Leitl holt Mahrer: Mehr Blitzableiter als Kronprinz

Harald Mahrer<br />
Christoph Leitl<br />
Othmar Karas<br />
<br />
ho…
Foto: /Foto Fayer Leitl holt Mahrer (li.) – als einen von sechs Vizes – an seine Seite

Wirtschaftskammer-Boss lässt sich erneut zum ÖVP-Wirtschaftsbundchef wählen.

Er lässt sich am Samstag erneut wählen, kündigt aber an, nicht zu bleiben – zumindest nicht bis zur nächsten Wahl: Christoph Leitl kandidiert kommenden Samstag als Wirtschaftsbundchef, zum dritten Mal mittlerweile.

In der Kleinen Zeitung hat er bekräftigt, was er bereits vergangenen Herbst hat wissen lassen: nicht bis zum Ende der Amtsperiode, also 2020, zu dienen. Er werde vorher gehen, auch als Wirtschaftskammerpräsident. Dem KURIER gegenüber nannte er das Jahr 2019. Er habe erwogen, schon dieses Wochenende "einen Generationenübergang zu machen", sagt Leitl. Seine neun Landesvorsitzenden wollten aber, dass "ein Zeichen der Erneuerung" erst "in den nächsten Jahren" gesetzt wird.

Wer könnte Leitl an der Spitze der ÖVP-Teilorganisation, an der er seit 15 Jahren steht, nachfolgen? Wohl einer seiner sechs Vizes. Vier neue hat er ab Samstag. Einer davon ist Harald Mahrer (42), der seit September 2014 als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium werkt.

Der äußert sich nicht zur Causa. Andere Wirtschaftsbündler halten sich zurück. So bescheinigt Oberösterreichs Kammerpräsident Rudolf Trauner Mahrer Kompetenz, er habe aber "keine Präferenz" dahingehend, wer Leitl politisch beerben soll, sagt Trauner dem KURIER.

Dass Leitl Mahrer ins Führungsteam holt, damit zu einem potenziellen Chef-Kandidaten macht, liegt nicht nur an der geplanten Verjüngung der Unternehmervertretung. Mahrer hat die Steuerreform und die Registrierkassenpflicht mitzuverantworten.

Leitl war in den vergangenen Monaten deswegen unter Druck. Kammer-Zwangsmitglieder zürnten ob der einseitigen Steuerentlastung der Arbeitnehmer und der neuen "Schikanen" für Unternehmer. Der Vorhalt: Der Wirtschaftsbund stelle mit Reinhold Mitterlehner den Vizekanzler und mit Hans Jörg Schelling den Finanzminister – und diese belasteten die Wirtschaft enorm. "Diese Kritik hat Leitl schwer zugesetzt", sagt einer seiner Vertrauten. Mit seiner Ankündigung, vor 2020 abdanken zu wollen, versuche er, die Aufgebrachten zu besänftigen. Er wolle nicht länger "Buhmann" sein. Diesen Part könnte nun Mahrer (mit)übernehmen.

Ob der Staatssekretär auch als Leitls Nachfolgekandidat Chancen hat, wird von der starken niederösterreichischen, steirischen und oberösterreichischen Kammer, der Leitl entstammt, entschieden. "Die schnapsen sich das aus. Das ist eine rein machtpolitische Frage", sagt ein Funktionär. Dass Leitl neuerlich antritt, verstehen manche ÖVPler nicht: Bei der jüngsten Wirtschaftskammer-Wahl habe er wieder eine Zweidrittelmehrheit bekommen. Für viele ein guter Zeitpunkt, das Zepter zu übergeben. Dass Leitl dennoch bleibt, liegt wohl daran, dass es den Kronprinzen noch nicht gibt.

(kurier) Erstellt am
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