It’s Hahnenkamm, Schätzchen

Die Abfahrt auf der „Streif“ ist das wichtigste Skirennen der Saison – und macht Kitzbühel an diesem Wochenende zum Nabel der Welt. Wie verkraftet die kleine Barockstadt den großen Rummel? Besser als man denkt. Denn auch Trubel hat hier Tradition.

50.000 Besucher im Ort, 500 Millionen TV-Geräte in aller Welt, die zeitgleich die gleichen bunten Bilder zeigen – diese „SoKo Kitzbühel“ sprengt alle Dimensionen: It’s Hahnenkamm, Schätzchen. Und nicht nur in den USA zählt das mehr als jedes Olympia-Rennen. 700 Medienvertreter aus mehr als 30 Ländern werden von der legendären „Streif“ in die Tiroler-Alpen gelockt. Von 86 Prozent Gefälle, gut 140 km/h Spitzengeschwindigkeit, 6.500 Meter Fangnetzen, vielleicht sogar ein wenig von den 150 beheizten WC-Häuschen an der Piste, denn auch das findet man nicht bei jedem Rennen. Und natürlich von den Lichtgestalten der großen Sause, also quasi allen, die im internationalen Jetset einen Namen haben oder zumindest haben wollen und verdammt schön sind, und wenn nicht, dann wenigstens unglaublich reich.

So viel Ruhm, so viel Aufmerksamkeit – das kann einem schwächeren Charakter schon ordentlich zu Kopf steigen. Wie groß der von Kitzbühel inzwischen geworden ist, darüber streiten Fans und Kritiker unerbittlich – das allerdings schon seit Jahrzehnten, was im Zweifelsfall doch für Kitzbühel spricht. Und wer den Ort zu einem anderen Zeitpunkt besucht als am Wochenende des Hahnenkamm-Spektakels, der bekommt eine Ahnung davon, wie wenig der ganze Trubel und die Promi-Hysterie ihm in Wirklichkeit anhaben können.

