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KURIER
Foto: dapd

Letztes Update am 26.08.2012, 19:38

Neil Armstrong, der Kolumbus unserer Zeit. Mit 82 Jahren starb der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, der Flugzeugingenieur aus Ohio. Fast die ganze Welt war mit auf seiner denkwürdigen Reise.

Besser als große Worte passt zu seinem Tod wahrscheinlich die bescheidene Bitte seiner Familie: "Das nächste Mal, wenn Sie in einer klaren Nacht draußen sind und sehen, wie der Mond auf Sie herablächelt, denken Sie an Neil und zwinkern Sie ihm zu."

Der erste Mann auf dem Mond starb 82-jährig wenige Tage nach einer Herz-B­ypass-Operation. Mit dem linken Fuß betrat Neil Armstrong am 21. Juli 1969 den Mond in 400.000 km Entfernung zur Erde. Eine halbe Milliarde Menschen schauten fasziniert zu. Der Astronaut leitete die Mondlandungsmission von Apollo 11 und steuerte auch die Mondlandefähre Eagle mit Edwin "Buzz" Aldrin. Die beiden Astronauten waren damals 38 Jahre alt. Der dritte, Michael Collins, durfte nicht mit, er musste den Mond mit der Raumfähre umkreisen und seine Gefährten dann wieder an Bord nehmen.

Armstrong
Im Helmvisier von Buzz Aldrin (im Bild) spiegelt sich Neil Armstrong, der das Foto schießt. - Foto: Reuters

Neil Armstrong wird in allen Nachrufen als der Kolumbus unserer Zeit gewürdigt und mit Guttenberg und Kopernikus gleichgesetzt. Präsident Barack Obama nannte ihn "einen der größten Helden – nicht nur dieser, sondern aller Zeiten". Der Chef der NASA, Charles Bolden, sagte: "Solange es Geschichtsbücher gibt, wird Neil Armstrong darin enthalten sein." Und Edwin "Buzz" Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond, wurde mit seinen 82 Jahren sehr sentimental: "Ich weiß, dass Millionen Menschen auf der ganzen Welt mit mir um diesen wahren amerikanischen Helden trauern, den besten Piloten, den ich kannte." Die Besatzung der Apollo 11 sei nun für immer mit dem Mond verbunden. "Jedes Mal, wenn ich auf den Mond sehe, erinnere ich mich an diesen kostbaren Moment vor mehr als vier Jahrzehnten, als Neil und ich in diesem öden, leeren und doch schönen Meer der Ruhe standen und auf unseren strahlend blauen Planeten Erde blickten, der im Dunkel des Weltalls hing. Ich erkannte dies, obwohl wir weiter von der Erde entfernt waren, als es zwei Menschen jemals zuvor waren, und trotzdem waren wir nicht allein. Fast die ganze Welt war mit uns auf dieser denkwürdigen Reise."

Neil Armstrong würde diese Nachrufe vermutlich als übertrieben abtun. "Die Umstände haben mich in diese besondere Rolle gebracht", sagte er einmal.

Armstrong wurde am 5. August 1930 in Ohio auf der Farm seiner Großeltern geboren und begeisterte sich schon früh fürs Fliegen. Mit 14 Jahren nahm er Flugunterricht. Mit 16 hatte er die Fluglizenz, aber noch keinen Führerschein. Er begann ein Studium, um Flugzeugingenieur zu werden, kam zum Militärdienst, wurde Marineflieger und in den Koreakrieg geschickt. Dort flog er 78 Kampfeinsätze und konnte sich nach einem Abschuss mit dem Fallschirm retten. 1952 kehrte er an die Uni zurück, beendete sein Studium und wurde Forschungspilot. 1962 wurde Armstrong dann unter 300 Bewerbern für das Astronautenprogramm ausgewählt. Damals starb seine zweijährige Tochter Karen an Krebs. Ein Schicksalsschlag, den Armstrong zu bewältigen versuchte, indem er seine Arbeit "so normal wie möglich fortsetzte".

Später bedauerte er, dass er nie genug Zeit gehabt hätte, seine Söhne Eric und Marc aufwachsen zu sehen. Seine erste Ehe zerbrach, seine zweite war glücklich.

Hartnäckig bescheiden

Ein Jahr nach der Apollo-11-Mission verließ Armstrong die NASA und wurde Professor für Raumfahrt-Ingenieurwesen in Cincinnati und begann auf seiner Farm Vieh zu züchten und Mais anzubauen. Der Weg zum Star oder Politiker wäre für ihn ein leichter gewesen, doch Neil Armstrong interessierte der Ruhm nicht. Irgendwann gab er keine Autogramme mehr, weil ihm die Vermarktung seiner Unterschrift für hohe Summen ein Gräuel war. Ein Mal verklagte er sogar seinen Friseur, als der eine seiner Haarsträhnen verkaufte. Der Friseur musste den Erlös für einen guten Zweck spenden.

Und Neil Armstrong sagte: "Ich bin und werde für immer ein weiße Socken tragender, auf seine Tasche aufpassender, streberhafter Ingenieur bleiben."

Auf dem Mond: Nur ein Dutzend schaffte es
Die Sieger Auf die immer wiederkehrende Frage, wie es sich denn anfühle, der erste Mann auf dem Mond zu sein, antwortete Neil Armstrong als Wissenschaftler: "Mir war auf jeden Fall bewusst, dass es die Summe der Arbeit von 300.000 bis 400.000 Menschen über den Zeitraum eines Jahrzehnt war."

Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins waren die Gesichter des Fortschritts und die Sieger im Wettlauf zum Mond zwischen Amerikanern und Russen. Als die Russen den ersten Kosmonauten Juri Gagarin ins All schickten, versprach Präsident John F. Kennedy 1961, dass die Amerikaner "noch in diesem Jahrzehnt einen Mann auf den Mond bringen" würden – und "auch sicher wieder zurück".

Die Nachfolger Armstrong und Aldrin (Landung im Mare Tranquilitatis) waren die ersten von insgesamt zwölf Menschen, die die Oberfläche des Mondes betraten.

Apollo 12: Charles Conrad und Alan L. Bean landen im November 1969 im Oceanus Procellarum.

Apollo 13: Jim Lovell, Fred Haise und Ken Mattingly müssen nach einer schweren Explosion an Bord – ohne gelandet zu sein – zurückkehren (April 1970).

Apollo 14: Alan Shepard und Edgar Mitchell setzen im Februar 1971 am Landeplatz Fra Mauro auf; Veteran Shepard spielt Golf.

Apollo 15: David Scott und James Irvin erkunden im Juli 1971 den Hadley-Apennine und kehren mit 80 kg Gesteinsproben heim.

Apollo 16: John Young und Charles Duke landen im April 1972 auf der Descartes-Hochebene und fahren 27 km mit dem Mondmobil.

Apollo 17: Eugene Cernan und Harrison Schmitt erkunden im Dezember 1972 die Taurus-Littrow-Region.

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(kurier/Susanne Bobek, Jürgen Preusser) Erstellt am 26.08.2012, 17:00

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