Letztes Update am 25.07.2012, 14:27
Grönlands Eis schmilzt in Rekordtempo.
Allein im Juli verringerte sich die Eisfläche Grönlands auf 97 Prozent – das Ausmaß sei größer als in den vergangenen 30 Jahren. Die NASA zerbricht sich den Kopf darüber.
Veröffentlicht wurden diese Beobachtungen jetzt von der US-Weltraumagentur NASA. Mit folgendem Nachsatz: Das Ausmaß der Eisschmelze sei größer als in allen zurückliegenden mehr als 30 Jahren, in denen die Schmelze mit Satelliten beobachtet werde.
Wie auf der Satellitenaufnahme zu sehen ist, hat sich die Eisdecke sichtbar verringert: Die linke Aufnahme stammt vom 8. Juli, das rechte Bild wurde vier Tage später vom Satelliten geschossen. Das Pink symbolisiert dabei die "Problemzonen".
Ein Rechenfehler, so die Forscher, könne nicht vorliegen...
...die Daten würden von drei verschiedenen Satelliten stammen. Sie wurden von Fachleuten der NASA wie auch von Universitätsexperten ausgewertet.
Der Unterschied zu einem "Normaljahr": In einem durchschnittlichen Sommer schmelze das Eis natürlichweise etwa auf der halben Oberfläche Grönlands, so die NASA.
In großer Höhe friere der größte Anteil des Wasser dann schnell wieder; nahe der Küste werde einiges Wasser von Eisbarrieren zurückgehalten, etwas Wasser fließe in den Ozean.
"In diesem Jahr hat das Schmelzen an der Oberfläche einen dramatischen Sprung gemacht", so die Experten.
Den Satellitendaten zufolge schmolz das Eis - an einem nicht genau bestimmten Zeitpunkt um den 12. Juli herum – auf etwa 97 Prozent der Fläche.
Die Schmelze habe sogar die höchsten und kältesten Regionen Grönlands erfasst, wie die britische BBC berichtete.
Und das ist wirklich außergewöhnlich: Denn am kältesten Punkt, der Summit Station, schmolz das Eis zuletzt 1889, wie die Forscher durch Eiskernproben feststellen konnten.
"Das war so außergewöhnlich, dass ich das Ergebnis zuerst infrage gestellt habe: War das real oder ein Datenfehler?", sagt Son Nghiem vom Jet Propulsion Laboratory der NASA. Er hat im kalifornischen Pasadena die Radardaten ausgewertet.
Um auch wirklich sicherzugehen, haben die Forscher die Ergebnisse mit Messgeräten weiterer Satelliten überprüft und nach dem Auslöser gesucht.
Das Ergebnis: Überaus hohe Temperaturen über der Eisfläche wurden festgestellt.
Die ungewöhnlich warme Luftschicht solle demnach ein Grund sein, der das extrem starke Schmelzen auslöse.
Die NASA spricht gar von einer Hitzeglocke: Seit Mai habe es mehrere davon gegeben, jede stärker als die vorherige.
Die letzte Glocke, die beobachtet worden war, baute sich am 8. Juli auf – acht Tage später, am 16. Juli, begann sie sich aufzulösen.
Die weiteren Konsequenzen können selbst die Experten nicht abschätzen.
Denn ob die Schmelze einen Einfluss auf das Volumen des Eisverlustes Grönlands haben wird, können die Wissenschafter - noch nicht – sagen.
(apa/dpa/ep)
Erstellt am 25.07.2012, 14:14