Letztes Update am 14.08.2012, 19:52
Der Kärntner SPÖ-Abgeordnete Gerhard Köfer wechselt zum Milliardär. In den Parteien geht die Angst um: Wen hat dieser noch geangelt?
Jetzt zittern sie in allen Parteien. Offenbar ist es Frank Stronach gelungen, mehrere Nationalratsabgeordnete für seine Partei zu gewinnen. Zuerst wurde bekannt, dass ihn BZÖ-Mann Peter Westenthaler bei der Kandidatur unterstützt. Dann kam heraus, dass der einstige Orange und jetzige "wilde" Abgeordnete Robert Luger für ihn werken will.
Gestern Abend kam eine Hiobsbotschaft für die SPÖ. Ihr Nationalratsmandatar Gerhard Köfer läuft zu Stronach über. Nachdem er das seinem Landesparteichef Peter Kaiser mitgeteilt hatte, stellte ihn dieser vor die Wahl: Entweder trete er aus der SPÖ aus, oder er werde ausgeschlossen. Köfer ging gestern Nachmittag freiwillig. Via Mail teilte er das Kaiser und dem SPÖ-Klub mit. Bürgermeister von Spittal an der Drau bleibt er – als solcher ist er direkt gewählt. Auch sein Parlamentsmandat will der Kärntner – zum Ärger Kaisers und von Klubchef Josef Cap – nicht hergeben. Er ist damit der dritte "Wilde" von 183 Mandataren im Hohen Haus.
Köfer selbst wollte gestern nicht öffentlich sagen, warum er künftig dem Austro-Kanadier zu Diensten sein will. Kaiser gegenüber hat der 51-Jährige den Wechsel so begründet: Er wolle noch einmal etwas Neues beginnen. Was sagt Kaiser dazu? "Mir tut sein Schritt leid, man muss aber auch sagen, dass Köfer inhaltlich, etwa beim ESM oder Euro, nicht die Linie der SPÖ und der Bundesregierung geteilt hat." Tatsächlich hat sich Köfer als einziger SPÖ-Abgeordneter gegen den Euro-Rettungsschirm ESM verwahrt; damit ist er auf Stronach-Linie. Kanzler Werner Faymann ist ja "glühender Europäer" und kämpft für den Euro. Stronach will diesen weghaben ("Je früher Österreich aussteigt, desto besser ist es für die Menschen").
Weitere SP-Mandatare zu Stronach?
Für die SPÖ kam Köfers Aktion überraschend. Noch am Montag hatte Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter dem KURIER gesagt: "Ich schließe aus, dass jemand aus dem SPÖ-Klub Frank Stronach unterstützt."
Gestern erklärte Kräuter im KURIER-Gespräch: "Ganz überraschend war Köfers Abgang nicht. Er war schon ein bisschen isoliert im Klub in den vergangenen Monaten. Er hat eine esoterische Ader, tut Hand-Auflegen." Köfer ist im Nebenberuf "Energetiker". Sorgt sich Kräuter nicht, dass auch andere SPÖ-Mandatare zu Stronach überlaufen? "Nein, gar nicht." Auch Cap "kann das ausschließen".
Er und Kräuter dürften irren. Laut KURIER-Recherchen wollen weitere SPÖ-Abgeordnete zum Milliardär. Im SPÖ-geführten Kanzleramt heißt es zur Causa Köfer lapidar: "Das wird zur Kenntnis genommen."
"Unvorstellbar"
Ist Stronach auch bei ÖVP und FPÖ fündig geworden? Ja, sagt einer seiner Vertrauten. Nur Grüner sei keiner im Boot. In der ÖVP wird seit Tagen spekuliert, dass Mandatar Fritz Grillitsch abgeworben wurde. Glaubt Klubchef Karlheinz Kopf, dass auch ihm Mandatare abhanden kommen? Kopf denkt lange nach, sagt dann: "Ich kann und will mir das nicht vorstellen."
Stronach selbst wollte sich zu seinem Coup nicht äußern. Um bei der Nationalratswahl kandidieren zu können, braucht er die Unterschrift von drei Parlamentariern. Sein Ziel war eine farbliche Mischung. Würden nur Leute von einer Partei unterzeichnen, wirke er wie deren Anhängsel, hat es geheißen.
Stronach gerät unterdessen wegen seines Steuerdomizils in der Schweiz unter Druck. Mehr dazu lesen sie hier.
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