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KURIER
Beim Roten Kreuz ist die Bestürzung groß. Der Mitarbeiter wurde suspendiert. - Foto: APA/ÖRK/LVS/MMV

Letztes Update am 02.05.2012, 21:28

Sanitäter warf Fingerkuppen weg. Die Mutter übergab die abgetrennten Körperteile ihrer kleinen Tochter dem Sanitäter. Doch dieser verschlampte sie.

D as war ein tragischer Zwischenfall in einer ohnehin schon tragischen Situation", berichtet Iris Lengauer Stockner, 29. Die linke Hand ihrer dreijährigen Tochter Emily ist in einen dicken Verband gehüllt. Die Kleine klemmte sich bei einer Tür ein und trennte sich die Kuppen des linken Ring- und Mittelfingers ab. Doch der Sanitäter, dem die Mutter die Körperteile anvertraute, verschlampte sie. Sie landeten zusammen mit dem restlichen Verbandsmaterial im Müll.

"Ich sehe die Bilder noch immer vor mir", erinnert sich die Tirolerin. "Wir waren bei einer Freundin in Zirl und wollten in den Hof. Dabei hat sich Emily in der Eingangstür eingeklemmt."

Die Bürokauffrau alarmierte das Rote Kreuz und wies ihre Freundin an, die Kuppen einzupacken. Diese wickelte die abgetrennten Teile in nasses Klopapier. "Als ich im Rettungswagen saß, die Kleine auf dem Schoß, hat sie meine Freundin dem Sanitäter übergeben", schildert sie. "Er hat noch gefragt, ob das Papier leer ist und da sagten wir, dass das die Kuppen sind."

Doch in Innsbruck angekommen, fehlten von den Körperteilen jede Spur. Kurz bevor die Dreijährige zwei Stunden später operiert wurde, kam eine Klinikmitarbeiterin mit den verschollenen Kuppen angelaufen. "Sie hat jeden Mistkübel durchsucht und wurde schließlich in der Rettungseinfahrt fündig", sagt Lengauer Stockner. "Der Sanitäter hat sie einfach achtlos weggeworfen und nicht einmal danach gesucht."

Suspendiert

Beim Roten Kreuz ist die Bestürzung groß. "Wir bedauern den Vorfall zutiefst. Der Mitarbeiter, bei dem klar die Verantwortung für Transport und Übergabe lag, hat einen massiven Fehler gemacht. So etwas darf ganz einfach nicht passieren. Wir haben ihn suspendiert und prüfen eine Entlassung", informiert Sprecher Fritz Eller.

Die Kuppen seien wohl unter den Verbandsmüll geraten und entsorgt worden. "Der Mann ist erfahren und den Umgang mit amputierten Gliedmaßen lernt man schon im Erste-Hilfe-Kurs. "Wir wollen in Schulungen verstärkt sensibilisieren."

Ob diese Schlamperei für die kleine Emily doch noch glücklich endet, wird sich erst weisen. "Die Ärzte können noch nicht sagen, ob die Kuppen wieder anwachsen", sagt die Mutter.

(kurier) Erstellt am 02.05.2012, 21:24

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