Amelia Earhart: Der letzte Flug der Abenteurerin

Sie war das Idol von Apollo-Astronaut Neil Armstrong: die US-Flugpionierin Amelia Earhart. Vor 75 Jahren verschwand sie spurlos über dem Pazifik. Jetzt stieß eine Expedition auf geheimnisvolle Spuren der Abenteurerin.

„Es dauert zu lange, ein Baby zu machen“, war die Devise von Amelia Earhart. Die selbstbewusste Frau aus Kansas ging lieber in die Luft als in Betten zu steigen. Vor 75 Jahren wollte sie nach Charles Lindbergh als erste Frau der Welt die Erde in einem Flugzeug umrunden. Kurzhaarfrisur, Lederjacke, Sommersprossen und einen Steuerknüppel zwischen den Beinen. Bei Amelia Earhart passte alles zusammen. Cool, würde man heute sagen. Dabei ging es dem Mädchen aus der US-Kornkammer Kansas gar nicht darum, Burschen den Kopf zu verdrehen. Die Studienabbrecherin wollte bloß in die Luft gehen. In den 1920er-Jahren ein totales Wagnis. Ein Traum ebenso, einer, für den sie alles gab. Auch ihr Leben. Der Stoff, aus dem die Helden sind. Eingang in die Historie fand die Pilotin, lange bevor sie am 2. Juli 1937 über dem Pazifischen Ozean spurlos verschwand. Fünf Jahre nach Charles Lindbergh hatte Amelia Earhart 1932 den Atlantik im Alleinflug überquert. Das war nur einer von zehn Weltrekorden, den die Tochter eines Deutsch-Amerikaners aufgestellt hat. Höher, weiter, schneller: Nur so schafft man den Aufstieg in die A-Liga der Abenteurer. Und Amelia Earhart wollte schließlich als erster Mensch die Erde entlang des Äquators umrunden. Auf ihrer letzten Mission war die Aeronautin nicht allein, Navigator Fred Noonan befand sich mit ihr an Bord der zweimotorigen Lockheed 10 Electra. In Miami waren sie aufgebrochen, um Geschichte zu schreiben. Nach Zwischenstopps in Südamerika, Afrika, Indien und Südostasien hatten sie Lae in Papua-Neuguinea als weitere Etappe auf ihrem Flugplan. Der Start verlief perfekt, dann ging irgendetwas schief, der Funkkontakt brach über dem Meer ab. Was dann anlief, war eine der umfangreichsten logistischen Herausforderungen in der Geschichte der Luftfahrt. Amelia Earhart, längst auf Briefmarken der US-Post verewigt, war mit Präsident Franklin D. Roosevelt befreundet. Er persönlich setzte nach ihrem Verschwinden eine Suchaktion in Gang, an der sich eine Armada von acht Kriegsschiffen und mehr als 60 Flugzeugen beteiligten. Von Pearl Harbor brach die Flotte auf, um fast eine halbe Million Quadratkilometer Meer zu durchkämmen. Ohne Erfolg. Nicht ganz. Denn die Suche nach der Legende hat seither nie aufgehört. „Ihr leuchtendes Beispiel von Unabhängigkeit, Mut und Ausdauer inspiriert die Menschen bis heute“, sagt Richard Gillespie, Gründer und Direktor einer Stiftung, die sich dem Aufstöbern historisch bedeutsamer Wracks verschrieben hat. Im Mai „stolperten“ Archäologen auf Nikumaroro über ein zerbrochenes Glas mit einer Creme gegen Sommersprossen. Für Gillespie ein Hinweis darauf, dass Earhart und ihr Begleiter den Absturz überlebt haben und noch einige Wochen auf diesem Eiland gelebt haben müssen. Im Moment hält er sich mit der „Niku VII“-Expedition direkt vor der Insel auf. Vielleicht findet ja er das Wrack. In genau einer Woche will Gillespie jedenfalls in Chicago Historisches berichten. Die Pressekonferenz ist bereits anberaumt. Und bis dahin will er die letzten Puzzles zum Rätsel Amelia Earhart zusammenfügen.
(kurier) Erstellt am
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