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KURIER

Letztes Update am 03.05.2012, 21:38

Sarkozy schaffte es nicht, Hollande zu "atomisieren". Nach dem TV-Duell droht Sarkozy die "Kernschmelze".

Die Schlagzeilen der Pariser Presse nach dem TV-Duell zwischen François Hollande und Nicolas Sarkozy sprachen Bände. Die links­liberale Libération signalisierte Genugtuung mit einem Wortspiel: "Hollande präsidierte die Debatte." Der konservative Figaro, der einem Freund von Sarkozy gehört und den Präsidenten üblicherweise hochjubelt, begnügte sich hingegen mit einem ungewohnt neutralen Titel: "Hochspannung – die Kandidaten haben zwei V­isionen präsentiert."

Die Enttäuschung im Lager des bürgerlichen Präsidenten entspricht den von Sarkozy selber zuvor hoch geschraubten Erwartungen. Nicht dass Sarkozy im sachlichen Teil des Zweikampfes ständig den Kürzeren gezogen hätte. Aber gemessen an seinen vorherigen, halb­öffentlichen Prahlereien (Hollande sei eine "Null", er werde ihn "atomisieren") und seiner üblichen Überzeugungswucht, wirkte Nicolas Sarkozy im TV-Studio eher matt und stellenweise sogar hilflos.

So parierte Hollande fast alle Attacken mit derartig schnellen Gegenangriffen, dass die Kamera-Führung, die laut Übereinkunft nur den jeweiligen Redner ins Bild bringen sollte, nicht immer nachkam. Dadurch wurde auch ein Bild von Sarkozy übertragen, wie er, während Holland redete, scheinbar hilfesuchende Blicke auf das leitende Journalisten-Duo warf, dem die rasende Debatte ebenfalls entglitten war.

Sarkozy konnte zwar legitime Zweifel an der Finanzierbarkeit der Versprechen von Hollande wecken. Der sattelfest wirkende Sozialist stellte aber umgekehrt auf souveräne Weise den bürgerlichen Präsidenten auf dessen ureigensten Terrain, indem er Sarkozy unwidersprochen einen Rekordanstieg der Steuern vorrechnete. Genau damit aber verfehlte Sarkozy seine eigentliche Zielvorgabe, nämlich Hollande als inkompetenten Dilettanten erscheinen zu lassen.

Nur einmal gelang es Sarkozy, seinen Rivalen zu verunsichern: Als er aus einem Brief von Hollande an einen Flüchtlingsverein zitierte. Darin hatte Hollande beteuert, geschlossene Abschiebezentren müssten "eine Ausnahme bleiben" – eine Erklärung, um die der Sozialist herumeierte. Das mag Sarkozy, der die Wähler der Rechtspopulistin Marine Le Pen hofiert, ein paar zusätzliche Stimmen aus diesem Milieu bringen, dürfte aber kaum reichen, um noch gegenüber dem Umfrage-Favoriten Hollande aufzuschließen.

(kurier) Erstellt am 03.05.2012, 16:05

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