Khol: "Schlage einen Wahlkampf ohne Plakate vor"

BP-WAHL: Ö1-DISKUSSION DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDA
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER Die Kandidaten Rudolf Hundstorfer, Alexander Van der Bellen, Irmgard Griss und Andreas Khol

Die erste Elefantenrunde der Hofburg-Anwärter im Radio war launig.

"Das ganze letzte Jahr hat uns Strache verschreckt, dass er Bürgermeister von Wien werden will. Und was ist raus gekommen?", fragt Van der Bellen mit süffisantem Ton in die Runde. "Der Bezirksvorsteher von Simmering! Also Gemach." Applaus. Lachen.

Das Publikum im Wiener RadioKulturhaus ist offensichtlich amüsiert. Es sollte nicht die letzte launige Bemerkung während der ersten Elefantenrunde der vier Bundespräsidenten-Kandidaten bleiben. Statt Behäbigkeit, und aggressivem Schlagabtausch wurde gestern dem Publikum in der Ö1-Diskussion Klartext Sachlichkeit mit einem wohltuenden Schuss Schmäh serviert.

Humor

Den Anfang machte Van der Bellen, dann packten auch Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) ihren Humor aus. Selbst die trockene Juristen Irmgard Griss versuchte mitzuhalten.

Aber zurück zu den ersten Themen der Diskussion. Große Überraschungen gab es bei den Standpunkten keine. In der Flüchtlingspolitik positionierte sich Alexander Van der Bellen klar gegen Obergrenze bei "echten" Flüchtlingen. "Das wäre so ähnlich, wie wenn man Meinungsfreiheit auf 30 Minuten begrenzt, und ab der 31. Minute gilt sie nicht mehr."

Van der Bellen würde Menschen wie Flüchtlingskoordinator Christian Konrad "mit Orden überhäufen" für seine Arbeit für die Flüchtlinge. Hundstorfer und Khol blieben klar auf Koalitionskurs. Griss pochte auf die Einhaltung der Genfer Konvention und des EU-Rechts.

Das Amtsverständnis und den Machteinfluss des Präsidenten definierten die vier Kandidaten unterschiedlich. Griss sieht im Bundespräsidenten ein "ganz wesentliches Gegengewicht zur Regierung". Sie wäre in der Hofburg "ein Sprachrohr für jeden" und würde "denen eine Stimme geben, die keine haben", weil Österreich noch immer ein "Parteienstaat" sei. Wie groß der Einfluss der Parteien ist, sieht sie bei ihrem Crowdfunding. "Viele trauen sich nicht zu spenden, weil ich es im Internet transparent mache", so Griss.

Kein Ersatzkaiser

Für Van der Bellen ist der Bundespräsident kein "Ersatzkaiser" aber auch kein "Grußaugust". Er möchte auf die Themen aufmerksam machen, die in der Öffentlichkeit untergehen. Khols Ziel ist es, als Bundespräsident die "Gummidecke zwischen Bürgern und Regierung zu durchstoßen." Und Hundstorfer will "Brückenbauer sein und das soziale Fundament sichern".

Eine kleine Überraschung kam von Khol: Er schlug ein Fairness-Abkommen zum Verzicht auf Wahlkampf-Plakate vor. Das war den anderen Kandidaten neu. "Khol hat das schon drei Tage lang überlegt, jetzt konfrontiert er uns da, aber wir werden es uns auch noch zwei Tage überlegen", kommentierte Hundstorfer die Idee launig. Und hatte damit das Schlusswort.

(kurier) Erstellt am
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