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Daniela Kittner

Die stv. Innenpolitik-Ressortleiterin und Kolumnistin der "Politik von innen" lernte den Journalismus im KURIER. Seit 1993 ist sie fix da.

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Journalistenkinder wachsen meist etwas anders auf als ihre Freunde: So auch Simon, der elfjährige Sohn von Daniela Kittner.

Schon im Kindergartenalter können sie die Namen von mindestens neun Regierungsmitgliedern ebenso flüssig hersagen wie die anderen den Bi-Ba-Butzemann, und an die Sprechpause während der Fernsehnachrichten halten sie sich andachtsvoll. Schon während der Volksschulzeit wurden sie mitunter dabei ertappt, wie sie selbst durch die Politikseiten des Teletextes surfen. Als Elfjährige kommentieren sie den Bawag-Skandal zartbitter. Bei Spekulationen über den Wahlausgang halten sie frech mit.

Später dann, mit 18 oder 19, sind sie wahrscheinlich tolle Sparringpartner in Diskussionen, die, wie man hört, für die Eltern nicht selten schmerzhaft verlaufen: Man erzählt von linken Haushalten, deren Sprösslinge zackig ihren Übertritt in eine schlagende Burschenschaft durchargumentierten, während sich Söhne aus tiefkatholischen Elternhäusern unter Verlesen einschlägiger Parolen dem Maoismus hingaben.

Aber wer denkt schon an diese Furcht erregenden Möglichkeiten angesichts der wohltuenden Entschleunigung, die Kinder ihren Journalisten-Eltern verordnen, wenn die, endlich dem Schleudergang des Redaktionsalltags entkommen, ins stille Heim wanken?

Schach etwa entschleunigt total. Langsamer geht’s fast nicht. Und doch: Sind da nicht auch schon wieder all diese Fähigkeiten und Fertigkeiten gefragt, die man aus Innenpolitik und Journalismus – die beiden Fächer sind ja verschwägert– so gut kennt? Geduld und Sitzfleisch, die Fähigkeit, ein paar Züge vorauszudenken, ein vertretbares Maß an Aggressivität, Hartnäckigkeit im Verfolgen der Ziele – das alles macht gute Politiker ebenso aus wie gute Journalisten.

Wie ja überhaupt Spiele ein tolles Training für das Erfassen der oft so komplexen Wirklichkeit sein können. Man nehme etwa den schon zitierten Bawag-Skandal mit seinem fast unüberschaubaren Gewirr von Konten und Briefkästen, Scheinfirmen und Scheinheiligkeiten. Ist da nicht ein Puzzle ein taugliches Trainingsgerät, bei dem sich die Teile ja auch erst nach einer Weile trefflich in einander fügen? Oder kennen Sie das Spiel Jenga? Dabei werden Holzklötzchen so lange kunstvoll aufeinander gestapelt, bis das fragile Gebäude endlich unter Getöse in sich zusammenstürzt. Klingt doch ein wenig nach Politik, oder? In Zeiten von Wahlen und Koalitionsspekulationen erscheint das beliebte Spiel "Uno" besonders reizvoll, bei dem die Farbkombinationen stimmen müssen. Zuletzt bleibt einer belämmert übrig.Und schon wegen des vielsagenden Titels sollte man ein Spiel auf keinen Fall vergessen: "Mensch ärgere Dich nicht".

Also schon wieder bloß Job und Politik? Nein, keineswegs. Zuhause ist es anders. Da lässt sich Daniela Kittner wirklich gerne täuschen. Und sogar matt setzen.

Artikel vom 10.12.2007 17:51 | Kurier |