Auf der Sonnenseite des Lebens

Sonnenbaden mitten im Schnee: Wer in Kitzbühel ein herrliches Wochenende zum Winterausklang erwischt, lernt die Stadt wohl von ihrer schönsten, aber auch schrägsten Seite kennen. Während einige Wintersportler, wie Skilegende Mathias „Hias“ Leitner, noch die Stunde vor der Mittagszeit auf den Pisten nützen, ... ... liegen andere bereits bei der Sonnbühel – DER Skihütte in dem Gebiet - im Liegestuhl. Hier wird man vom hauseigenen Hund freundlich begrüßt und ... ... wer Glück hat ergattert einen Tisch. Aber aufgepasst, so mancher Promi ist schnell und schnappt Ihnen den Platz unverschämt vor der Nase weg. Reservieren kann man hier nicht, es sei denn man ist bekannt. Wer die Sonnenstunden lieber abseits der Pisten verbringt, kann an den Pools der hochkarätigen Hotels entspannen, in den Fitnessräumen Sport betreiben oder sich in den Spa-Bereichen verwöhnen lassen. Ein besonderes Extra gibt es hier im „Grand Spa Resort A-ROSA“ ... Der private Spa-Bereich kann für vier Stunden gemietet werden, für eine romantische Auszeit, einen „Sex and the City“-Abend oder auch einen Junggesellenabschied. Außerdem verfügt das Hotel, das der Tiroler Schlossarchitektur nachempfunden wurde und ein wenig an Disneyland erinnert, über eine 120 Quadratmeter große Suite, einen ganzjährig beheizten Innen- und Außenpool sowie einen guten Ausblick auf Hahnenkamm und Streif. Das „Mountain Design Resort Hotel Kitzhof“ mit vier Sternen bietet eine 170 Quadratmeter große Suite, 162 weitere geräumige Zimmer, ... ... ein Spa mit Saunabereich, Fitnessraum und Indoor-Pool sowie ebenfalls einen direkten Blick auf den Hahnenkamm. In dem von Architekt Werner Aschaber gestalteten Hotel trifft modernes Design auf traditionelles Ambiente, wie Fußböden aus Gebirgslerchenholz. Außerdem ist es nur wenige Gehminuten vom Zentrum Kitzbühels entfernt. Das Fünf-Sterne-Hotel „Grand Tirolia Kitzbühel“ setzt in erster Linie auf modernen Luxus: Die 300 Quadratmeter große Präsidentensuite verfügt über zwei Etagen, ein Laufband, zwei King-Size Betten und ... ... eine eigene Sauna. Das Spa bietet einen In- und Outdoor-Pool (Innen 90 qm und Außen 170 qm), eine großzügige Saunalandschaft und ... ... sogar eine Salzgrotte. Auch Modebegeisterte kommen in der kleinen Stadt nicht zu kurz: Concept-Stores wie "Englhaus Kitzbühel" und ... ... "Stern 2006" warten mit ausgewählten Stücken von Helmut Lang, M. Kors, DKNY, Alexander McQueen oder Christian Louboutin auf. In den fast angerenzenden Outlets kann man ältere Kollektionen zu erschwinglichen Preisen erstehen. Zu kleinen Shopping-Pausen laden die Gastgärten zwischen Kitzbühels bunten Häusern ein. Hier trifft man durchaus auch das ein oder andere bekannte Gesicht ... „Du kannst noch so berühmt sein, kannst du dich hier einigermaßen frei bewegen. Weil ein echter Kitzbüheler wird dich nie um ein Autogramm oder sonst etwas fragen. Wenn man sich auf der Straße trifft, dann sagt man ‚Griaß di’. Im Gegensatz zu anderen Orten braucht Kitzbühel mit Prominenten keine Werbung mach, weil sie sowieso ständig da sind“, erzählt Pepi Treichl, der Stadtführungen anbietet. Die Toleranz der Kitzbühler zeigt sich auch am Friedhof rund um die Gotik-Kirche mit romanischem Turm und Barockdach. Dazu erklärte Pepi: „Die Kitzbühler gingen immer mit dem Trend.“ Aber zurück zum Friedhof: Hier liegt nicht weit von Skilegende Toni Sailer der Tibet-Forscher Peter Aufschnaiter, um dessen Kreuz tibetische Gebetsfahnen gewickelt wurden – ohne, dass sich jemand daran stößt. Bevor es abends in eines der vielen Pubs oder ins Highways mit Live-Acts geht, hat man hier, dank der Haubendichte, zum Dinieren die Qual der Wahl: Im angrenzenden Jochberg verwöhnt Andreas Wahrstätter (einst jüngster 3-Hauben-Koch Österreichs) seine Gäste mit geschmortem Ochsenschwanz sowie hausgemachten Sorbets und Eis im bodenständigen Gasthof Schwarzer Adler. Darf es etwas nobler, aber auch gewöhnungsbedürftiger sein, dann empfiehlt sich die Küche des Petit Tirolia. Hier tischt „Koch des Jahres 2012“ Bobby Bräuer (Bild) mit drei Hauben auf – aber nur noch bis Oktober 2012, dann geht er zurück in seine Geburtsstadt München, genauer gesagt zum Unternehmen Käfer. Wer aber etwas ganz besonders ausgefallenes erleben möchte reserviert in Gerd Käfers Eventturm. Der Hausherr (2. v. r.) persönlich verköstigt hier seine Gäste – inklusive Haus- und Hof-Besichtigung. Für Unterhaltung sorgt – zumindest bei meinem Besuch – Lebensgefährtin Uschi Ackermann mit den beiden Möpsen Pusinka und Sir Henry (Mitte), Promi des Jahres 2010. Derzeit schreibt der Hund an seinem dritten Buch (über das Leben eines Mopses), erklärte Ackermann in vollem Ernst. Zur besseren Vermarktung gibt es Fan-Postkarten und Möpse zum Naschen.

Ein Spaziergang durch die schmalen Gassen des Stadtkerns zeigt ein anderes Gesicht Kitzbühels. Es ist keines dieser hübsch herausgeputzten, idyllischen Bergdörfchen, die am Ende der Saison verlegen die Fensterläden zuklappen und nichts mehr mit sich anzufangen wissen. Es ist auch keines der gesichtslosen High-End-Resorts im Nirgendwo – Kitzbühel braucht den ganzen Almauftrieb der Jetsetter nicht, um zu beeindrucken. Das besorgt die Stadt selbst, die da so malerisch mitten in die Berge gepflanzt wurde, mit ihren Bögen, Erkern und Arkaden, den steilen Anstiegen und Treppen, hinauf, durch den Torbogen am Sterzinger Platz, wo die Pfarrkirche mit ihrem fast 900 Jahre alten Turm wie eine mittelalterliche Burg thront. Und die uralten Stadthäuser bleiben vom Trubel unbeeindruckt, sie waren schon lange vorher da – und werden es noch lange sein, wenn nach anderen, kurzlebigen Dingen kein Hahn mehr kräht. In Kitzbühel wird gelebt, auch wenn keiner zuschaut – und das ist vielleicht seine größte Stärke. Seit 800 Jahren ist man schon „Stadt“, und das spiegelt sich im Selbstbewusstsein wider. Ein Selbstbewusstsein, das weder durch einen „zuagroasten“ Kaiser namens Franz, noch durch champagnerflaschenschwingenden Geldadel erschüttert werden kann.

