Letztes Update am 17.05.2012, 18:52
Erstmals ist Merkels künftige Kanzlerschaft gefährdet – aus mehreren Gründen.
Trotz schon fast sieben Jahren im Amt galt "Kanzlerin Merkel" im politischen Berlin als Dauerzustand: Solange ihre Union größte Partei blieb und Rot-Grün ohne Mehrheit, lief für 2013 alles auf eine neue Große Koalition zu – unter ihr. Für dieses Ziel hat Merkel über den alten schwarzen Marken-Kern wie mit Ketchup viel Rot geleert. Doch das hat auch Tücken: Lange kommt nichts aus der Flasche trotz vieler Erschütterungen – dann plötzlich der Schwall. Der ist jetzt da.
Die Wahl in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Land und meist Trendsetter für den Bund, brachte der CDU ein historisches Desaster. "Sie schmolz wie ein Eisbecher in der Sonne", analysierte CSU-Chef Seehofer in seinem nun berühmtesten TV-Auftritt. Dank des CDU- Spitzenkandidaten Röttgen, der trotz Zuredens keinesfalls vom Kabinettstisch in Berlin weichen wollte.
Obwohl da schon seine Leistung mäßig gewesen war, beim wichtigsten Projekt Merkels neben der Bewältigung der EU- Staatsschulden-Krise: dem "Energiewende" getauften abrupten Atomausstieg. Mit dieser weltweit einsamen Entschärfung rot-grüner Gefühls-Politik für die Wahl 2013 erlebt ein Jahr danach das größte Industrieland Europas Versorgungsengpässe, Kostenexplosion und Umbaustau. Die erwartbare Riesenherausforderung lastet nun auf Röttgen-Erbe Altmaier.
Rot-Grün-Option
Rot-Grün-Option Doch die NRW-Wahl brachte viel mehr: auch die Rettung der FDP. Das schaffte die mit der Distanzierung von Berlin – und damit Merkel. Die könnte nach der Wahl 2013 in der Unterstützung einer rot-grünen Minderheitsregierung enden. Und kommt die nicht von der FDP, dann eben von den Piraten, der scheinbar harmloseren Modeversion der verpönten Linken. Und zuletzt: NRW zeigte, wie sich eine Rot-Grüne Minderheitsregierung stabilisieren lässt.
Die "Fristlose" für Röttgen war also viel mehr als eine Bestrafung: Sie wurde zum stärksten Signal für die plötzlich angebrochene Kanzlerdämmerung.
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