Das Gefühl, begehrt zu werden

Aglaia Szyszkowitz
Foto: KURIER/Jeff Mangione Für die Romy nominiert: Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz

Aglaia Szyszkowitz über "Seitensprung mit Freunden", das Alter und Frauenrollen.

In der Ehe zwischen Paul (Samuel Finzi) und Julia (Aglaia Szyszkowitz) ist die Luft draußen. Bei deren besten Freunden Vanessa (Caroline Peters) und Marc (Fritz Karl) scheint es hingegen immer noch zu prickeln. Deren Geheimnis: Sie praktizieren Partnertausch. Um wieder Schwung in die Beziehung zu bringen, ist dem auch Julia nicht abgeneigt, während sich Paul nur sehr zögerlich auf einen Versuch mit Vanessa und Marc einlässt.

Seitensprung mit Freunden Foto: ARD Degeto/Stefan Erhard In der Folge entwickelt sich die Komödie "Seitensprung mit Freunden" (20.15, ARD) zum Spiel mit dem Feuer, bei dem es um mehr geht als den humorvoll bis ernsthaft abgehandelten Tausch-Sex: Um Vertrauen, Verrat, Freundschaft und Treue und um das "Ich will wieder begehrt werden", wie Szyszkowitz zu Film-Mann Samuel Finzi sagt.

Ein Problem

"Die Szene war, so wie es ursprünglich geschrieben war, schwierig, und deshalb haben wir dann diesen Satz hineingenommen. Denn genau das ist der Punkt, wenn man viele Jahre mit einem Partner zusammen ist. Dann ist nicht immer noch alles toll und sexy. Aber man braucht das Gefühl, begehrt zu werden. Da sitzen alle im gleichen Boot, die eine längere Beziehung haben", sagt Szyszkowitz, die seit mehr als 20 Jahren verheiratet ist. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Man sollte es sich mit einem befreundeten Paar auf dem Sofa gemütlich machen, ein Glas Wein trinken und den Film auf sich wirken lassen."

Viele Ideen

Die Dreharbeiten waren für die ROMY-Nominierte speziell – denn einer ihrer Söhne machte ausgerechnet dabei ein Schulpraktikum. "Er hat den Fritz Karl genau beobachtet und nachgefragt, weil er gemerkt hat, wie gut wir zusammenspielen", schmunzelt sie. "Wir sind ja schon seit Jahren befreundet." Mit Karl, der sich hier nach korrupten Polizisten ("Zum Sterben zu früh") und kaputten Ärzten ("Spuren des Bösen") wieder einmal von der charmanteren Seite zeigen darf, plant Szyszkowitz ein Projekt. Wie sie überhaupt vor Ideen übersprudelt. Das muss man als Frau von 48 in dieser Branche offenkundig auch. "Es gibt ab einem gewissen Alter viel mehr gute Männer-Rollen. Die Frauen stehen nicht so im Fokus. Da muss man schon mal selbst mit Ideen und Stoffen kommen."

Aglaia Szyszkowitz Foto: KURIER/Jeff Mangione

Sie selbst habe, sagt Szyszkowitz, kein Problem mit ihrem Alter. "Ich habe nun einmal die Falten, die ich habe. Ich versuche auch nicht, jünger zu spielen oder zu wirken, als ich bin. Und ich glaube, dass das Publikum diese Authentizität spürt, darauf reagiert und es mag."

Schmäh

Obwohl seit vielen Jahren in Deutschland lebend und arbeitend, zieht es die gebürtige Grazerin nun offenbar stärker nach Österreich. Im Vorjahr brillierte sie an den Kammerspielen in Glattauers "Wunderübung" – "so etwas würde ich sofort wieder machen." Und es gab den quotenstarken Österreich-"Tatort" mit ihr in einer Hauptrolle. Der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich? "Das Arbeitsklima ist hier anders. Die Österreicher haben einfach - größtenteils - einen tollen Humor und die wunderbare Fähigkeit, über sich selbst zu lachen." Gern würde sie einmal etwas Historisches in Österreich drehen. "Aber ich wünsch’ mir nicht so sehr bestimmte Rollen als mit bestimmten Personen zu arbeiten." Das stehen heimische Regisseure ganz oben. Szyszkowitz: "Wahnsinnig gern würde ich zum Beispiel einmal mit Andreas Prochaska und David Schalko drehen."

(kurier) Erstellt am
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