Vergewaltigung­s­op­fer eingeäschert

Nach einer Massenvergewaltigung starb eine junge Inderin. Ihr Sarg wurde von Premier Singh empfangen.

Stiller Abschied am Sonntag in Neu Delhi. Am Samstag hatten Menschen in ganz Indien der jungen Frau gedacht.

Die Leiche der von mehreren Männern brutal vergewaltigten Inderin ist Sonntag früh in Neu Delhi in einem Krematorium verbrannt worden. Zuvor seien die letzten religiösen Riten an ihrem Wohnort in Neu Delhi vollzogen worden, berichtete die Onlineausgabe der Times of India.

Die Leiche war auf Staatskosten in der Nacht mit einer Chartermaschine von Singapur nach Indien übergeführt worden. An Bord der Maschine befanden sich laut Bericht auch die Eltern der Toten, die am Flughafen von Premierminister Manmohan Singh und der Chefin der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, empfangen wurden.

Mit Eisenstange malträtiert

Die junge Frau war am 16. Dezember in Neu Delhi von mehreren Männern in einem Bus brutal vergewaltigt, mit einer Eisenstange malträtiert und nackt aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Tagelang kämpften erst indische Ärzte und dann ein Spezialistenteam in Singapur um ihr Überleben. Mediziner in Singapur obduzierten die Leiche, der Bericht sollte schnellstmöglich den indischen Behörden übergeben werden.

Am Samstag hatten Menschen in ganz Indien der jungen Frau gedacht. In mehreren Städten zündeten sie Kerzen für das Opfer an. Tausende demonstrierten erneut gegen sexuelle Gewalt und für mehr Frauenrechte. Alle führenden Politiker traten vor Mikrofone und versprachen Maßnahmen, damit sich ein solcher Fall nicht wiederhole.

Gesellschaftlicher Wandel gefordert

Premierminister Singh rief dazu auf, die durch den Fall geweckten Emotionen für einen gesellschaftlichen Wandel zu nutzen. "Sie mag ihren Kampf ums Überleben verloren haben, aber es liegt an uns sicherzustellen, dass ihr Tod nicht umsonst war", erklärte er. "Ich bete für den Frieden der verstorbenen Seele und hoffe, dass ihre Familie die Kraft haben wird, diesen schmerzlichen Verlust zu ertragen."

Präsident Pranab Mukherjee sagte, die 23-Jährige sei stark und tapfer gewesen. "Sie ist eine wahre Heldin und symbolisiert die indische Jugend und Frauen auf das Beste."

Sonia Gandhi versprach, der tragische Tod der jungen Frau werde "nicht umsonst" gewesen sei. "Als Frau und Mutter verstehe ich den Schmerz", erklärte sie. In Indien ist sexuelle Gewalt gegen Frauen an der Tagesordnung. Viele Opfer trauen sich nicht, ihre Peiniger anzuzeigen, weil sie sowohl die schwerfällige Justiz als auch die Reaktionen männlicher Polizisten fürchten.

Aus Furcht vor neuen Massenprotesten rief die Polizei in Neu Delhi die Menschen am Samstag zur Ruhe auf und riegelte mehrere Bezirke im Zentrum der indischen Hauptstadt ab. Trotz der starken Polizeipräsenz und der strengen Sicherheitsvorkehrungen gingen in Neu Delhi, Kolkata und anderen Städten viele Menschen im Gedenken an die "Tochter Indiens" auf die Straße, darunter auch zahlreiche Männer.

Mordanklage

Die sechs Tatverdächtigen sollen des Mordes angeklagt werden. Die Polizei wolle das Anklageprotokoll bis Donnerstag ausfüllen, sagte ein Sprecher. Den Männern droht die Todesstrafe.

Zunächst waren sie unter anderem der Vergewaltigung und des versuchten Mordes angeklagt gewesen, worauf maximal eine lebenslange Haftstrafe steht. Bevor die schwer verletzte Frau nach Singapur geflogen worden war, hatten Ermittler sie befragt. Diese Aussagen sollen vor Gericht verwendet werden.

Friedliche Demonstrationen von Trauernden gab es neben der Hauptstadt Neu Delhi auch in den Metropolen Bangalore, Kolkata (Kalkutta) und Mumbai, wo Bollywood-Berühmtheiten sich ihnen anschlossen. "Sie ist tot. Aber ihr Kampf muss jeden aufwecken, jetzt etwas zu tun", stand auf einem der Plakate. Und auf einem weiteren: "Die Flamme, die sie entzündete, soll nie mehr verlöschen."

Die Demonstranten in Neu Delhi riefen im Chor: "Wir wollen Gerechtigkeit". Einige forderten die Todesstrafe auch für Vergewaltiger, andere lehnten eine Verschärfung der Strafen ab, wollen aber ein härteres Durchgreifen der Polizei. Manche hatten sich schwarze Tücher über den Mund gebunden und wollten am liebsten gar nichts mehr sagen. "Wir haben genug geschrien", sagte eine junge Frau mit Tuch. "Jetzt wollen wir Taten sehen."

Die Kundgebungen waren von scharfen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Spezialeinheiten der Polizei riegelten Straßen ab und wiesen den Demonstranten zwei Treffpunkte zu. Zehn Metro-Stationen blieben geschlossen, um Kundgebungen vom Parlament und Präsidentenpalast fernzuhalten. Dort waren am vergangenen Wochenende Proteste in Gewalt umgeschlagen. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, ein Polizist starb.

Die Mitte Dezember in Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigte Inderin ist an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben. Die 23-jährige Medizinstudentin starb am am 28. Dezember in einem Krankenhaus in Singapur, wohin sie Tage zuvor zu einer Behandlung durch Spezialisten gebracht worden war. In Kalkutta strömten unzählige Menschen zusammen, um der jungen Frau zu Gedenken und für bessere Frauenrechte zu protestieren. Durch den Tod der jungen Frau könnten die Proteste im Land wieder aufleben. Neue Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten werden befürchtet. Schon in den vergangenen Tagen war es in Indien landesweit zu teils gewaltsamen Protesten gekommen. Der Regierung wird vorgehalten, zu wenig gegen den Missbrauch von Frauen zu tun. Frauenrechtlern zufolge werden in Indien Vergewaltigungen nur selten bestraft. Ministerpräsident Manmohan Singh wird vorgeworfen, gegenüber den Protesten taub gewesen und mit zu harter Hand vorgegangen zu sein. Am Samstag reagierte Singh: Er rief die Menschen im Land dazu auf, die durch den brutalen Fall wachgerüttelten Emotionen für einen gesellschaftlichen Wandel zu nutzen. "Sie mag ihren Kampf ums Überleben verloren haben, aber es liegt an uns sicherzustellen, dass ihr Tod nicht umsonst war."
(APA / la) Erstellt am

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