krathong“ handelt es sich um ein kranzförmiges Geflecht aus Bananenblättern, mit Blüten, Kerzen und meist einer kleinen Münze darauf. Indem man solch ein Loy Krathong auf dem Wasser aussetzt, schickt man der mythologischen Bedeutung nach alle schlechten Gedanken von sich fort. Während Loy Krathong in ganz Thailand gefeiert wird, kommt in Chiang Mai noch eine Komponente dazu: Die Stadt war vom 13. bis zum 18. Jahrhundert Sitz des Lanna-Königreichs. Ein Mal im Jahr fand das Yi-Peng-Fest statt, bei dem man Papierlaternen steigen ließ, um gutes Karma zu gewinnen. Loy Krathong und Yi Peng finden am selben Tag statt und Chiang Mai ist der Brennpunkt dafür. Wer mitfeiern will, kann sich in die Menge stürzen und selber Ballons und Krathongs starten, oder sich das Geschehen von einem der großen Restaurants direkt am Fluss ansehen. Anreisen sollte man rechtzeitig, da der Flughafen der Stadt aufgrund der herumtreibenden Papierlaternen während der Feiern nur begrenzt in Betrieb ist. Die Region hat für Besucher aber auch abgesehen vom gigantischen Lichterfest einiges zu bieten. Ein sehenswertes Ausflugsziel im Umland von Chiang Mai ist der Doi Inthanon, mit 2565 Metern Thailands höchster Berg. Auf dem gut ausgebauten Kew Mae Pan Naturlehrpfad kann man den mystischen Nebelwald erkunden, durch „halb-alpine“ Wiesen streifen mit etwas Glück sogar Bergziegen sehen. Weiter unten am Berghang kommt man an zwei riesigen Pagoden vorbei, die sich auf zwei kleinen Anhöhen gegenüberstehen. Errichtet wurden sie anlässlich des jeweils 50. Geburtstages des thailändischen Königs und seiner Frau. Die gepflegten Gärten rund um die zwei imposanten Gebäude laden zum Urlaubsbilder-Shooting ein. Am Fuße des Berges macht der große Wachirathan Wasserfall jedes Kameraobjektiv mit Sprühnebel nass. Für den Adrenalinkick zwischendurch besucht man ZipLine Chiang Mai, einen riesigen Seilgarten im Wald, bei dem man auf Stahlkabeln von Baum zu Baum saust. Aufrecht in der Klettermontur hängend oder „upside down“ bewältigt man Dutzende Traversen, teilweise an Felswänden vorbei oder hoch über einem Fluss. Spannend und unterhaltsam ist ein Besuch auf der Patara Elephant Farm, die sich durch ein besonders inniges Erlebnis mit den Dickhäutern auszeichnet. Wer dort für einen Tag zum Elefantenbesitzer wird, wird von A bis Z in die Geheimnisse der Pflege und des Umgangs mit den Tieren eingeweiht. Um die Theorie in die Praxis umzusetzen, müssen die frisch gebackenen Elefantenbesitzer auch gleich selbst Hand anlegen, das Tier füttern und putzen. Wer genügend Vertrauen gefasst hat, plantscht schon nach wenigen Stunden mit seinem Elefant im Wasser. Mit rund 150 Euro ist dieses Tagesprogramm nicht ganz billig, dafür unterstützt man damit die Bemühungen, die dezimierte Elefantenpopulation von Thailand wieder aufzustocken. Unterstützen kann man aber auch die Children’s Shelter Foundation, ein Wohltätigkeitsprojekt für Waisenkinder, das eine Farm außerhalb von Chiang Mai und ein Hotel in der Stadt betreibt. Auf der Farm erhalten die Kinder mehrsprachigen Schulunterricht durch freiwillige Helfer aus aller Welt und wachsen in einer idyllischen Umgebung auf. Im Hotel können sie später eine Berufsausbildung beginnen. Auf der Farm und im Hotel „Joy’s House“, das nach einer der Gründerinnen des Projekts benannt ist, sind Gäste willkommen und können jeglichen Komfort eines kommerziellen Betriebs erwarten. Chiang Mai ist mit rund einer Million Einwohner die zweitgrößte Stadt Thailands und bietet vielfältige Unterhaltungsmöglichkeiten, unter anderem jede Menge Clubs und Karaoke-Bars. Zu spätem Shopping lädt der Night Market ein. Ein Highlight, das man auf keinen Fall verpassen sollte, ist der Doi Suthep, ein großer Tempel auf einem Hügel im Westen der Stadt. Der innere Tempelteil ist vollständig mit Gold überzogen und mit betenden Mönchen bevölkert. Bei Nacht herrscht eine besonders funkelnde Atmosphäre. Von einer Terrasse aus leuchtet einem ganz Chiang Mai entgegen.
(KURIER) Erstellt am
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