Team Stronach: Eine Partei verwaltet ihr Wahlergebnis

ORF-TV-SOMMERGESPRÄCH MIT TEAM STRONACH-KLUBOBFRAU
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Beim Sommergespräch punktete Nachbaur mit sachlichem Stil

Das Team Stronach hat keine Themen mehr. Daran ändert auch die Wahl in der Steiermark nichts.

Wie ticken sie, die Sympathisanten des Team Stronach? Haben sie dem Parteigründer seine bisweilen bizarren TV-Auftritte verziehen? Und was halten Sie von Klubobfrau Kathrin Nachbaur?

Wann immer dem Wahlforscher Peter Filzmaier Fragen wie diese gestellt werden, muss er etwas für ihn eher Seltsames tun: mit einem Achselzucken antworten: "Wir wissen es nicht."

Kaum ein Jahr nach der Nationalratswahl sind die Wähler des Team Stronach verschwunden, nicht wahrnehmbar – zumindest nicht für jene, die sich professionell mit der Materie befassen.

Kaum Parteifans

"Die Stronach-Fans kommen in herkömmlichen Umfragen nicht mehr vor. Dafür sind die Stichproben zu klein", sagt Filzmaier. 1000, wenn nicht sogar 10.000 Menschen müsse man befragen, um einzelne Stronach-Wähler auszumachen. "Aber derart große Erhebungen werden kaum gemacht."

NATIONALRATSWAHL 2013: STIMMABGABE STRONACH Foto: APA/ROBERT JAEGER Frank Stronach kam, gründete eine Partei – und verließ dann wieder das politische Parkett in Wien Damit ist viel erzählt darüber, wie die nunmehr von Klubobfrau Kathrin Nachbaur geführte Partei dasteht. Nachbaur trat am Montag Abend beim ORF-Sommergespräch auf. Und wie schon im Wahlkampf, musste sie dabei vor allem versuchen, fragwürdige Aussagen von Parteigründer Stronach ins rechte Licht zu rücken. ORF-Analytiker Peter Filzmaier bewertet ihren Auftritt dennoch positiv – sie sei durch ihren sachlichen Stil aufgefallen.

Die Zukunft aber sieht trist aus: Schaffte man 2013 bei Regionalwahlen noch bis zu 11,2 Prozent (Kärnten), sieht die Situation bundesweit ganz anders aus. "Das Team Stronach verwaltet nur noch das Ergebnis der Nationalratswahl", sagt Wahlkampf-Experte Thomas Hofer. Die Marke sei beschädigt, die Partei de facto unwählbar.

Verantwortlich dafür ist nicht nur der verpatzte Nationalratswahlkampf, der als "Musterbeispiel für die Selbstzerstörung einer Bewegung" (Hofer) gelten darf.

Weit schwerer wiegt aus Experten-Sicht, dass das Team Stronach heute kein Thema findet, das es für sich alleine beanspruchen kann. "Egal, ob der schlanke Staat oder die Steuerreform: Vor allem bei Wirtschaftsthemen haben die Neos dem Team Stronach viel Wasser abgegraben", sagt Hofer.

Letzte Hoffnung

Als Hoffnungsgebiet haben Stronachs Parteigänger nun die Steiermark benannt. 2015 will man bei der Landtagswahl antreten. "Wenn es eine Chance gäbe, irgendwo erfolgreich zu sein, dann in der Steiermark", sagt Hofer.

Immerhin habe Stronach hier seine Wurzeln, viel investiert, Jobs geschaffen. "Es besteht die Möglichkeit, die eine oder andere ,Dankbarkeitsstimme‘ abzuholen."

