Letztes Update am 16.05.2012, 11:52
Orang-Utan-Waisen in Wildnis entlassen .
In einer Waldschule in Indonesien trainieren die Affen für das Überleben im Urwald. Die ersten Absolventen wurden nun ausgewildert.
Unterricht für Affen – ganz normal in der Rettungsstation Samboja auf Borneo. In der von den Tierschutzorganisationen Orangutan Survival Foundation (BOSF) und Vier Pfoten betriebenen Waldschule lernen die Tiere alles, was sie für ein Überleben in der freien Wildbahn brauchen.
Das Außergewöhnliche daran: Die Orang-Utans werden von Menschen trainiert. Nach erfolgreicher „Abschlussprüfung“ konnten nun die ersten sechs Tiere ausgewildert werden.
„Diese Auswilderung ist der entscheidende Test, ob Menschen Orang-Utans beibringen können, in der Wildnis zu überleben“, sagt die Affenforscherin Signe Preuschoft, 51, Leiterin des Menschenaffen-Programmes von Vier Pfoten.
Die Deutsche, die schon an der Uni Graz gelehrt hat, trug entscheidend zur Entwicklung des Rehabilitationsprogramms für Orang-Utan-Waisen bei.
Denn alle Affen in der Rettungsstation sind Waisen: Sie wurden als hilflose Jungtiere in die Waldschule gebracht, traumatisiert durch ihre Gefangennahme und das Massaker an ihren Müttern.
In der Rettungsstation Samboja werden sie liebevoll aufgepäppelt und von speziell ausgebildeten Betreuern systematisch auf ihre Auswilderung vorbereitet. Das ist nötig, weil Überlebenskenntnisse nicht angeboren sind.
Das Training dauert vier bis sechs Jahre. Besonders schwierig: Den Tieren beizubringen, dass Menschen ihre größten Feinde sind.
Auch bei den übrigen Orang-Utans lief die Freilassung problemlos. Alle tragen Funksender; dadurch können „Wächter“ den Tieren diskret folgen. Diese Beobachtungen sind wichtig für die künftigen Trainingsprogramme. Schließlich sollen in Samboja rund hundert weitere Orang-Utans ausgewildert werden.
Orang-Utans sind auf den Inseln Borneo und Sumatra vom Aussterben bedroht. Der Mensch zerstört ihren Lebensraum, den Tiefland-Regenwald, um Platz für Palmöl-Plantagen zu schaffen. Und manche Palmöl-Firmen bieten sogar jedem Geld, der einen Orang-Utan auf ihrer Plantage tötet. Doch die Menschenaffen werden auch wegen ihres Fleisches gejagt.
Besonders bedroht ist der Lebensraum der Orang-Utans in Nordsumatra: In der Provinz Aceh wurden große Flächen eines Torfmoorwaldes abgefackelt, um Platz für Plantagen zu schaffen. Dutzende Orang-Utans sollen infolge der Brandrodung verendet sein.
Laut Umweltschützern sind in dem Wald etwa hundert Menschenaffen gestorben, nur noch 200 sind am Leben. Bis Jahresende könnten alle Orang-Utans in dem Gebiet verschwunden sein. Insgesamt wird die Zahl der Orang-Utans auf Sumatra auf 6600 geschätzt.
(kurier)
Erstellt am 15.05.2012, 15:17