Andreas Khol: "Bei meiner Frau bin ich Plan A"

Andreas Khol announces to run for Austrian preside
Foto: EPA/CHRISTIAN BRUNA Andreas Khol mit Frau Heidi

Erste Statements des ÖVP-Kandidaten. Der 74-Jährige will "mit allen Menschen, in allen Sprachen reden".

"I mog des Land, i mog die Leit - und für mich ist Österreich ein Anliegen", begründete der bisherige Seniorenbund-Chef Andreas Khol in einem knappen Statement am Sonntag, warum er bei der Bundespräsidenten-Wahl im April für die ÖVP in den Ring steigt. Parteiobmann Reinhold Mitterlehner lobte den Auserwählten wegen seiner umfangreichen Kenntnisse und Fähigkeiten, die er nicht erst im Amt erlernen müsste. So auch der Tenor der VP-Landeschefs aus Niederöstereich, Oberösterreich und Tirol.

"Andreas, bist in Wien?"

Auf einer Pressekonferenz Montagvormittag gaben sich ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner und der frisch gekürte Bundespräsidenschaftskandidat der Schwarzen volksnah. Einige würden meinen, das Amt des Bundespräsidenten sei eine demokratiepolitische Versuchsstation, begann Mitterlehner die Statements vor Medienvertretern. Es sei aber ein Amt, das Sicherheit vermitteln soll. Daraus sei ein bestimmtes Kompetenzprofil ableitbar. Man brauche jemanden, der das kann. Und jemanden der Österreich nach innen und außen repräsentieren kann. Es gehe auch um eine Positionierung in der Flüchtlingsfrage. All diese Qualitäten seien bei Andreas Khol gegeben.

Die Bürger würden im Wahlkampf keine unsaubere Auseinandersetzung wünschen. Mitterlehner spricht die Wahlkampfbeschränkung und ein mögliches Fairnessabkommen an. Konkrete Zahlen wollte Mitterlehner nicht nennen.

"Ich freue mich auf die Chance, die mir gegeben wird", sagte im Anschluss Andreas Khol. Er will die Österreicher nicht vor etwas schützen, sondern allgemein Interessen wahren. "Ich rede gerne mit allen, in allen Sprachen", betonte der 74-Jährige seine Offenheit.

Der schnelle Schwenk zu Khol

Auch das Thema des schnellen Umschwenkens der ÖVP von Erwin Pröll zu Andreas Khol wurde aufs Tapet gebracht. Am 30.12. um 10 Uhr habe er vom Parteichef einen Anruf bekommen ("Andreas bist in Wien?"). "Da wurde mir als erstes klar, dass es sein könnte", sagt Khol. "Bei meiner Frau bin ich Plan A", was "Plan B" betrifft, das bestimmen die Wähler, antwortete Kohl auf die Frage, ab er nach der Absage von Erwin Pröll nur "Plan B" sei.

Befragt wurde Khol auch zur Flüchtlingsproblematik. Er betonte, dass man dringend eine Strategie brauche. Dieses Jahr im Mai sei mit einem zweiten großen Ansturm zu rechnen. Diesem dürfe man nicht unvorbereitet begegnen. Auf die Frage, ob eine Obergrenze für die Aufnahem von Flüchtlingen notwendig sei, sprach Khol von einer "kapazitätenorientierten Richtschnur". Er wolle nicht von einer Obergrenze im Sinne einer Latte sprechen. Man dürfe aber nicht von vornherein Obdachlosigkeit produzieren und Probleme mit Integration ignorieren. Er habe Sympathie für leidende Menschen, Nächstenliebe beginne aber auch Zuhause, so Khol. Er sieht das Asylthema jedenfalls als das größte Problem, das Österreich und die ganze EU zu bewältigen habe.

Antrittsvideos

Wie die bisher bekannten Präsidentschaftskandidaten Irmgard Griss und Alexander Van der Bellen verfügt auch Khol bereits über ein Antrittsvideo. Darin erzählt der frisch gekürte ÖVP-Kandidat, dass er sprachlos gewesen sei, als man ihn fragte, ob er für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren würde. "Das Amt ist ein wunderschönes Amt. Man soll es ehrlich, sachlich und vor allem überparteilich ausüben", erklärt der 74-Jährige weiter.

Scherz mit Khol-Domain

Khols Kandidatur hat im Internet bereits Scherzbolde auf den Plan gerufen. Über die Domain khol2016.at kommt man zur Homepage der Initiative zur Gleichstellung homosexueller Paare bei der "Ehe gleich". Wer über diese Domain zur Wahlkampf-Homepage des katholischkonservativen Politikers will, wird sich wundern, denn er kann dort für die Gleichstellung unterschreiben.

Einen weiteren Gag hat sich jemand mit der Domain www.kohl2016.at mit dem falsch geschriebenen Namen des ÖVP-Kandidaten erlaubt. Wer das eingibt, kommt zur Wahlkampf-Homepage des grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen.

Auf die richtige Homepage kommt man, wenn man www.andreaskhol.at eintippt.

Andreas Khol (hier im Bild mit Heinz Fischer) wurde am 14. Juli 1941 im deutschen Bergen geboren, aufgewachsen ist er in Südtirol, ab dem Gymnasium lebte er in Innsbruck. Seine Familie wurde von den italienischen Faschisten vertrieben und ließ sich nach dem Krieg in Österreich nieder. Er besuchte Schulen in Sterzing und Innsbruck. (Bild: Khol mit Peter Westenthaler) Nach seiner Matura 1959 belegte er einen Abiturientenkurs der Handelsakademie und studierte dann an den Universitäten Innsbruck und Paris Rechtswissenschaften. 1966 habilitierte er an der Universität Wien (Verfassungsrecht, Internationale Organisationen) und wurde Sekretär im österreichischen Verfassungsgerichtshof, gleichzeitig übte er das Amt des Generalsekretärs der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik aus. (Bild: Khol mit Alexander Van der Bellen) Von 1969 bis 1973 wurde Khol internationaler Beamter im Sekretariat des Europarates, Jurist in der Europäischen Menschenrechtskommission, sodann Sekretär des Expertenkomitees für Menschenrechte. Ab 1974 bekleidete Khol insgesamt 18 Jahre lang das Amt des Direktors der Politischen Akademie der ÖVP. Von 1992 bis 1994 war er Vizepräsident der Politischen Akademie. Von 1983 bis 2006 war Khol Nationalratsabgeordneter für die ÖVP und war zweimal Klubobmann (1994 bis 1999, sowie von 2000 bis 2002). (Bild: Khol mit Karl "Charly" Blecha) Von 2002 bis 2006 war Khol Präsident des Nationalrates. Außerdem war er Vorsitzender der Südtirolkommission im Nationalrat. (Bild: Khol beim "ORF"-Kaiser) Der jüngeren Generation dürfte Khol als Chef des ÖVP-Seniorenbundes sein. Obwohl er sich bereits aus der aktiven Politik zurückgezogen hat, übt Khol diese Position weiter aus. Khol, der vor allem mit Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll immer wieder im Clinch war, gilt als führender Vertreter des christlich-konservativen Flügels der ÖVP. Auch als Autor zahlreicher Publikationen auf dem Gebiet der Außen- und Sicherheitspolitik hat sich Andreas Khol einen Namen gemacht. Nun geht Khol für die ÖVP bei der Bundespräsidentschaftswahl 2016 ins Rennen. (Bild: Khol mit Heinz Fischer)
(KURIER / jk, dk) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?