Django-Effekt katapultiert VP zur Nr.1

Reinhold Mitterlehner
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Der Wechsel von Spindelegger zu Reinhold Mitterlehner als ÖVP-Obmann hat den Schwarzen Auftrieb verliehen.

Nach drittem Platz ÖVP erstmals voran; SPÖ und FPÖ gleichauf. Mehrheit glaubt nicht an Neuwahl.


Der sprichwörtliche neue Besen kehrt gut. Noch im Juni, bei der letzten OGM-Sonntagsfrage für den KURIER, war die ÖVP hinter SPÖ und FPÖ auf dem dritten Platz. Die Performance von Michael Spindelegger als Finanzminister und interne Querelen um die Steuerreform setzten der Vizekanzlerpartei zu.

Der Wechsel von Spindelegger zu Reinhold Mitterlehner als ÖVP-Obmann hat den Schwarzen Auftrieb verliehen. Sie sind in der Wählergunst auf Rang 1 vorgerückt, SPÖ und FPÖ liegen mit zwei Prozentpunkten Abstand dahinter (siehe Grafik unten).

Blitz-Rochade

Nach der Blitz-Rochade an der Spitze Ende August und dem Parteitag vor zwei Wochen, bei dem Mitterlehner 99,1 Prozent Zuspruch erreicht hat, sei die ÖVP "derzeit in einer günstigen Situation", analysiert OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Zudem sei der Wechsel von Spindelegger zu Mitterlehner "top gemanagt" worden; und das in einer Partei, "die immer Nummer 1 im Obmann-Morden war". Weiters hilfreich war, dass eine weitere Schwachstelle bereinigt wurde: Ex-Manager und Sozialversicherungsboss Hans Jörg Schelling hat den finanzunerfahrenen Spindelegger im Finanzministerium abgelöst.

All das wirke auch auf die SPÖ, für die das "Klima momentan ohnehin weniger angenehm ist", sagt Bachmayer. Für diese heiße es: "Kein Neuer an der Spitze und wenig Dynamik." Für die ÖVP hingegen: "Ein Neuer und Dynamik" – obwohl Mitterlehner seit Jahrzehnten in der Politik ist, zuletzt Wirtschaftsminister war, seit der Wahl im Herbst 2013 zusätzlich das Wissenschaftsressort führt.

Kanzlerfrage

Wegen des Frische-Images schlägt Mitterlehner Faymann auch bei der Kanzlerfrage: mit 20 zu 17 Prozentpunkten. Wobei: Spindelegger lag im April mit zehn und im Juni mit zwölf Prozent so schlecht, dass es für Mitterlehner nur aufwärts gehen konnte. Für Faymann gilt das vorerst nicht; im April ist er auf 21, im Juni auf 19 Prozent gekommen. Bachmayer: "Von einem Kanzler-Bonus ist wenig zu bemerken." Und so sieht es für ihn auch mittelfristig nicht gut aus. Auf die Frage, ob die SPÖ mit ihm in die kommende Nationalratswahl ziehen solle, sagt nur eine Minderheit aller Wähler "Ja"; die Mehrheit ist dafür, jemand anderen zum roten Spitzenkandidaten zu machen. Bachmayer: "Das einzige, das Faymann trösten wird: Bei den SPÖ-Sympathisanten kommt er auf 79 Prozent."

Mitterlehner, intern Django genannt, steigt da nicht nur bei den ÖVP-Anhängern (86 %), sondern bei der Gesamtbevölkerung besser aus: eine Mehrheit von 53 Prozent plädiert dafür, dass er bei der nächsten Wahl Spitzenmann der Schwarzen ist. Selbst 58 Prozent der SPÖ-Fans hätten das gern.

Dass sich trotz neuem Vizekanzler und Finanzminister das Klima in der Regierung verbessert hat, glaubt nur eine Minderheit; eine relative Mehrheit sagt, es sei gleich geblieben. Das Gros geht jedenfalls davon aus, dass das Bündnis bis zum regulären Wahltermin (2018) hält.

Bachmayers Resümee: Macht Mitterlehner keinen Fehler, werde der "Aufschwung" über Weihnachten halten. "Dann wird es zunehmenden Druck bei Fahnenfragen wie der Steuerreform geben, der zu Konflikten führen wird." Dazu kämen vier Landtagswahlen. "Nach diesen werden Wellen auch bis zu den Parteispitzen schlagen."

(kurier) Erstellt am
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