Schießerei in US-Schule: 20 Kinder tot

Ein 20-jähriger Student eröffnete in der Grundschule in Newtown das Feuer. Insgesamt 27 Menschen kamen bei dem Amoklauf ums Leben.

Eine junge Frau wartet unter Tränen auf eine Nachricht von ihrer Schwester, einer Lehrerin an der Schule in Newtown. Polizisten lotsen weinende Kinder aus dem Schulgebäude. Angehörige trauern um die toten Kinder. Polizisten durchsuchen das Schulgelände

Für die 600 Kinder der Grundschule und des Kindergartens im „Sandy Hook“-Komplex im verschlafenen Städtchen Newtown, US-Bundestaat Connecticut, war es der schlimmste Tag ihres   Lebens. Ein bewaffneter Mann stürmte in das Gebäude und begann sofort zu schießen.

„Ich habe mindestens hundert Schüsse gehört“, schilderte eine geschockte Augenzeugin, die sich in der Versammlungshalle befunden hatte, als die Schüsse gegen 9.35 Uhr losgingen. Sie  kauerte sich unter einen Tisch und rief die Polizei zu Hilfe. „Ich habe gedacht, ich komme hier nicht mehr lebend raus.“

undefined Foto: Reuters/MICHELLE MCLOUGHLIN Ein weinender Schüler wird vor dem Schulgebäude in Newtown getröstet

Schreckliche Bilanz des schlimmsten Schulmassakers in der amerikanischen Geschichte: Mindestens 27 Menschen kamen ums Leben. Erschossen wurden auch  Schuldirektorin  Dawn Hochsprung und der Psychologe der Schule. Unter den Getöteten sind  20 Kinder, die meisten von ihnen noch keine sechs Jahre alt.

Dass es nicht noch mehr Opfer gab, ist Direktorin Hochsprung zu verdanken. Sie hatte in einem Handgemenge mit dem Attentäter, für das sie mit dem Leben zahlte,  die Gegensprechanlage aktiviert. Schreie und Schüsse waren sofort überall in der Schule zu hören. Lehrer  begannen dadurch sofort, sich und ihre Schüler zu verbarrikadieren und zu verstecken. Alexis Wasik, eine zehnjährige Schülerin schilderte auf CNN  die Schreckensmomente: „Wir haben alle geschrien und geweint.“

Mörder seiner Mutter

Unklar blieb zunächst, ob der bewaffnete 20-jährige Student Adam L. sich selbst gerichtet hat oder ob er von der Polizei erschossen wurde. Der Leichnam des Mannes wurde in einem Klassenzimmer gefunden. Er trug eine Gesichtsmaske und eine kugelsichere Weste. Vier Handfeuerwaffen  soll er  bei sich gehabt haben, bisher wurden drei gefunden. Auch Lanzas jüngerer Bruder war mit ihm gekommen, er wurde auf dem Schulgelände verhaftet.

Lanzas Mutter war eine der Kindergärtnerinnen an der Schule. Sie war offenbar sein  wichtigstes Ziel. Er tötete sie – und feuerte dann auf die Allerkleinsten. Die Mehrheit der getöteten Kinder dürfte deshalb zur Gruppe der Allerjüngsten gehören.

undefined Foto: Reuters/ADREES LATIF Ein betroffenes Elternpaar spendet sich gegenseitig Trost

Dass Lanza zu seiner Mutter wollte, erklärt auch, warum er überhaupt in die Grundschule durfte. Für alle Besucher der „Sandy Hook“-Schule gelten seit kurzem strenge Regeln: Sie müssen sich ausweisen und Verbindungen zur Schule nachweisen können. Als die Polizei Freitag Nachmittag das Geburtshaus des Studenten in Newtown stürmte, machten sie eine weitere, schreckliche Entdeckung: Drinnen lag der Leichnam von Lanzas Bruder.

„Wir sind hier eine friedliche kleine Stadt. Warum wir?“, weinte die  Mutter einer geretteten Schülerin. Als die Schießerei losging, waren einige Kinder in Panik aus den Klassen gestürmt und in die umliegenden Felder gelaufen. Die meisten anderen wurden weinend und in Todesangst in die nahe gelegen Feuerwehrstation gebracht.

