Das Foto zeigt die traurige Wahrheit

FPÖ Demonstration
Foto: Kurier/Juerg Christandl "Die FPÖ begrüsst geflüchtete Kinder in Erdberg" - das Foto von KURIER-Fotograf Jürg Christandl wurde auf Twitter über 1000 mal geteilt.

Er hat euch nicht belogen", sagte Jörg Haider. Die Wahrheit ist bekannt. Heinz-Christian Strache behauptet das nicht einmal, er lügt einfach frei heraus. Strache behauptet nämlich in der ORF-Sendung "Im Zentrum", das Foto sei inszeniert worden. Wahr ist vielmehr: Der KURIER-Fotograf Jürg Christandl hat in Wien Erdberg vor einem Flüchtlingsheim ein Foto ganz spontan geschossen. Aus der Situation heraus, als aktueller Fotoreporter. Er hat ein Stück Wirklichkeit dargestellt, nicht mehr und nicht weniger (siehe auch Bericht unten).

Reden wir also darüber, was auf diesem Foto zu sehen ist: Ein paar verschreckte Flüchtlinge auf dem Weg zu einer Herberge, denen von satten Bürgern bedeutet wird, dass sie hier nichts verloren haben. Wir wissen nicht, wo die Flüchtlinge herkommen, wir kennen ihre Geschichte nicht. Wir wissen auch nicht, ob sie Asyl bekommen werden. Wir wissen nur eines: es gibt ein Asylrecht, das ein ordentliches Verfahren vorsieht.

Aber genau das will die FPÖ offenbar nicht mehr. Immerhin wurde in Straches Heimatbezirk Landstraße auch gefordert, LEGAL HIER LEBENDE AUSLÄNDER INNERHALB VON 6 MONATEN AUSZUWEISEN. Das wurde inzwischen zurückgenommen. Aber es ist dieselbe Denkart: Es geht nicht um Recht und Ordnung, es geht um das Schüren von Emotionen. Deshalb ist das Foto so wichtig, und deshalb lügt Herr Strache, weil er das Foto halt gar nicht brauchen kann.

KURIER-Foto

Foto von FPÖ-Protest gegen Flüchtlinge nicht inszeniert

Ein Kurier-Foto (siehe oben), das ein Flüchtlingskind und zwei erwachsene Flüchtlinge bei der Ankunft im Asylquartier in der Erdberger Straße in Wien-Landstraße zeigt, während FPÖ-Anhänger "Nein zum Asylantenheim"-Schilder hochhalten, sorgt für Aufregung. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sprach im ORF-Talk "Im Zentrum" von einem gestellten Foto. Fotograf Jürg Christandl wies die Vorwürfe indes zurück.

"Mir ist dieses Theater zuwider. Ich will nur fotografieren und mich nicht in die Innenpolitik reinziehen lassen", sagte Christandl am Montag. Christandl hatte die Aufnahme von der FPÖ-Protestaktion am 3. Juni auch auf seinem Twitter-Account veröffentlicht, wo sie weit über tausend Mal weitergeleitet wurde. In den sozialen Netzwerken verselbstständigte sich das Foto und wurde von Usern auch in Kombination mit historischen Aufnahmen von Nazi-Anhängern gezeigt.

Als FPÖ-Bundesparteiobmann Strache Sonntagabend bei "Im Zentrum" mit dem Bild und der Frage konfrontiert wurde, ob es in Ordnung sei, Flüchtlingskinder so "Willkommen" zu heißen, sprach er von einer inszenierten Aufnahme. Die Gegendemonstranten hätten es "organisiert, dass ein Kind mit einem Fotografen positioniert vorbeigeführt wurde. Und so kann man mit Bildern Kinder missbrauchen", erklärte Strache.

"Das stimmt natürlich nicht und macht mich sprachlos", meinte Christandl dazu. "Ich und ein paar andere Fotografen sind da gestanden. Es war schon relativ am Ende der Protestaktion. Auf einmal sind diese Flüchtlinge Richtung Flüchtlingsheim vorbeigegangen, weil die FPÖ ja den Zugang blockiert hat. Ich seh das, reiße instinktiv die Kamera hoch und drücke zehn mal drauf. Die Flüchtlinge haben auch nicht posiert. Das war in vier Sekunden vorbei. Ich habe daran keine Inszenierung erkennen können, und ich war schon überhaupt kein Teil einer Inszenierung und lasse mich als Fotograf nicht positionieren", so Christandl.

Mit der Breitenwirkung des Bildes habe er nicht gerechnet. "Ich habe völlig unterschätzt, was dieses Foto auslöst. Ich bin auch nicht damit einverstanden, was einige in sozialen Medien daraus gemacht haben", meinte Christandl mit Blick auf die Nazivergleiche. "Das geht sogar mir zu weit, aber ich habe das nicht mehr steuern können."

Die Kritik der Freiheitlichen nimmt der Fotograf gelassen. "Das ist doch der Reflex seit Haider." Das sei ja auch beim ORF-Journalisten Ed Moschitz so gewesen. Immer wenn es für die FPÖ eng werde, würden Journalisten "angetatscht".

Auch die Hilfsorganisation SOS Mitmensch wies Straches Aussagen am Montag zurück und sprach in einer Aussendung von gezielten Falschbehauptungen. "Die FPÖ-Funktionäre haben sich genau dort hingestellt, wo der Zugangsweg zum Asylquartier ist. Von der ersten Sekunde an, sind immer wieder Asylsuchende vorbeigekommen, teilweise als verunsicherte Schaulustige, teilweise, weil sie auf dem Weg ins Asylquartier waren", so SOS Mitmensch-Sprecher Pollak.

(KURIER) Erstellt am
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