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KURIER Romy 2014
Jesco von Puttkamer, 1933 - 2012
Jesco von Puttkamer, 1933 - 2012 - Foto: APA/RALF ROEGER
Jesco von Puttkamer, 1933 - 2012
Jesco von Puttkamer, 1933 - 2012 - Foto: APA/RALF ROEGER

Letztes Update am 28.12.2012, 14:01

Nasa-Legende Jesco von Puttkamer ist tot. NASA-Legende Jesco von Puttkamer hat die Raumfahrt mitgestaltet. Nun starb er 79-jährig

Er lebte ein Leben lang für das Weltall. Immer wieder kam er nach Europa, um Vorträge zu halten. „Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass das Thema Raumfahrt für die Menschen erfahrbar bleibt“, sagte er 2008 in einem Interview in Die Welt. „Man braucht Visionen, um Perspektiven entwickeln zu können. Ein Land, in dem die jungen Menschen keine Perspektiven mehr haben, das hat auch keine Zukunft.“ Jetzt ist der deutsch-amerikanische Luftraumingenieur Jesco von Puttkamer im Alter von 79 Jahren gestorben – vermutlich an Grippe.

Omas Rat

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Puttkamer war einer derer, die Ausflüge ins All möglich machten - Foto: AP/NASA, James Lovell
Angefangen hat seine Leidenschaft als Zwölfjähriger, der 1945 hellwach und neugierig war und zertrümmerte Städte sah. „Ich hatte eine kluge Oma. Sie riet mir: ,Geh in die Raumfahrt, ohne die machen wir uns eines Tages kaputt‘“, erzählte von Puttkamer. Und richtete Abitur und Studium aufs All aus. 1962 schloss der gebürtige Leipziger sein Ingenieursstudium ab, das er sich unter anderem mit der Produktion von Science-Fiction-Literatur verdient hatte. „Militärische Raketen hätte ich nicht bauen wollen“, sagte er später. „Aber als ich hörte, Wernher von Braun ist jetzt bei der NASA, habe ich ihm einen Brief geschrieben, einen richtigen Fanbrief – dass ich auswandern und zunächst zur US-Industrie will, weil ich ja ein Anfänger bin, aber dass ich danach bei ihm arbeiten möchte. Dann kam plötzlich dieses Telegramm: ‚Geh nicht in die Industrie, komm sofort. Wir fliegen zum Mond‘!“


Sieben Jahre später erhielt von Puttkamer die US-Staatsbürgerschaft. In Huntsville (US-Bundesstaat Alabama) arbeitete er im Team von Wernher von Braun jahrelang am „Apollo“-Programm mit. Als es mit Apollo 17 endete, war von Puttkamer ziemlich enttäuscht. „Wir hatten darauf gebaut, dass es noch Apollo 18, 19 und 20 geben würde.“

Der 79-Jährige konnte über die amerikanische Raumfahrtgeschichte sprechen wie kaum ein Zweiter – er hat sie nicht nur erlebt, sondern mitgestaltet: Er war als Ingenieur und Planer an „Skylab“, dem Space Shuttle beteiligt, ab 1974 leitete er im NASA-Hauptquartier in Washington eine Arbeitsgruppe für strategische Planung. Dort wirkte er als dienstältester Mitarbeiter der NASA bis zum Schluss maßgeblich an der Planung der Internationalen Raumstation ISS und an langfristigen US-Raumfahrtprogrammen mit. Von 1978 bis 1980 war er außerdem technischer Berater für Star Trek – Der Film.

Der alten Heimat blieb von Puttkamer treu: 1996 erhielt er ehrenhalber die Würde eines Doktors der Philosophie von der Universität von Saarbrücken verliehen. Von 1985 bis 2000 war er Honorarprofessor in Aachen und häufig zu Raumfahrt-Themen in Medien präsent.

Außerirdisches Leben

Star Trek - Der Film
Star Trek – Der Film: 1978 war Puttkamer technischer Berater - Foto: APA
Er war enthusiastischer Anhänger der bemannten Raumfahrt und der Suche nach Lebensformen im All. „Wenn ich einen warmen Pullover mitnehmen könnte, würde ich sofort in ein Mars-Raumschiff steigen“, sagte er in einem Interview.

Unser Nachbarplanet hatte es ihm angetan: „Der Mars ist unsere Schicksalswelt“, sagte er. Im April hatte er bei einer Diskussion von servus.tv im Hangar 7 gesagt: „Der Mond ist eine Zwischenstation, kein Endziel.“ Von Puttkamer schrieb auch viele Werke zum Mond und zum Mars. Immerhin bestehe „begründete Hoffnung“, dass auf dem Roten Planeten Spuren von außerirdischem Leben gefunden werden könnten – „selbst wenn es sich nur um versteinerte Mikroben handelt“. Einen solchen Fund wird er nun nicht mehr miterleben können.

Aus altem preußischen Adelshaus

Der Mann, der durch seine Mitarbeit am Mondlandungsprogramm der NASA Berühmtheit erlangte, war gebürtiger Deutscher. Er stammte aus uraltem deutschen Adelsgeschlecht und trug, wie seine Vorfahren, den Titel „Freiherr von Puttkamer“. Der Name dürfte auf die slawische Amtsbezeichnung putcumer zurückgehen, was so viel wie „Unterkämmerer“ bedeutet.

Von Puttkamers – sogar eines der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands – tauchen erstmals im 13. Jahrhundert in schriftlichen Quellen auf. Das Stammhaus lag in Hinterpommern. Diese Region Ostdeutschlands (Preußen) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zur Gänze polnisches Staatsgebiet. Das Geschlecht der von Puttkamer spaltete sich bereits im 14. Jahrhundert. Es bildeten sich zwei große Linien, die ihrerseits wiederum weit verästelt ist.

Der für Deutsche ungewöhnlich klingende Vorname Jesco (auch: Jesko) geht auf eine alte Familientradition der von Puttkamers zurück, derzufolge der jeweils Erstgeborene diesen Vornamen erhielt. Unter den Vorfahren des NASA-Mitarbeiters finden sich Beamte, Politiker und Publizisten. Die meisten von Puttkamers schlugen aber, wie oft im preußischen Adel üblich, eine Militärlaufbahn ein.

(KURIER/kk) Erstellt am 28.12.2012, 14:01

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