„Es war einfach der Horror“, berichtete eine Mutter einer zitternden Drittklässlerin, die zur Schule geeilt war. Sie berichtete von blutüberströmten Kindern, die aus dem Schulgebäude gekommen seien. „Alle waren hysterisch und in Panik.“ Dutzende Krankenwagen und Polizeifahrzeuge mit Blaulicht trafen am Tatort ein. Schluchzende Eltern nahmen  ihre weinenden Kinder in die Arme.

APTOPIX Obama Connecticut School Shooting Foto: AP/Charles Dharapak Präsident Obama fordert bedeutsame Schritte

Erschütterter Obama

Fassungslos und  gegen die Tränen kämpfend rang gestern auch US-Präsident Barack Obama in einer kurzen Reaktion auf das Massaker um Worte: „Unsere Herzen sind gebrochen. Die Mehrheit der Opfer waren Kinder, wunderschöne Kinder, im Alter zwischen fünf und zehn Jahren. Sie hatten noch ihr ganzes Leben vor sich. Es gibt keine Eltern in Amerika, die heute nicht die gleiche Trauer fühlen wie ich“, sagte Obama und  musste sich mehrmals die Tränen aus den Augen wischen. Er mahnte: „Dieses Land hat Vorfälle wie diese schon zu oft erlebt.“

Das Massaker in Newtown gehört zu den schlimmsten Amokläufen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. 2007 hatte ein Amoklauf an einer Universität in Virginia die bisher meisten Todesopfer gefordert. 32 Menschen waren damals erschossen worden.

Die Washington Post hat eine interaktive Grafik mit den 12 schlimmsten Amokläufen in der US-Geschichte erstellt.

Einen Hintergrundbericht zur Macht der US-Waffenlobby finden Sie hier.

Lage der Schule in Newtown


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Weiterführende Links

Hartford Courant (Zeitung in Connecticut)

CNN

Live-Blog der New York Times

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Land der Schusswaffen

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt. In rund 42 Millionen Haushalten finden sich Waffen, zumeist Gewehre. In den USA werden jährlich etwa 350.000 Verbrechen mit Schusswaffen begangen, mehr als 11.000 Menschen werden dabei getötet. Der Oberste Gerichtshof sprach im Juni 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die höchsten Richter erklärten ein Gesetz im Stadtbezirk Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. Sie entschieden, dass jeder Bürger ein Recht darauf habe zu jagen und sich selbst zu verteidigen. Das Urteil wurde als Sieg für die mächtige Organisation der US-Waffenbesitzer (NRA) gewertet, die im Waffenbesitz stets ein verbürgtes Freiheitsrecht gesehen hatte. Während die Waffenlobby auf das verfassungsmäßige Recht aller Amerikaner auf den Besitz von Schusswaffen zum eigenen Schutz pocht, sehen die Gegner darin eine Gefahr und einen Zusammenhang mit der hohen Gewaltkriminalität. Rund 250 Millionen der weltweit 650 Millionen Schusswaffen in privater Hand befinden sich im Besitz von US-Bürgern, mittlerweile verfügt jeder vierte über mindestens eine Waffe. Die Befürworter bestreiten das. So sei etwa in Texas die Mordrate um ein Vielfaches höher als in Vermont, obwohl in beiden Staaten jeder dritte Bürger bewaffnet ist. Auch sei in vielen Großstädten mit hoher Kriminalität der Verkauf von Schusswaffen seit jeher verboten. Das Waffenrecht ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Entwickelt hat sich ein Durcheinander von mehr als 20.000 nationalen, einzelstaatlichen und kommunalen Vorschriften. Das "Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen" wurde vor mehr als 200 Jahren im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Seit den 1930er Jahren wurden Regulierungen mit der Interpretation begründet, die Verfassung erlaube nur Bürgerwehren und Streitkräften, Waffen zu besitzen.
(KURIER) Erstellt am

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