Sabotage-Verdacht: General Entachers Auto manipuliert

General Entacher (links) und sein Dienstwagen (BH 2).
Foto: Bundesheer

In der Heeresgarage sollen die Radmuttern von General Entachers Dienstwagen gelöst worden sein. Die Abwehr ermittelt.

Nach einem möglichen Sabotageakt gegen den abgesetzten Generalstabschef Edmund Entacher herrscht beim Bundesheer helle Aufregung. Konkret geht es um das Dienstfahrzeug, mit dem der General am 13. September von Wien nach Villach unterwegs war. Auf der Fahrt löste sich am linken Vorderrad eine Mutter. Bei der Kontrolle des Fahrzeugs bemerkte der Fahrer des Generals, dass vier weitere Radmuttern locker waren. Die Ermittlungen wurden vom Abwehramt aufgenommen.

Entacher, der gegen seine Absetzung durch Verteidigungsminister Norbert Darabos kämpft, sieht sich in jüngerer Zeit zunehmend mit seltsamen Vorgängen konfrontiert. Zuletzt ging es um mysteriöse Abläufe einer geplatzten Ordensverleihung in der französischen Botschaft. Entacher hatte am Montag, dem 12. September, erfahren, dass seine lange geplante Ehrung von den Franzosen abgesagt sei - was in der Diplomatie höchst ungewöhnlich ist.

Verdächtige Geräusche

Einen Tag später machte sich Entacher auf den Weg nach Villach. Dort wollte SP-Bürgermeister Helmut Manzenreiter den General mit dem Ehrenzeichen der Stadt Villach auszeichnen.

Entacher nutzte wieder jenen Dienstwagen - einen Volvo S80 - der ihm schon in seiner Zeit als Generalstabschef zur Verfügung stand. Aber auch der interimistische Generalstabschef Othmar Commenda lässt sich laut dem Sprecher des Verteidigungsministeriums damit chauffieren.

Der Volvo wurde bei der besagten Fahrt vom erfahrenen Heeres-Kraftfahrer Josef W. gelenkt. Auf der Südautobahn knapp vor Graz vernahm der Fahrer erstmals verdächtige Geräusche und hielt bei nächster Gelegenheit an. Er konnte jedoch keinen Defekt am Fahrzeug feststellen. Nach Graz-Ost wurden die Geräusche lauter, und das Lenkrad begann zu vibrieren. Josef W. machte eine Notbremsung, und dann war die Ursache schon leichter auszumachen: Eine Radmutter des linken Vorderrades war bereits verschwunden, alle anderen waren locker. Der Lenker befestigte die lockeren Schrauben, und die Ordensverleihung in Villach ging planmäßig über die Bühne.

Abwehramt

In der für die Dienstfahrzeuge zuständigen Abteilung im Verteidigungsministerium wurde ein Sabotageakt nicht ausgeschlossen. Denn der Volvo war im Juli zum Service und hat seitdem 3000 Kilometer ohne Probleme zurückgelegt. Eine Anzeige ging daher an den militärischen Geheimdienst.

Die offiziellen Stellen des Verteidigungsministeriums äußerten sich zum Vorfall zurückhaltend. Vorerst warte man auf die Expertise eines Sachverständigen.

Faktum ist, der Volvo steht in der hauseigenen Tiefgarage in der Rossauer-Kaserne geparkt, wo an sich nur Heeresangehörige Zutritt haben. Gegen Heeresbedienstete werde derzeit aber nicht ermittelt, sagte Oberst Michael Bauer unter Verweis auf die laufenden Erhebungen. Entacher wollte sich zu dem Fall im derzeitigen Stadium nicht äußern.

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(KURIER) Erstellt am
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