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KURIER
Michael Held, 34, aus Villach und seine Lebensgefährtin Natascha Goritschnig, 23. - Foto: Foto Zore Willi

Letztes Update am 22.05.2012, 09:45

Entführungsop­fer: "Gleich ,Hände hoch' gemacht". Der entführte Bauunternehmer Michael Held sprach mit dem KURIER über seine Erlebnisse.

Mit einem breiten Lächeln empfängt der 34-jährige Michael Held den KURIER zum Interview. Nach jenem Wochenende, an dem er von Bosniern nach Laibach verschleppt und wegen angeblicher Zahlungsrückstände als Geisel festgehalten worden ist. Insgesamt sechs Männer hätten ihn bis Samstagmittag in der slowenischen Hauptstadt festgehalten: „Sie hatten aber keine Waffen, haben mir auch Getränke und Essen bezahlt. Übernachtet haben wir zu dritt in einer Arbeiterunterkunft – die haben mich ja nicht aus den Augen gelassen."

Die Männer hätten fälschlicherweise Geld vom ihm verlangt: „Es war ein Subunternehmer mit Mitarbeitern, der für mich auf Baustellen in Wien gearbeitet hat. Die vereinbarten Beträge von fast 40.000 Euro habe ich bezahlt, aber dann wollten sie immer wieder Geld – für dieselbe Baustelle, die noch gar nicht fertig war." Zwei Tage vor der Entführung sei ein SMS in bosnischer Sprache auf seinem Handy gewesen: „Melde dich oder wir töten dich." Danach gab es ständig Zahlungsaufforderungen. Zur Polizei ging Held deshalb nicht: „Ich hatte ja gezahlt und praktisch täglich Kontakt mit den Arbeitern."

Michael Held, 34, aus Villach
Michael Held im Interview - Foto: Foto Zore Willi

Am Freitag dann wollte er die Sache klären und vereinbarte ein Gespräch an einer Tankstelle in Villach. Auf dem Weg dorthin wurde er von drei Männern in ein Auto gezwungen, zwei weitere kamen an der Tankstelle mit eigenem Wagen dazu und in Laibach vergrößerte sich der Kreis um einen weiteren auf sechs Entführer.

Ihm gegenüber hatten die Kidnapper keine Todesdrohungen ausgestoßen, wohl aber gegenüber seiner Lebensgefährtin. „Sie sagten, entweder er zahlt, oder ich sehe ihn nicht lebend wieder", berichtet Natascha Goritschnig, 23. „Ich hatte einen Zusammenbruch, ich habe bei der Polizei übernachtet, das Kriseninterventionsteam war bei mir. Mir geht es heute noch schlecht."

Michael Held, 34, aus Villach
Michael Held im Interview - Foto: Foto Zore Willi

Nach stundenlangen Verhandlungen mit der Polizei – Entführer und Opfer wechselten von einem Café in Laibach ins nächste – wurde die Geldübergabe für Sonntagfrüh im Bereich Kranj, nahe der Kärntner Grenze vereinbart. „Als die Polizei eingeschaltet war, war ich schon gelassener", schildert Held seine Verfassung. Zwei Entführer waren schon Samstagabend Richtung Bosnien weiergefahren, zwei bewachten den Villacher und die übrigen beiden machten sich zur Grenze auf.

„Wir sollten mit dem Auto nachkommen", erinnert sich Held. „Plötzlich wurden wir bei einem Kreisverkehr gestoppt und Männer mit Pistolen im Anschlag haben die Autotüren aufgerissen. Ich habe gleich einmal ,Hände hoch` gemacht."

Der 34-Jährige wurde befreit, seine Bewacher festgenommen. Gleichzeitig klickten auch bei der Geldübergabe nahe der Grenze direkt an der Autobahn die Handschellen.
Die Firma für die Montage mobiler Trennwände hat Held bereits vor einigen Tagen stillgelegt. Sein neues Projekt – eine Firma mit großem Baugewerbe und gewerberechtlichem Geschäftsführer – wird sich wohl etwas verzögern: „Ein bisschen erholen möchte ich mich schon."

(KURIER) Erstellt am 21.05.2012, 15:57

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