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Landesweit finden Protestkundgebungen statt.
Landesweit finden Protestkundgebungen statt. - Foto: ap
Foto: rts

Letztes Update am 03.01.2013, 10:39

Schnellgericht nach Gruppen- vergewaltigung . Bei einer Verurteilung droht den Beschuldigten die Todesstrafe. Das 23-jährige Opfer ist am Samstag an ihren schweren Verletzungen gestorben.

Die mutmaßlichen Vergewaltiger einer jungen Inderin müssen sich ab heute vor einem Gericht in Neu Delhi wegen Mordes und Vergewaltigung verantworten. Fünf Männer sollen zu einer ersten Anhörung im Bezirk Saket im Süden Delhis erscheinen. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe. Ein neues Schnellgericht soll über sie urteilen. Das Bezirksgericht, das mit dem Vergewaltigungsfall befasst ist, musste noch Pflichtverteidiger für die Angeklagten finden. Die Anwaltskammer hatte zuvor mitgeteilt, niemand wolle die mutmaßlichen Täter verteidigen.

Bei einem sechsten mutmaßlichen Täter muss noch dessen Alter bestimmt werden. Je nachdem darf bei ihm Erwachsenenstrafrecht angewandt werden oder er muss vor ein Jugendgericht treten.

Vater für Todesstrafe

Der Vater des Opfers hat die Todesstrafe für die mutmaßlichen Täter gefordert. "Das ganze Land verlangt, dass diese Monster gehängt werden", sagte der Vater in seinem Heimatdorf Mandwara Kala im Bundesstaat Uttar Pradesh.

Grausame Tat

Das 23-jährige Opfer war am 16. Dezember von mehreren Männern in einem Bus in Neu Delhi vergewaltigt, mit einer Eisenstange misshandelt und nackt aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Am Samstag war die junge Frau nach mehreren Notoperationen in einem Spezialkrankenhaus in Singapur an ihren Verletzungen gestorben. Ein Freund von ihr wurde ebenfalls misshandelt und überlebte verletzt. Der Angriff hatte landesweit zu wütenden Protesten und Demonstrationen für mehr Frauenrechte geführt.

Höchststrafe

Die Polizei hatte nach dem Tod der Frau mitgeteilt, sie strebe die schwerst mögliche Strafe für die Täter an. In außergewöhnlich schweren Mordfällen kann in Indien die Todesstrafe verhängt. Sie wird selten vollstreckt, bei besonders drastischen Straftaten kommt es aber zu Hinrichtungen. Zuletzt war im vergangenen November der letzte überlebende Attentäter der Terrorserie von Mumbai (Bombay) Ende 2008 gehängt worden. Präsident Pranab Mukherjee hatte sein Gnadengesuch abgelehnt. Es war die erste Hinrichtung in Indien seit dem Jahr 2004.

Proteste

Das brutale Vorgehen der Täter hatte in Neu-Delhi und anderen indischen Städten zahlreiche Demonstrationen ausgelöst. Der Regierung wird vorgehalten, zu wenig gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen zu tun. Frauenrechtlern zufolge werden in Indien Vergewaltigungen nur selten bestraft.

Ministerpräsident Manmohan Singh war heftig dafür kritisiert worden, dass er sich lange nicht zu der Vergewaltigung geäußert hatte. Nach den Protesten hatte er dann aber zur Ruhe gemahnt und die Tat ein "monströses Verbrechen" genannt. In einer TV-Ansprache hatte er zudem versichert, der werde alles tun, um Schutz und Sicherheit für Frauen in Indien sicherzustellen. In Indien wird Polizeidaten zufolge rund alle 20 Minuten eine Frau vergewaltigt.

 


Chronologie der Ereignisse

16.12.2012: Eine 23-jährige Medizinstudentin wird in einem Bus in Neu Delhi von sechs Männern vergewaltigt. Die Täter misshandeln die Frau und einen Freund, der sie begleitet, mit einer Eisenstange.

17.12.: Die Polizei nimmt vier Verdächtige fest, zwei weitere folgen später. Das Opfer schwebt mit einer schweren Hirnverletzung und inneren Verletzungen im Krankenhaus weiter in Lebensgefahr.

18.12.: Demonstranten gehen in mehreren Städten auf die Straße und machen Laxheit der Polizei für steigende Gewalt gegen Frauen verantwortlich. Die Opposition fordert im Parlament schärfere Gesetze, um Vergewaltigungen zu stoppen.

22.12.: Nach kleineren Studentenprotesten gehen Tausende Inder auf die Straße. Die Polizei geht mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die aufgebrachte Menge vor.

23.12.: Die Proteste schlagen in Gewalt um - laut Polizei, weil sich Krawallmacher unter die Protestierenden mischen. Es gibt mehr als 100 Verletzte auf beiden Seiten.

25.12.: Ein Polizist, der bei den Demonstrationen verletzt worden war, stirbt im Krankenhaus.

26.12.: Die indische Regierung ordnet eine Untersuchung des Falls an. Die Kommission soll mögliche Versäumnisse der Polizei und anderer staatlicher Stellen herausfinden. Sie soll auch Maßnahmen für mehr Schutz und Sicherheit von Frauen vorschlagen.

27.12.: Der Gesundheitszustand der 23-Jährigen verschlechtert sich rapide. Sie wird nach Singapur in eine Spezialklinik ausgeflogen.

29.12.: Die junge Frau stirbt an Organversagen. Die sechs verdächtigen Männer werden des Mordes beschuldigt. Tausende demonstrieren erneut gegen sexuelle Gewalt und für mehr Frauenrechte.

30.12.: Die Leiche der vergewaltigten Inderin wird in Neu Delhi nach traditionellen Riten verbrannt. Zwischen Demonstranten und Polizei kommt es erneut zu Auseinandersetzungen.

3.1.2013: Die Justiz erhebt Anklage wegen Mordes gegen fünf Beschuldigte.

(apa/mn) Erstellt am 03.01.2013, 10:39

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