Damit, dass es Stronach und Anhänger in der grünen Mark schaffen, rechnet Wahlforscher Filzmaier nicht: "In der Steiermark gilt zwar keine Mindesthürde, aber eine Partei muss zumindest in einem der vier Wahlkreise ein Direktmandat schaffen – und damit acht bis zehn Prozent." Am ehesten könne das wohl in Graz und Umgebung gelingen. "Doch eben hier werden neben SPÖ, ÖVP und FPÖ auch Grüne, Neos und sogar die KPÖ punkten. Ich sehe keine zehn Prozent für Stronach."

Warum tritt man dann an? "Das Team Stronach hat schon bei der EU-Wahl und in Vorarlberg auf ein Antreten verzichtet", sagt Filzmaier. "Wenn man sich als Partei keiner einzigen Wahl stellt, erklärt man sich selbst für tot."

Sommergespräch: Nachbaur im Zitat

Mit der Klubobfrau vom Team Stronach, Kathrin Nachbaur, hatte Peter Resetarits nach Neos-Chef Matthias Strolz den zweiten Interviewpartner bei der ORF-Sendung "Sommergespräche 2014". Das Gespräch begann mit dem geringen Bekanntheitsgrad von Nachbaur. Auf die Frage, warum man Kathrin Nachbaur nicht kenne, reagierte die Obfrau mit: "Mich überrascht das gar nicht. Die dominante Figur im Wahlkampf war Frank Stronach selbst und nicht ich." Und warum hat sich Frank Stronach aus der Politik zurückgezogen? "Man hat davon ausgehen können, dass Frank Stronach seinen Lebensmittelpunkt nicht nach Österreich verlagern wird.“ Immerhin ist Frank bald 82 Jahre alt und hat eine Familie in Nordamerika, so die Steirerin.
  Und was war da mit der Todesstrafe und den Berufskillern? "Man muss es schon im Kontext sehen. Frank Stronach ist in Nordamerika aufgewachsen. [...] Auf den Frank haut die österreichische Politik hin. Dann lässt sich der Herr Bundeskanzler mit Arnold Schwarzenegger ablichten.“
  Zum Thema Wirtschaftspolitik und Wirtschaftskompetenz der Partei: "Ich habe mehr Wirtschaftskompetenz als die österreichische Regierung.“ ... denn "Österreich ist das einzige Land der Welt, das ihre Bankenkrise noch nicht gelöst hat.“ Kathrin Nachbaur lässt kein gutes Haar an Österreichs Politik. "In Österreich wird hauptsächlich Klientelpolitik betrieben und nicht für die breite Masse, nicht für die Bevölkerung.“ Das Team Stronach setze sich für alle ein, erklärte Nachbaur im Gespräch. Ein Zuseher wollte via Videobotschaft wissen, warum die Politiker nicht endlich bei sich zu sparen beginnen. Die Klubobfrau sieht die Kürzung der Politikergehälter gespalten: "Sehr kluge Köpfe sind in der Wirtschaft. Sie werden nicht in die Politik gehen, wenn sie hohe Gehaltseinbußen einstecken müssen.“ Die Stronach-Nachfolgerin spart jedoch schon und setzt auf Car-Sharing: "Ich bin mit meinem Papa hergefahren. Ich hab im Gegensatz zu den anderen keinen Chauffeur.“
  Zur Vermögenssteuer: "Österreich hat kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Noch nie wurde so viel Geld eingenommen wie heute. Die Menschen werden ausgepresst wie Zitronen. Mit  Vermögenssteuern wird nur ein Klassenkampf in der Bevölkerung geschürt." Homosexualität: Zwar plädiert Nachbaur  grundsätzlich für Gleichberechtigung, aber beim Adoptionsrecht für homosexuelle Paare vertraut Nachbaur völlig auf die Wissenschaft:  "Meines Wissens gibt es noch zu wenig wissenschaftliche Studien, die belegen, dass ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare für das Kind eine großartige Lösung ist.“ Ihren Gesundheitssprecher verteidigte sie. Marcus Franz habe nie gesagt, Homosexualität sei abnormal, sondern eine "Gen-Anomalie".

(kurier) Erstellt am
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