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KURIER
Voller Durchblick: Die Ärzte geben den Weg für die elektronische Speicherung der Krankendaten frei - Foto: Artur Gabrysiak

Letztes Update am 03.10.2012, 21:07

ELGA: Grünes Licht für den gläsernen Patienten. "Die Verhandlungen sind sehr weit fortgeschritten, der Teufel steckt im Detail", sagt ÖVP- Verhandler Rasinger.

Österreichs Patienten werden – sofern sie das wollen – bald gläsern: Das Gesetz für die elektronische Gesundheitsakte ELGA ist nach Informationen des KURIER fast fertig verhandelt. "Die Verhandlungen sind sehr weit fortgeschritten, aber der Teufel steckt noch im Detail", sagt Erwin Rasinger, der für die ÖVP das Dossier verhandelt.

ELGA soll das österreichische Gesundheitssystem ins 21. Jahrhundert katapultieren: Alle medizinischen Befunde, Diagnosen, Röntgenbilder, Blutbilder, Allergien, Medikationen und Impfungen werden in einem Computersystem zentral gespeichert und nur für die behandelnden Ärzte, die Sozialversicherungen und die Patienten selbst jederzeit abrufbar gemacht. Die Patienten werden das Recht bekommen, jederzeit ihre Gesundheitsdaten teilweise oder zur Gänze aus dem System löschen zu lassen. Damit soll die Angst vieler Bürger genommen werden, dass bei jedem Arzt- oder Apothekenbesuch persönlich belastende Befunde wie Abtreibungen oder psychische Krankheiten aufscheinen.

Prinzipiell sollen Gesundheitsdienstleister (Ärzte) ohnehin nur nach Zustimmung des Patienten Zugang zu den Patientendaten bekommen.

Die Politik verspricht sich von ELGA vielfache Verbesserungen: Die Diagnose soll durch einen umfassenden Blick und Rückblick auf alle Patientendaten schneller und gezielter erfolgen. Im Notfall scheinen verschriebene Medikamente, Allergien oder Unverträglichkeiten sofort auf, was die Risiken minimiert. Die Kassen erhoffen sich finanzielle Einsparungen, weil teure Untersuchungen nicht mehrfach durchgeführt werden, nur weil aktuelle Befunde nicht greifbar sind. Eine Nutzenanalyse hat ergeben: Insgesamt sollen im Vollbetrieb von ELGA, der ab 2016 geplant ist, für die gesamte Volkswirtschaft mehr als 129 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden können.

Einigung

Groß war bis zuletzt der Widerstand der Ärztekammer, die lautstark vor bürokratischer Mehrarbeit in den Ordinationen und einem Datenchaos warnten. "Die Probleme sind lösbar", sagt Rasinger. "Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich bei ELGA um das bisher größte Datenschutzprojekt handelt."

Bis zuletzt wurden technische Details des Systems auf Beamtenebene noch nachgeschärft.

Verhandelt wurde der von Gesundheitsminister Alois Stöger im Februar 2011 vorgelegte Gesetzesentwurf zuletzt von Stöger, ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und den Gesundheitssprechern von SPÖ und ÖVP, Sabine Oberhauser und Rasinger (die beide Ärzte sind).

In Europa hat nur Dänemark ein ähnliches, flächendeckend funktionierendes System. Auf regionaler Ebene läuft ein solches bereits in Teilen Frankreichs, Spaniens und Italiens. Auf EU-Ebene wird über eine Vernetzung der Gesundheitsakten-Systeme nachgedacht (Projektname EPSOS – European Patients) – was derzeit aber vor allem aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Regelungen unwahrscheinlich ist.

Hintergrund

Was ist das?
ELGA ist ein elektronisches Informationssystem, in dem alle Gesundheitsdaten wie Medikation, Befunde, Röntgenbilder, Entlassungsbriefe, Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten für Ärzte (und die Patienten) abrufbar sind.

Wozu?
Ärzte bekommen damit schnell und unkompliziert lebenswichtige Informationen über ihre Patienten, was die Diagnose erleichtert und die Therapie beschleunigt. Aber auch die Patienten haben einen Überblick über alle Befunde. Politik und Krankenkassen erhoffen sich Einsparungen in Milliardenhöhe, weil nicht mehr doppelt befundet wird und Arzneien gezielter verschrieben werden können.

Freiwillig?
Jeder Patient soll die Möglichkeit bekommen, seine Gesundheitsdaten teilweise oder zur Gänze in ELGA nicht aufscheinen zu lassen.

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(kurier) Erstellt am 03.10.2012, 15:45

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