Das führt freilich dazu, dass man den Kitzbühelern im Osten Österreichs gern eine bajuwarische „Mir san mir und mir san wer“-Arroganz unterstellt. Dazu sei Folgendes angemerkt: Zum einen besteht eben eine lange gemeinsame Geschichte mit den bayerischen Nachbarn, und zum anderen war genau diese gesunde Arroganz in den vergangenen Jahrzehnten überlebenswichtig. Nachdem vor mehr als 70 Jahren der britische Erbe und Royal-Air-Force-Pilot Gordon Cleaver das erste Hahnenkammrennen gewinnen konnte, erteilte Edward, der Prince of Wales, praktisch der gesamten britischen Upper Class den Auftrag, sich in alpine Abenteuer zu stürzen.

Skifahren wurde bald so sexy wie Autorennen. Und mit Ali Khan, dem Frauen-, Sportwagen- & Pferdesammler, dazu Jungs mit ähnlich gelagerten Hobbys wie Super-Playboy Porfirio Rubirosa entstand hier eine „Neigungsgruppe Geld, Genuss und gute Laune“, die Kitzbühel zu einem Cannes der Alpen machte. Da ist die Versuchung natürlich groß, sich und seine Stadt mit Haut und Haar zu verkaufen. Und nach dem Motto „Rindviecher raus, Kohle rein“ räumten die Einheimischen zwar ihre Ställe, um sie als Wohnungen an große Tiere – Privilegien, die ihre Promi-Gäste wie selbstverständlich für sich in Anspruch nahmen, entzogen sie ihnen aber schnell wieder. „Weil bei uns gibt's koane Extrawirscht für neamt“, mögen sie dabei gegrummelt haben. Und nahmen es achselzuckend in Kauf, dass sie damit etwa Gunter Sachs vergraulten, weil der es nicht gewohnt war, am Skilift zu warten.

„Mir san mir“, also doch? Vielleicht, aber mit Charme.

Eines ist gewiss: Arnold Schwarzenegger wird am kommenden Hahnenkamm-Wochenende nicht die Streif herunterfahren. Das verriet Arnie bei einem Werbe-Termin für seinen neuesten Action-Streifen „The Last Stand“ (Kinostart 31. Jänner): „Schwarze, gefährliche Pisten beim Skifahren fahre ich nicht mehr.“ Gut so. Promi-Österreich freut sich, wenn er die Gamsstadt ab Freitag beehrt, wie er dem KURIER verriet: „Natürlich komme ich zum heurigen Hahnenkammrennen.“ Mit wem er jedoch anreisen werde, ließ er offen. Gut möglich, dass ihn sein fescher Sohn Patrick begleiten wird. Der 19-Jährige befindet sich seit Montag mit Arnie auf Europa-Tour, um den ersten großen Film seines Vaters nach seiner Politik-Karriere zu promoten. Auch auf seinen langjährigen Freund, Ralf Möller, wird Arnie treffen. Der „Gladiator“-Star wird bei der „Kitz’n Glamour“-Party im Hotel Grand Tirolia erwartet – sowie auch ... ... Boris Becker mit seiner Lilly. Zuvor beginnt der Partyreigen am Freitag mit einem „Hüttenzauber“ von Veuve Clicquot auf der Bichlalm, ... ... bei der Sonja Kirchberger und Heino Ferch erwartet werden. Danach wird sich die Kitz-Society bei der „Weißwurstparty“ beim Stanglwirt einfinden: „Wir freuen uns, dass erstmals Melanie Scheriau und Rolf Scheider aus der Sendung ,Austria’s next Topmodel‘ mitfeiern werden“, sagte Junior-Chefin Maria Hauser. Anschließend werden die meisten bei der „A1 Kitz Night“ in Rosi’s Sonnbergstub’n vorbeischauen. Zeitgleich werden viele deutsche Stars, wie Thomas Heinze, bei der „Audi Night“ im Hotel „Zur Tenne“ antanzen. Am Samstag wird Arnie bei Rosi Schipflingers „Schnitzelparty“ erwartet: Bereits vor Monaten ließ er dort den Weinkeller reservieren. Zuvor könnte er noch bei Harti Weirathers „KitzRaceParty“ „Hello“ sagen.

(kurier freizeit am samstag) Erstellt am
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